Rückrufe: Neues Webangebot will für mehr Transparenz sorgen

Der Blog Kfz-Rueckrufe.de beleuchtet Nachbesserungsaktionen der Hersteller, die bisher in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden. Neuer PSA-Van wegen sieben Mängeln von Rückrufen betroffen.
Durchblick: Ein neues Webangebot will für Kunden von Pkw und Nutzfahrzeugen für mehr Transparenz in Sachen Rückrufe sorgen. | Foto: kfz-rueckrufe.de
Durchblick: Ein neues Webangebot will für Kunden von Pkw und Nutzfahrzeugen für mehr Transparenz in Sachen Rückrufe sorgen. | Foto: kfz-rueckrufe.de
Johannes Reichel

Mehr Transparanz über Rückrufaktionen der Automobilhersteller will ein neues Webangebot schaffen, das jetzt an den Start geht. Der sogenannte "Wachblog für Fahrzeugssicherheit" mit Namen "Kfz-Rueckrufe.de" hat sich zum Ziel gesetzt, für Kunden eine bessere Nachvollziehbarkeit und Information über geplante Nachbesserungsmaßnahmen der Hersteller zu schaffen. "Kunden in den USA werden nicht nur besser für mangelhafte Fahrzeuge entschädigt. Sie werden auch viel umfassender darüber informiert. Die Internetseite der National Highway Traffic Safety Association (NHTSA) bietet umfassende Datenbanken zu dem Thema", beschreibt Blog-Betreiber und Fachjournalist Niko Ganzer die Motivation für das neue Angebot. Erst vor kurzem sei das Europäische Parlament im Rahmen seiner Untersuchungen zum VW-Skandal zu dem Schluss gekommen, dass "keine einheitliche Praxis für den transparenten Zugang der Verbraucher zu Rückrufinformationen" bestehe, führte der Rückrufexperte Ganzer aus.

Mangelhaft: Rückrufinformationen des KBA

Die Verbraucherzentrale Bundesverband habe die Informationspolitik des zuständigen Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) zu Fahrzeugrückrufen gar als "mangelhaft" kritisiert, schildert der Journalist. Die offiziellen Informationen des KBA zu Rückrufaktionen in einer Datenbank hält er für unzureichend. Es erfolge weder eine Information darüber, wie der Mangel am Fahrzeug abgestellt würden, noch über die Anzahl und Fahrgestellnummern der betroffenen Fahrzeuge. "Der Einwand, dass dies gar nicht notwendig sei, weil betroffene Fahrzeugbesitzer per Einschreiben direkt über einen sicherheitsrelevanten Mangel an ihrem Fahrzeug informiert werden, ist nicht stichhaltig", erwidert Niko Ganzer. "Ein Rückruf geht nicht nur den Halter des betroffenen Modells etwas an, sondern alle Verkehrsteilnehmer", betont der Münchner Fachjournalist, der sich seit über zehn Jahren intensiv mit dem Thema beschäftigt.Das neue Portal will nicht nur über das lokale Rückrufgeschehen informieren, auch zu Motorrädern und Nutzfahrzeugen, sondern auch Aktionen im Ausland im Blick behalten - insbesondere in Nordamerika. Eine Sortierung aller Blogeinträge nach Fabrikaten und Baugruppen, ein Bereich mit "Grundwissen" zum Thema sowie regelmäßige Meldungen über Gerichtsurteile zu Fahrzeugmängeln und Sonderthemen (Dieselgate u.a.) runden das Angebot ab. Als "@Rueckrufer" ist der Blog-Betreiber außerdem auch auf Facebook und Twitter präsent. Aktuell breiten Raum nimmt auch der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Diesel-Motoren ein, dem der Autor eine mehrteilige Analyse widmet.

Startschwierigkeiten:Neuer PSA-Van muss teils zurück in die Werkstätten

Aus dem Bereich der leichten Nutzfahrzeuge ragt aktuell der Fall des neuen PSA-Kompakt-Vans Citroen Jumpy alias Peugeot Expert heraus. Dessen Produktionsstart war wohl ursprünglich mehrfach verschoben worden, jetzt hat der Hersteller einige Besitzer der Fahrzeuge zu einem Rückruf angeschrieben und aufgefordert. Dabei handelt es sich bei einer dem Vernehmen nach kleineren Stückzahl von Fahrzeugen um mehrere Mängel, die behoben werden sollen, unter anderem am Airbag, Elektroanschlüssen, Lenkung, Rädern und Stoßdämpfern sowie am Kraftsstofftank. Wegen Karosserieundichtigkeit muss die größte Zahl an Modellen zurück in die Werkstatt. Beim baugleichen Toyota Proace soll der japanische Hersteller schon im PSA-Werk im nordfranzösischen Valenciennes darauf bestanden haben, die Mängel vor der Auslieferung abzustellen, wie der Blog berichtet. Der Proace wird lediglich wegen des letztgenannten Mangels zurückgerufen.

Mangelhaft: Rückrufinformationen des KBA

Größere Rückrufaktionen hatte es zuletzt auch bei den VW-Lkw-Töchtern MANund Scania wegen Problemen an der Lenkung gegeben. Bei MANläuft zudem seit Ende Januar eine breiträumige Rückrufaktion für Modelle der Reihen TGA, TGL, TGM, TGS aus den Baujahren 2009 bis 2015 wegen Mängeln am Relais der Kraftstofffilterheizung, die in Extremfällen zu Bränden führen könnten. Auch Mercedes Citan und Renault Kangoo waren jüngst von Rückrufen betroffen. Einen kuriosen Rückrüf vermeldete der Blog für den leichten Frontlenker-Lkw Nissan Cabstar alias NT400: Bei einer kleinen Anzahl mit breiten Aufbauten versehener Modelle waren Spiegel mit zu kurzen Armen montiert worden.

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