SCM-Studie: "Zurück nach Europa“ als Trend in der Beschaffung

Lokale Wertschöpfung: Laut Umfrage der Beratung Abels & Kemmner rechnen rund zwei Drittel durch die Coronakrise mit wachsender Bedeutung der europäischen und nationalen Beschaffungsmärkte.

Eine neue Supply Chain Management-Studie zu Corona besagt eine Verschiebung der Beschaffungsmärkte. (Foto: marasanya/Fotolia)
Eine neue Supply Chain Management-Studie zu Corona besagt eine Verschiebung der Beschaffungsmärkte. (Foto: marasanya/Fotolia)
Johannes Reichel
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Matthias Pieringer)

Eine neue Studie zu den Auswirkungen von Corona auf das Supply Chain Management prognostiziert, dass sich die Lieferantenstrukturen signifikant ändern werden. In der Summe sei in der Beschaffung mindestens von einer deutlichen Verlangsamung bis hin zu einem sogar deutlichen Rückgang des Globalisierungstrends auszugehen, teilte die SCM-Beratung Abels & Kemmner am 12. Mai in Herzogenrath bei Aachen mit.

Verstärkende Effekte

Die Studie „Die neuen Normalitäten im Supply Chain Management nach Corona“ lässt demnach eine klare Tendenz „zurück nach Europa“ erkennen. Verstärkt werde dieser Effekt durch die zunehmende wirtschaftliche Aggression Chinas, das erratische Verhalten der amerikanischen Bundesregierung sowie den Austritt Großbritanniens aus der EU, die alle mit rückläufigen Beschaffungsmengen aus Europa rechnen müssten.

Rund zwei Drittel der 250 befragten deutschen Unternehmenslenker und Supply-Chain-Experten sind laut Studie der Ansicht, dass die Bedeutung der europäischen und nationalen Beschaffungsmärkte wächst. Jeder sechste geht sogar von einer deutlich steigenden Beschaffung in Europa und dem jeweiligen Heimatland aus.

Fragen zur Globalisierung

Steht damit die Globalisierung vor dem Aus und wird Großbritannien unter diesen Vorzeichen den Austritt aus der EU verkraften? Die AWF-Studie (Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Fertigung) widmet sich dieser und weiteren Fragestellungen und soll die aktuell wichtigsten Trends im Supply Chain Management aufzeigen.

Die Studie gliedert sich in zwei Abschnitte. Der erste Abschnitt wirft den Blick in die nahe Zukunft. Gefragt wurde nach den größten Herausforderungen beim Hochfahren von Produktion und Supply Chain in den nächsten Wochen. Der zweite Abschnitt fragt danach, wie die Supply-Chain-Welt nach der Coronakrise aussehen wird.

Hintergrund und Download der Studie

Mitte April 2020 führte die Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Fertigung (AWF) zusammen mit der Supply Chain Management-Beratung Abels & Kemmner drei Online-Workshops mit Vertretern von 23 Mitgliedsunternehmen durch. In diesen Workshops wurden Erwartungen und Hypothesen zur Entwicklung von Supply Chain Managements und Operations auf dem Wege aus der Coronakrise und nach der Coronakrise zusammengetragen. Auf Basis dieser drei Workshops wurde von Abels & Kemmner eine Umfrage erstellt und vom 20. April bis 24 April 2020 durchgeführt.

Angesprochen wurden Personen aus Produktions- und Handelsunternehmen, die in den Bereichen Produktion, Logistik, Supply Chain Management, Einkauf und Arbeitsvorbereitung tätig sind, sowie eine kleinere Anzahl an Beratern, die sich mit Logistik, Supply Chain Management und Lean Management beschäftigen. An der Umfrage nahmen 250 Personen teil. Die knapp 40-seitige Studie „Die neuen Normalitäten im Supply Chain Management nach Corona“ steht kostenlos zum Download bereit unter: http://www.ak-online.de/die-neuen-normalitaeten-im-supply-chain-management.

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