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RWTH Aachen stellt Elektro-Lkw mit modularer Technik vor

Nach Streetscooter und e.GO stellt die RWTH Aachen jetzt einen günstig zu fertigenden Elektro-Lkw auf Isuzu-Basis vor, mit E-Nachrüstachse von BPW. Bis August 2020 sollen vier Varianten entwickelt werden.

Modular und erschwinglich soll der Baukasten-Lkw LiVe 1 sein, den die RWTH Aachen vorgestellt hat. | Foto: BPW
Modular und erschwinglich soll der Baukasten-Lkw LiVe 1 sein, den die RWTH Aachen vorgestellt hat. | Foto: BPW
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Johannes Reichel

Und immer wieder lockt der Baukasten - vor allem beim Nutzfahrzeug: Den nutzten die Wissenschaftler der RWTH Aachen jetzt mit dem Komponenten-Lkw LiVe1 voll aus. Als Basis dient ein weltweit vertriebener Isuzu-Lkw der N-Serie, den die Aachener mit der E-Achse von BPW zum Elektro-Truck gemacht haben. Statt des vormaligen 190-PS-Dieselaggregats implantierte man eine elektrisch angetriebene Achse, die BPW schon 2016 auf der IAA präsentiert hatte. Die Achseinheit sorgt mit 6.500 Nm Drehmoment für nachdrücklichen und energieeffizienten Vortrieb und soll durch ihre kompakte Bauweise für verschiedenste Konzepte geeignet sein. Dafür plant man verschiedene Gewichtsklassen: Neben dem 7,5-Tonner sollen auch 18-Tonner produziert werden.

Bis August 2020 sollen vier Varianten entwickelt werden, die auch unterschiedliche Antriebs- und Ladetechniken nutzt, darunter auch eine Version mit Brennstoffzelle sowie ein 18-Tonner mit Pantograph. Auch eine stärkere Variante der E-Achse mit bis zu 22.000 Nm Drehmoment für Anwendungen bis 26 Tonnen ist dem Vernehmen nach in Planung. Mit dem Lkw nimmt der Lehrstuhl für Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) jetzt das nächste Segment in Angriff – wobei hier im Gegensatz zum Streetscooter und dem e.GO life schon viel Basisarbeit in Form von fertig entwickelten Komponenten (BPW, Isuzu) getan wurde.

Erste Fahrzeuge ab Anfang 2019 in Erprobung

Der BPW Antrieb ist bereits in der Vorserienerprobung und soll Anfang 2019 in ersten Kundenfahrzeugen eingesetzt werden: Die Firma Paul Nutzfahrzeuge rüstet damit kommunale Spezialfahrzeuge von Diesel- auf Elektroantrieb um. Das lohne sich laut Hersteller insofern, als es bislang noch kein Serienfahrgestell gebe, das belastbar genug für schwere Transportaufgaben und entsprechenden Auf- und Umbauten sei.

„Die Möglichkeit, gemeinsam mit führenden Unternehmen in der einzigartigen Aachener Forschungs- und Entwicklungsumgebung am emissionsfreien Lkw der Zukunft zu arbeiten, ist außerordentlich inspirierend. Durch Kooperationen dieser Art wird dem emissionsfreien elektrischen Inner-City-Transport in Europa zum Durchbruch verholfen“, glaubt Hans Werner Kopplow, Entwicklungsleiter Elektromobilität bei BPW in Wiehl. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit durch das Programm „Erneuerbar Mobil“ gefördert. (gs/jr)

LOGISTRA Kommentar:

Die RWTH Aachen ist immer für eine Überraschung gut, wenn es um kostengünstig zu produzierende Elektromobilität geht. Das gilt auch für den LiVe1-Lkw. Ob sich der Umbau mit dem nicht ganz billigen E-Achsaggregat wirklich lohnt, muss sich noch erweisen. Immerhin könnte man bei dem Konzept den "Upcycling"-Gedanken mit einem lokal emissionsfreien Antrieb kombinieren und ältere, aber gut erhaltene Diesel-LKW, etwa der Euro-4-Klasse, schnell auf den Stand der Dinge bringen, um für jede Umweltzone gewappnet zu sein. Insofern gilt klar: Die Um- und Nachrüstung könnte ein wichtiges, schnell einsetzbares Mosaik-Steinchen im Antriebsszenario der nahen Zukunft sein.

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