RLVD: Radlogistik boomt weiter - 3. Konferenz im Umfeld der IAA

Verband sieht weiter steigenden Trend und befragte im Branchenreport Akteure nach Prognosen und Bilanzen. Neue Player auf dem Markt steigern Umsatz und Absatz. Die 3. Nationale Radlogistik-Konferenz findet im Umfeld der IAA TRANSPORTATION in Hannover statt.

Das Rad neu erfunden: Mit der Elektrifizierung der Bikes entstehen gewaltige Potenziale für Lastenräder - wie auch das Umsatzwachstum der Hersteller zeigt. Konsequent: Die 3. Nationale Radlogistik-Konferenz findet im Umfeld der IAA TRANSPORTATION statt. | Foto: RLVD
Das Rad neu erfunden: Mit der Elektrifizierung der Bikes entstehen gewaltige Potenziale für Lastenräder - wie auch das Umsatzwachstum der Hersteller zeigt. Konsequent: Die 3. Nationale Radlogistik-Konferenz findet im Umfeld der IAA TRANSPORTATION statt. | Foto: RLVD
Johannes Reichel

Die Radlogistik hat auch im Jahr 2021 ihr Wachstum fortgesetzt und blickt optimistisch auf die Geschäftsentwicklung im Jahr 2022. Diese Entwicklung dokumentiert der vom Radlogistik Verband Deutschland e.V. (RLVD) durchgeführte Branchenreport, für den Mitglieder des Verbands und Akteure der Branche im Januar 2022 befragt wurden. Eine deutliche Verbesserung zeige sich in der Erwartung des Absatzes an Lastenrädern und Anhängern. Hier blicken die Akteure deutlich optimistischer in die Zukunft. Der Absatz von vorwiegend gewerblich genutzten Modellen hat sich gegenüber dem Vorjahr um 33 Prozent gesteigert. Stark verbessert hat sich auch der Umsatz der Branche, mit 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und ist auf 120 Millionen Euro gewachsen.

„Das starke Umsatzwachstum ist besonders auch auf den Eintritt neuer Akteure zurückzuführen. Das zeigt, dass in die Branche solide Erwartungen an weiteres Wachstum gesetzt werden“, freut sich Martin Schmidt, stellvertretender Vorsitzender des RLVD.

1,6 Millionen Kilometer wurden im Jahr 2021 durch Radlogistiker und Einzelunternehmer:innen per Muskelkraft zurückgelegt. Durch den Einsatz von Lastenrädern für die Logistik habe man im Jahr 2021 422 Tonnen CO2 oder 105 3,5-Tonner eingespart. Insgesamt wurden 4,7 Millionen Sendungen, 0,1 Millionen Sendungen mehr als letztes Jahr, per Radlogistik zugestellt. Das hier noch deutliches Potenzial zur Substitution von Zustellfahrzeugen durch emissionsfreie, platzsparende und sichere Lastenräder besteht, sei offensichtlich. Die Zahlen enthalten auch nicht die Transportleistung von unter anderem KEP-Systemdienstleistern, merken die Autoren um RLVD-Vorstand Tom Assmann an.

Sichere Sache: Kein schwerer Unfall verzeichnet

Auch im Jahr 2021 sei zudem kein Lastenrad im Logistikeinsatz in einen Unfall mit Getöteten, Schwerverletzten oder schwerem Sachschaden verwickelt gewesen. Die Unternehmen der Branche stellen darüber hinaus aktuell stark ein, konstatiert der Report. Wer auf saubere Jobs in einer Zukunftsbranche umsteigen will, sollte dies jetzt tun, so die Empfehlung. Zwischen der Befragung von 2020 und dem Jahr 2021 wurden in der Branche knapp 350 neue Stellen für Vollzeitkräfte, Teilzeitbeschäftigte und geringfügig Angestellte geschaffen. Das Wachstum von 14 Prozent innerhalb von einem Jahr zeige eine hohe Dynamik in der Generierung von neuen, nachhaltigen und zukunftszugewandten Jobs. Der Median der Beschäftigten bleibe konstant bei 12,5 und zeige, dass ein großer Teil der Branche noch aus kleinen Unternehmen oder Organisationseinheiten besteht.

Wie im letzten Jahr blicken die Teilnehmenden sehr optimistisch in die Zukunft und wollen weiter kräftig Jobs schaffen. 71 Prozent der befragten Organisationen gehen von einer Zunahme der Beschäftigten im Jahr 2022 aus. Die Bewertung der Beschäftigtenentwicklung hat sich leicht verbessert. Für das Jahr 2022 sei mit einem ähnlichen, wenn nicht sogar größeren Jobwachstum zu rechnen. Bei vielen Unternehmen der Radlogistik sind offene Positionen ausgeschrieben, etwa in der Disposition, der Entwicklung, auf dem Sattel, im Aftersales, der Werkstatt und allen anderen Bereichen.

Verfügbarkeit: Lieferketten sind weiter, aber nicht gerissen

Die Probleme in den globalen Lieferketten führten jedoch auch bei den Herstellern von Lastenrädern und Anhängern teilweise zu Lieferverzögerungen. Probleme bestehen besonders bei mechanischen Komponenten der Räder und Anhänger, stellen die Radlogistiker fest.

„Wer auf Lastenrad oder Anhänger umsteigen will, wird aber dennoch ein passendes Modell finden“, kommentiert Jonas Kremer, Fachvorstand für Politik, die Lage.

Die Lieferzeitverzögerungen bedeuteten nicht, dass Hersteller nicht lieferfähig sind. Unter den antwortenden Herstellern ist es demnach gesichert, dass Kunden innerhalb von neun Monaten bei jedem Hersteller ein Lastenrad oder Anhänger erhalten können. 44 Prozent der Akteure geben an, dass sie innerhalb eines Monats lieferfähig sind. Die Logistikwende werde so durch Lieferengpässe verlangsamt, jedoch nicht ausgebremst.

"Wenn aktuell konventionelle Zustellfahrzeuge aufgrund des Chipmangels nicht verfügbar sind, lohnt sich die Anfrage beim nächsten Lastenradhersteller definitiv", werben die Hersteller.

Politik muss entschiedener Rahmen setzen

Die Akteure der Branche sehen jedoch noch deutliches Potenzial bei der Politik. Zur Umsetzung von wirksamem Klimaschutz, sicheren Straßen und einer Logistikwende gehöre die Förderung der Radlogistik auf die Prioritätenliste der Politik, so der Appell. Die Förderprogramme für Lastenräder und Anhänger müssten ausgeweitet werden, Kommunen sollten die Verkehrswende engagiert umsetzen und Radinfrastruktur müsse mit mehr Anstrengungen ausgebaut werden, fordern die Cargobike-Spezialisten.

"Die Zeit für wirksamen Klimaschutz in Stadt und auf dem Land ist jetzt. Radlogistik steht für energieeffiziente Transporte mit Fahrzeugen, die keine oder mindestens zehn mal weniger elektrische Energie brauchen. Damit sind sie das effektivste Tool zum Klimaschutz in der urbanen Logistik", werben die Radlogistiker. 

Lastenräder und Anhänger seien zudem deutlich kleiner als konventionelle Logistikfahrzeuge, sparten Platz für Stellplätze und auf den Straßen. Darüber hinaus würden Lastenräder sicher fahren, mit einer unterstützten Geschwindigkeit von 25 km/h.

Radlogistik und die neusten Entwicklungen sind dann auch Thema am 20. und 21. September bei der 3. Nationalen Radlogistik-Konferenz, die jetzt in Hannover und im Kontext der IAA TRANSPORTATION stattfindet. Auch der vom HUSS-VERLAG ausgelobte Branchenaward "International Cargobike of the Year" soll im Umfeld der Konferenz und auf der IAA TRANSPORTATION im September verliehen werden. Zuvor informiert der Verband auch beim digitalen Fachevent „Ich entlaste Städte!“ am 8. April.

Printer Friendly, PDF & Email