Sevic Systems: Flagshipstore in Bochum und Einsatz bei Caritas

Ein weiterer Hersteller von Leicht-Elektrofahrzeugen drängt mit der Jost-Tochter Sevic auf den Markt und startet mit einem Flagshipstore in Bochum, bundesweitem Händlernetz und ersten Praxiseinsätzen durch.

Den Diesel ersetzt: Die Caritas liefert mit dem elektrischen V500 Thermoboxen emissionsfrei und leise aus. | Foto: Sevic
Den Diesel ersetzt: Die Caritas liefert mit dem elektrischen V500 Thermoboxen emissionsfrei und leise aus. | Foto: Sevic
Johannes Reichel

Die Tochter des Lkw-Komponentenspezialisten Jost Sevic Systems hat seine Dienstleistungen rund um seine leichten Elektrofahrzeuge unter einem Dach gebündelt und vor kurzem seinen ersten Flagship Store am Unternehmenshauptsitz in Bochum eröffnet. Der Entwickler und Hersteller von vollelektrischen, kompakten Nutzfahrzeugen für die letzte Meile zeigt auf rund 400 Quadratmetern Innen-und Außenfläche sein Portfolio, neben vollelektrischen zwei- und dreirädrigen Scootern vor allem den elektrisch angetriebenen Frontlenker-Microtruck V500. Zudem präsentierte man zum Start eine mit Borbet-Felgen und Ganzjahresreifen ausstaffierte Red-Black-Edition des V500 und weitere Sonderaktionen für Letzte-Meile-Einsätze. Vor Ort will man die Kunden rund um Technik, Ausstattung und Performance der Fahrzeuge sowie zum Thema Leasing und Finanzierung. Auch Probefahrten lassen sich direkt vereinbaren sowie  bei bestehenden Fahrzeugen Service-und Wartungsarbeiten vornehmen.
 

Eigene Weiterentwicklung des Konzepts

Im vergangenen September hatte der junge Hersteller ein Joint-Venture mit dem Halbleiterspezialisten Milara sowie dem ursprünglichen Konzepturheber Magna in Frankreich bekanntgegeben, um die Fahrzeugtechnik weiterzuentwickeln, speziell Antrieb und Software betreffend. Dafür hatte man sich zuvor alle intellektuellen Rechte (IP) gesichert. Das Konzept stammt wie beim sehr ähnlichen Bochumer LEV Tropos Able ursprünglich aus der Entwicklungsschmiede des Franzosen Pierre Millet, dem Erfinder dieses Fahrzeugkonzepts und Designs, der nun für Sevic tätig ist, wie Sevic-Geschäftsführer Alexander Brilis gegenüber LOGISTRA erklärte. Ab Anfang 2021 wird der ab 23.940 Euro teure, teilweise in einzelnen Bundesländern geförderte L7e-Van V500 in Europa gefertigt, mit europäischen Komponenten und im odernen Fertigungsstandort in Bulgarien, wie Brilis präzisiert.

Lieferboom in Corona-Zeiten: Kurzeit-Mietangebote verfügbar

Zur Eröffnung des Flagshipstores bietet der junge Hersteller seinen Kunden eine verkürzte Mietdauer an, etwa auch wochenweise. Darin sieht man insbesondere in Zeiten von Corona eine attraktive Lösung etwa für Kleinunternehmer, Gastronomen oder Handwerker, die einem höheren Bedarf an Lieferservices bei gleichzeitig wechselhaften Marktbedingungen gegenüberstünden, so der Anbieter.

„Wir sind stolz auf unseren neuen Flagship Store, denn hier können wir unseren Kunden alle Leistungen aus einer Hand anschaulich präsentieren“, erklärt Alexander Brilis, Geschäftsführer von Sevic Systems.

Außerdem erhalte man so einen direkteren Draht zu den Kunden und könne die Erkenntnisse kontinuierlich in die zukünftige Modellentwicklung einfließen zu lassen, meint der Sevic-Chef weiter. Der Vorzeige-Schauraum ist in den kürzlich modernisierten Verkaufsraum des bekannten Tuningfachhändlers D&W am Dückerweg in Bochum integriert. Mit der Abteilung D&W eMobility stelle sich das Unternehmen zugleich nachhaltig für eine grüne Zukunft auf.

Händlernetz wächst, Kunden aus Kommunen und Logistik

Zusätzlich zum Shop in Bochum verfügt Sevic Systems über ein deutschlandweites Händlernetz, das stetig ausgebaut werde, wie man unterstreicht. Zudem verfügt man über einen "mobilen Reparaturservice" und ein jüngst gelaunchtes Online-Bestellsystem für Ersatzteile. Zu den aktuellen und den Ziel-Kunden gehören große und kleine Logistikdienstleister und Lieferservices ebenso wie die Stadtwerke, andere kommunale Dienstleister, Industrieunternehmen und Handwerksbetriebe.

Neben dem Microcan V500 bietet Sevic weitere zwei-und dreirädrige vollelektrische Roller speziell für die letzte Meile an. Alle Fahrzeuge sind kompakt, wendig, mit intelligenter Technik ausgestattet und verfügen über hervorragende Reichweiten zwischen 60 und 240 km. Die vielfältigen Frachtkonfigurationen reichen von vorfixierten Boxenüber spezielle Lebensmittelbehälter und Flachbettanlagen bis zu gekühlten Frachträumen.

Erste Einsätze: Caritas liefert Thermoboxen emissionsfrei

Die Caritas hat mittlerweile mit einem Sevic V500 einen Diesel-Bus ersetzt. Für einen Einsatz suchte man nach einer Möglichkeit drei Mal täglich, also zum Frühstück, Mittagsessen und Abendessen, fertige Gerichte von ihrer Küche zu den einzelnen Einrichtungen, wie der KiTa im Roncalli-Haus, auszuliefern. Die Strecke, die pro Lieferfahrt absolviert werden muss, beträgt 28 Kilometer. Das sei zu viel für ein Lastenfahrrad, und eigentlich zu wenig für einen PKW, so die Analyse. Die Speisen werden in der Küche der Caritas in Thermoboxen zum Warmhalten oder Kühlenverpackt. Es bestehe somit kein Bedarf für einen thermoregulierten Laderaum, wodurch Energie und Kosten eingespart werden könnten.

Um die Eignung des Elektronutzfahrzeugs unter Beweis zu stellen, bot man dem Caritasverband für Ahlen, Drensteinfurt und Sendenhorst e.V. einen Praxistest im Realbetrieb an. In der Individualausführung weist der Koffer des Fahrzeugs Schiebetüren auf beiden Seiten der Box auf, was die Auslieferung erleichtert, da keine Ladekante zu überwinden ist und die Speisen von mehreren Seiten entnommen werden können. Der Laderaum bietet mit seinen 3,5 Kubikmeter mehr als genug Platz für die Thermoboxen. Auch ein höheres Liefervolumen sei künftig mit dem V500 gut zu bewältigen, heißt es perspektivisch.

Elektro-Leichtfahrzeug ersetzt Diesel-Bus

Nach der Probemiete entschloss sich die Caritas einen Sevic V500 zu erwerben. Das Fahrzeug ersetzt damit den älteren Diesel und verbessere so die Umweltbilanz des Unternehmens. Zudem verweist man auf die Vorzüge des Fahrzeugkonzepts, das das Be-und Entladen komfortabler und schneller gestalte. Außerdem konnten die lokalen Emissionen im Umfeld der Einrichtungen gesenkt werden, was die Gesundheit der Kinder, Senioren und Mitarbeiter positiv beeinflusst, führt man weiter an.

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