Rückbau statt Ausbau: Zahl der Wasserstofftankstellen sinkt

Bis zum Jahr 2024 sollten eigentlich weit über 100 Wasserstoff-Tankstationen am Netz sein. Tatsächlich sind es noch 82, von denen immer wieder einige ausgefallen sind. Auch der Trend geht in die falsche Richtung.

Glück gehabt: In München sind noch zwei Tanken am Netz, in Rheinland-Pfalz keine mehr. | Foto: G. Soller
Glück gehabt: In München sind noch zwei Tanken am Netz, in Rheinland-Pfalz keine mehr. | Foto: G. Soller
Tobias Schweikl
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Noch immer setzen manche theoretisch auf die Alternative Wasserstoff. In der Praxis scheint sich der gerade selbst abzuschaffen. Der Verkauf von Brennstoffzellen-Pkw in Deutschland kam praktisch zum Erliegen und das ohnehin (zu) dünne Tankstellennetz wird weiter abgebaut: Wie der SWR berichtet, schließt kurzfristig zum 1. April die bislang einzige Wasserstoff-Tankstelle im Bundesland an der A61 in Koblenz wieder. Laut Betreiber H2Mobility lohne sich der Betrieb nicht. H2 Mobility teilte auf Anfrage des SWR mit:

„Der Weiterbetrieb des Standorts in Koblenz ist nach eingehender Prüfung durch unser Haus nach aktuellem Stand leider nicht möglich. Sollten Bemühungen lokaler Akteure zum Fortbestand dieser Tankstelle aus – oder ohne Erfolg bleiben, wird diese Station leider zum 1. April vom Netz genommen.“

Auch die Tankstelle in Wuppertal schloss zu diesem Datum, Derching bei Augsburg soll zum 31.5.2024 folgen.

Neue Stationen kommen, es wird aber auch rückgebaut

Eröffnet wurde die Tankstelle in Koblenz bereits 2017 – mit 900.000 Euro an Fördergeldern des Bundesverkehrsministeriums. Sie war damit dem Bericht zufolge die dritte Wasserstoff-Tankstelle überhaupt in Deutschland. Mit dem Abbau der weiteren Stationen fällt das Netz auf gut 80 Stationen, trotzdem sollen weitere Standorte eröffnet werden. In ganz Europa sind aktuell (Stand 2.4.2024) 167 Stationen verfügbar. Benzin und Diesel kann man aber allein in Deutschland an mehr als 14.000 Tankstellen tanken, öffentliche Standorte für das Laden eines Elektroautos gibt es inzwischen laut GoingElectric sogar fast 40.000.

Für die Nutzer der Tankstelle in Koblenz besonders bitter: Weit und breit gibt es keine Ausweichmöglichkeit. Laut Karte von H2 Mobility befinden sich die nächsten Wasserstofftankstellen Bonn, Limburg oder Wiesbaden. Und sind damit 50 bis 100 Kilometer entfernt. Da wäre bis zur Hälfte der Reichweite schon alleine durch die Fahrt zur Tankstelle und zurück wieder aufgebraucht. Es wird sich aber offenbar dafür eingesetzt, dass zumindest die Infrastruktur erhalten bleibt und nicht zurück gebaut wird, um einem eventuellen neuen Anbieter in Zukunft den Neustart der Anlage zu erleichtern. Ähnlich ist es in anderen Regionen: Auch in Garmisch-Partenkirchen müsste man 37 Kilometer nach Innsbruck oder 80 Kilometer nach München fahren, um zu tanken. Noch schlimmer ist es im Niemandsland nördlich von Magedeburg, wo man schnell mal weit über 100 km Anreise zum Tanken hat. Viel zu weit!

Ein weiteres Problem neben den Preisen für Errichtung und Betrieb: Die Förderungen von Wasserstoff gerieten zuletzt auch wegen eines Verdachts auf Mauscheleien innerhalb des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) in die Schlagzeilen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Wasserstofftankstellen wieder schließen müssen. So wurden in Dänemark und Großbritannien bereits großflächig H2-Tankpunkte wieder abgebaut. Und selbst in der Wasserstoff-Pilot-Region Kalifornien hatte Shell angekündigt, alle seine Tankstellen mangels Wirtschaftlichkeit wieder schließen zu wollen. In den USA kostete das Kilo Wasserstoff zuletzt gut 30 US-Dollar, wobei die Brennstoffzellen-Pkw in der Regel etwas mehr als ein Kilo pro 100 Kilometer verbrauchen.

Ähnlich in UK, wo teils bis zu 28 Euro pro Kilo aufgerufen werden, während es in den Niederlanden schon 22 Euro/kg sind. Womit Wasserstoff nicht nur selten, sondern auch exorbitant teuer ist. Und das Thema im Pkw damit wohl zu Grabe getragen werden dürfte.

Was hat man sich vom Wasserstoff nicht alles erhofft…doch die Technologie blieb in Auto und an der Tankstelle teuer und aufwändig. So teuer, dass jetzt die ersten Stationen schon wieder rückgebaut werden, obwohl das Netz weiterhin viel zu dünn ist und noch Stationen in Planung sind.