Schaeffler schafft Zentrallabor für Entwicklung am Stammsitz

In dem für 2023 geplanten Areal will der Konzern Forschung und Entwicklung neuer Antriebe fokussieren. Schaeffler-Chef Rosenfeld: Spät gestartet, aber E-Mobilität ist unumkehrbar.

Aus Franken in die Zukunft: In einem Zentrallabor will Schaeffler die Entwicklung künftiger Technologien von der Forschung in die Umsetzung beschleunigen. | Foto: Schaeffler
Aus Franken in die Zukunft: In einem Zentrallabor will Schaeffler die Entwicklung künftiger Technologien von der Forschung in die Umsetzung beschleunigen. | Foto: Schaeffler
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler investiert in Zukunftstechnologien und hat zum Jahr 2023 die Errichtung eines "Zentrallabors" für Forschung und Entwicklung am Stammsitz in Herzogenaurach angekündigt. Dies soll im Rahmen der Roadmap 2025 alle Bemühungen des Konzerns bündeln und vernetzt auf 15.000 Quadratmetern Fläche 15 Labore, die Kernkompetenzen und Schlüsseltechnologien repräsentieren. Das 80-Millionen-Euro-Gebäude soll zudem nach neuesten Nachhaltigkeitsstandards als „Green Building“ realisiert und betrieben werden. Die Investition soll die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Gruppe sowie die Stärkung des Technologiestandorts Herzogenaurach sichern. Das Zentrallabor, das bereits in der konkreten Planungsphase ist, soll im Jahr 2023 fertiggestellt werden.

Abteilungsübergreifend und grundlagenorientiert

Das divisionsübergreifende Zentrallabor vereint auf 15.000 Quadratmetern 15 Laboren und bietet mehr als 360 Mitarbeitenden Platz. Gebündelt werden sollen Kernkompetenzen und Schlüsseltechnologien, vor allem in den Bereichen Mess-, Prüf- und Kalibriertechnik, Materialwissenschaft, Werkstoffgestaltung und Elektrochemie sowie Optimierung von Lebensdauer, Belastung und Zuverlässigkeit. Außerdem wird ein Elektroniklabor aufgebaut.

„Im neuen Zentrallabor werden wir bereichsübergreifende Grundlagentechnologien bereitstellen, um damit zum Beispiel Produktentwicklungen für nachhaltige und CO2-neutrale Mobilitäts- und Energie-Ökosysteme zu ermöglichen“, erklärt Uwe Wagner, Vorstand Forschung und Entwicklung der Schaeffler AG.

Nach seinem Dafürhalten müsse man die Grundlagenkompetenzen in den Bereichen der Material- und Oberflächentechnologien, der Elektrochemie, der Elektronik oder der Digitalisierung immer schneller erweitern, um Lösungen für die großen Zukunftstrends wie zum Beispiel CO2-Neutralität, neue Mobilitätskonzepte oder Automatisierung zu gestalten.

Auch für Kunden zugängig

Das Zentrallabor soll dabei auch Kunden zugänglich gemacht werden. Dazu wird auch ein Labor- und Präsentationsbereich für Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz etabliert. Andreas Schick, Vorstand Produktion, Supply Chain Management und Einkauf, sieht den Konzern mit seiner Fertigungsexzellenz "hervorragend positioniert", um den Kunden auch in Zukunftstechnologien wie E-Mobilität, Robotics oder der Wasserstofftechnologie beste Lösungen anbieten zu können. 

„Dabei ist es gerade in diesen Wachstumsfeldern entscheidend, schon bei der Grundlagenforschung an die Anwendungen in Produkten und der Serienfertigung zu denken, um im globalen Wettbewerb führend zu bleiben. Besonders unsere digitalen Simulationstechniken sind hier entscheidend", glaubt Schick.

Das Zentrallabor in Herzogenaurach soll zudem Maßstäbe im Bereich der Klimatisierung und Vibrationsfreiheit der Labore setzen und so unter anderem hochauflösende Messtechniken ermöglichen. Das Gebäude, das zu Beginn des Jahres 2024 bezogen werden soll, werde zudem nach neuesten Nachhaltigkeitsstandards realisiert und als sogenanntes „Green Building“ nach dem „DGNB Gold“-Standard betrieben, versichert der Konzern. 

„Das Zentrallabor sichert hochmoderne Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern und steigert zugleich die Attraktivität des Standorts und der Region für Kunden und Mitarbeitende. Es unterstreicht zudem unser Bekenntnis zum Standort Deutschland“, erklärt Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG.

Im Zentrallabor wolle man die Schlüsseltechnologien vorantreiben, die für die Weiterentwicklung der Gruppe von größter Bedeutung seien.

"Wenn wir zum Beispiel im Bereich Wasserstoff gewinnen wollen, müssen wir die Grundlagen der neuen Technologien verstehen", skizzierte Rosenfeld darüber hinaus gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Der Schaeffler-Chef hält die Entwicklung Richtung E-Mobilität für unumkehrbar. Verbrennungsmotoren werden es zwar weiter geben, aber die Technologie werde nicht mehr wachsen und irgendwann deutlich zurückgehen. Man sei zwar spät in die E-Mobilität gestartet und habe lange auf den Verbrennungsmotor gesetzt, dies aber jüngst geändert. Heute gebe es drei gleichwertige Sparten. Er sehe die Stärken von Schaeffler aber nach wie vor in der Hardware, nicht in der Software.

"Wir sind kein Softwareunternehmen und wollen es auhc nicht werden. Wir verarbeiten Stahl und andere Werkstoffe in höchster Präzision und am liebsten in großer Menge", erklärte Rosenfeld der SZ.

Allerdings müsse man natürlich von Software und Elektronik möglichst viel verstehen, das sei aber nicht der primäre Unternehmenszweck. Man wolle etwa den Fahrwerksbereich "intelligent weiterentwickeln", aber doch auch Zulieferer bleiben.

"Ich glaube nicht, dass Zulieferer verschwinden werden. Schaeffler wird man immer brauchen", gab sich der Vorstandschef zuversichtlich.

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