RFID in Fahrzeugreifen: Michelin forciert die Digitalisierung

Bereits in diesem Jahr hat der Reifenhersteller Michelin bis zu 1,5 Millionen Pkw-Reifen mit RFID-Chips ausgerüstet. Ab 2023 soll die Technik im gesamten Sortiment verbaut werden.

Reifenquerschnitt in Gelb eingezeichnet RFID-Chip. (Foto: Michelin)
Reifenquerschnitt in Gelb eingezeichnet RFID-Chip. (Foto: Michelin)
Tobias Schweikl
(erschienen bei Unterwegs auf der Autobahn von Christine Harttmann)

Ein in die Reifen einvulkanisierter RFID-Chip (Radio Frequency Identification) soll beim Hersteller Michelin Möglichkeiten für ein verbessertes Reifenmanagement schaffen. Das gelte für die gesamte Lebensdauer – angefangen ab Werk bis zum Ende des Reifenlebens. Im Auto verbaute Wartungssysteme sollen währenddessen frühzeitig den Zustand des Autoreifens signalisieren.

Michael Ewert, Vice President Global Sales Original Equipment bei Michelin, bericht, dass das Unternehmen mit den Fahrzeugherstellern an entsprechenden Algorithmen arbeite.

„Da die RFID-Technik diese genaue Reifenidentifikation sicherstellt, ist es zukünftig vorstellbar, dass Autofahrer neben ihrer Tankanzeige eine Reifen-Zustandsanzeige sehen.“

Diese Zustandsüberwachung werde, so Ewert weiter, bei zunehmend automatisiert fahrenden Fahrzeugen immer wichtiger werden. Bis 2023 will der Hersteller jeden neuen Pkw-Reifen mit der Vernetzungstechnik ausstatten. In den ersten Pkw-Pneus sind die Chips seit Mitte 2019 verbaut.

Einer der Vorteile der RFID-Technologie ist, dass sie eine relativ kostengünstige sind und die Reifen während ihrer gesamten Lebensdauer identifizieren können. Zudem ist sie im Vergleich zu vielen anderen intelligenten Sensoren sehr robust.

„Vernetzte Reifen machen viele neue Geschäftsmodelle möglich und können zudem die Sicherheit beim Autofahren nochmals steigern“, sagt Ewert.

Dank der genauen Reifenidentifikation ermöglichen RFID-Chips beispielsweise zukünftig dem ESP-System, sich der jeweiligen Reifencharakteristik anzupassen. Konkret heißt das: Ein Winterreifen besitzt andere Bremseigenschaften als ein Sommerreifen – diese Charakteristiken können somit Einfluss auf das Fahrassistenzsystem haben, das durch gezieltes Bremsen ein Schleudern des Fahrzeugs zu verhindern versucht und so die Kontrolle über das Fahrzeug sichert.

„Diese Feinsteuerung von Fahrsicherheitssystemen, die mithilfe der genauen Reifenidentifikation durch den RFID-Chip möglich ist, wird insbesondere auch für das automatisierte Fahren wichtig sein,“ erläutert Ewert.

Die RFID-Chips auch Informationen über die enthaltenen Rohstoffe und andere Bestandteile speichern. Das soll helfen, den Recycling-Prozesse zu optimiert, erklärt Michelin.

Die in den Reifen eingesetzte RFID-Technologie kommt aus Deutschland. Pro Jahr will der Hersteller am Standort Homburg bis zu 15 Millionen Chips für den Einbau in die Reifen vorbereiten. Diese sollen dann an weitere Michelin Fabriken in Europa oder an Standorte in Brasilien, China, Kanada und Thailand geliefert werden.

Von der neuen Technologie profitieren sollen auch Händler und Werkstätten. Die individuelle Kennung soll sie vor einer Fehlmontage beim Reifenwechselschützen. Dank der Reifenidentifikation mithilfe des RFID-Chips kann die korrekte Reifendimension über die Fahrzeugelektronik an den Board-Computer übermittelt werden. Im Falle einer Fehlmontage zeigt der Board-Computer eine entsprechende Warnung an, die, so beschreibt es Michelin, der Monteur am Screen des RFID-Lesegeräts sieht. Auch Lagerbestände könnten, so heißt es, durch das schnelle Auslesen der Reifendaten effizienter kontrolliert und der Bedarf an Neureifen somit einfacher angepasst werden.

In der Lkw-Branche sind RFID-Chips in Reifen schon länger Realität. Insbesondere in der Logistikbranche hat sich die Technik bei der Überprüfung des Warenflusses und dem Reifenmanagement etabliert. Bereits heute stattet Michelin laut den eigenen Angaben bis zu 90 Prozent aller verkauften Lkw-Reifen mit Transpondern aus und wird analog zum Pkw-Segment bis 2023 alle Lkw-Reifen mit RFID-Chip versehen. In der Logistik kann die RFID-Technologie eingesetzt werden, um die Überprüfung von Ladungschargen aus den Logistiklagern von Michelin, den Lagern der Händler oder der Fahrzeughersteller wesentlich schneller durchzuführen. So kann eine häufig gewünschte sortenreine Lieferung sichergestellt werden. Auch mögliche Reklamationen und ein transparentes Bestandsmanagement können mittels RFID besser verfolgt werden.

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