Renault spaltet Konzern auf: EV-Sparte soll an die Börse - neuer E-Van kommt

Neben einem EV- und Software-Bereich, der als Ampere an die Börse soll, bleibt das Stammgeschäft mit optimierten Verbrennern und Hybriden, daneben Mobilize als MaaS-Tochter, Alpine als sportive Marke, NEUTRAL als Kreislaufwirtschaftssparte. Zudem avisierte man eine neue EV-Plattform für Vans.

Französische Renaulution: Zwei Jahre nach dem Start des ambitionierten Plans zündet Renault-Chef Luca de Meo die dritte Stufe - und spaltet den Konzern auf in mehrere Bereiche. | Foto: Screenshot/Renault
Französische Renaulution: Zwei Jahre nach dem Start des ambitionierten Plans zündet Renault-Chef Luca de Meo die dritte Stufe - und spaltet den Konzern auf in mehrere Bereiche. | Foto: Screenshot/Renault
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Die Renault Group forciert seine Transformation und will zu einem "Automobilunternehmen der nächsten Generation" werden, wie es aus Paris heißt. Deutlich früher als ursprünglich geplant, starte man das "dritte Kapitel des Strategieplans", aus "Renaulution werde Revolution", formulierte der französische Konzern. Ziel sei es, die Ressourcen des Unternehmens noch konsequenter auf die Wertschöpfung auszurichten, die sich aus der Automobil- und Mobilitätsindustrie ergeben. Zukünftig stünden Elektrofahrzeuge, Software, neue Mobilitätsdienstleistungen und Kreislaufwirtschaft noch stärker im Mittelpunkt – zusätzlich zu konventionellen Fahrzeugen mit Verbrennungs- und Hybridantrieb. Die Gruppe will sich als Automobilunternehmen der nächsten Generation zukünftig auf fünf Geschäftsbereiche konzentrieren, die alle neuen Wertschöpfungsketten abdecken:

  • Ampere: nach eigenem Dafürhalten der erste reine EV- und Software-Anbieter, der aus einem Automobilhersteller hervorgeht
  • Alpine: eine emissionsfreie Weltmarke mit einem rennsportlichen Stammbaum
  • Mobilize: ein nach Wunsch führendes Finanzdienstleistungsunternehmen für den Markt der neuen Mobilitäts-, Energie- und Datendienste
  • NEUTRAL: das laut Hersteller erste Unternehmen für 360°-Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie – vom geschlossenen Materialkreislauf bis zum Batterierecycling
  • Power: Das traditionelle Kerngeschäft der Renault Group werde weiterhin die Entwicklung innovativer, emissionsarmer Verbrennungs- und Hybridfahrzeuge der Marken Renault, Dacia sowie leichte Nutzfahrzeuge von Renault umfassen, die jeweils über eine eigene Organisation und Führung verfügen. Um diesen Teil des Geschäfts zu stärken, wird die Gründung eines weltweit führenden Zulieferers für konventionelle und hybride Antriebstechnologien anvisiert (Projektname Horse).

In dem komplexen Kontext strebt man den Aufbau eines Ökosystems offener Partnerschaften an:

  • Mit der Gründung dieses führenden Unternehmens im Bereich der Antriebsstrangtechnologie bündeln die Renault Group und Geely ihre Technologie-, Produktions-, Forschungs- und Entwicklungsressourcen. Die Franzosen werde 50 Prozent an diesem Unternehmen halten, das vom ersten Tag an weltweit einen Umsatz von 15 Milliarden Euro erwirtschaften wird.
  • Der geplante Börsengang von Ampere an der Euronext Paris soll frühestens im zweiten Halbjahr 2023 erfolgen (vorbehaltlich der Marktbedingungen), wobei die Renault Group eine starke Mehrheit behalten will und auf die Unterstützung potenzieller strategischer Investoren baut (einschließlich Qualcomm Technologies, Inc.).

Zeitgleich hatten die Franzosen Partnerschaften mit zwei großen Tech-Größen – Google und Qualcomm Technologies – bekanntgegeben, mit denen man Software Defined Vehicles (SDV) einschließlich zentraler elektronischer Architektur und Fahrzeugbetriebssystemen entwickeln will. Alpine wiederum soll weltweit expandieren, wobei die Hälfte des zukünftigen Wachstums außerhalb Europas durch kommerzielle Partnerschaften und die Unterstützung von Investoren erreicht werden soll.

Software-definierter Transporter

Im Geschäftsbereich leichter Nutzfahrzeuge kündigte man eine "neuartige EV- und softwaredefinierte Transporter-Familie" an, die den Namen FlexEVan tragen soll. Sie ermögliche eine End-to-End-Betriebsüberwachung in Echtzeit und ein datengesteuertes Flottenmanagement. Das Konzept und die Technologie sollen die Gesamtnutzungskosten für Mobilitätsanbieter um 30 Prozent senken, verspricht man.

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