Siemens Pilotanlage: Wasserstoff aus Wunsiedel

Alle Zeichen auf Wasserstoff: Techkonzern will bis Sommer 2022 eine Wasserstoffanlage im oberfränkischen Wunsiedel errichten. Für Bayerns Ministerpräsident Söder ein "role model".

Wunsiedel: Wenn es nach Siemens geht, soll es schon im Sommer 2022 so am Energiepark aussehen. Bild: Siemens
Wunsiedel: Wenn es nach Siemens geht, soll es schon im Sommer 2022 so am Energiepark aussehen. Bild: Siemens
Johannes Reichel
(erschienen bei VISION mobility von Nadine Bradl)

Die Siemens AG hat offiziell den Startschuss für eines der nach Firmenangaben größten grünen Wasserstoffprojekte in Deutschland verkündet: Mit dem Spatenstich in Wunsiedel begannen die Bauarbeiten für eine Wasserstoff-Erzeugungsanlage mit einer Anschlussleistung von 8,75 Megawatt. Pro Jahr können dort laut Siemens bis zu 1.350 Tonnen des Gases ausschließlich mit regenerativer Energie zum Beispiel aus Photovoltaik oder Windkraft hergestellt werden. Durch den Einsatz dieses Wasserstoffs in Verkehr und Industrie sollen jährlich bis zu 13.500 Tonnen CO2 vermieden werden. 

Sommer 2022 ist das Ziel

Die Anlage wird am Energiepark Wunsiedel errichtet und dort mit dem bereits vorhandenen Batteriespeicher von Siemens und benachbarten Industriebetrieben vernetzt. Diese können zum Beispiel Abwärme oder den bei der Elektrolyse abgespaltenen Sauerstoff nutzen. Im Sommer 2022 soll sie in Betrieb gehen.

„Role model aus Bayern: Grüner Wasserstoff ist die Zukunft. Heute machen wir den Spatenstich für eine der größten CO2-freien Wasserstoffanlagen Deutschlands in Wunsiedel. Mit grünem Wasserstoff verbinden wir Ökologie mit Wohlstand. In Bayern werden in den nächsten Jahren eine Milliarde Euro in Wasserstoffprojekte investiert", erklärte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder beim Spatenstich.

Siemens Smart Infrastructure errichtet als Generalunternehmer die Gesamtanlage in Wunsiedel, Siemens Financial Services (SFS) beteiligt sich an der Eigenkapitalfinanzierung sowie mit einem Anteil von 45 Prozent an der Betreibergesellschaft WUN H2 GmbH. Daneben sind die Rießner Gase GmbH mit ebenfalls 45 Prozent und die Stadtwerke Wunsiedel (SWW) mit 10 Prozent weitere Anteilseigner. Der Elektrolyseur wird von Siemens Energy geliefert.  

„WUN H2 ist ein Pilotprojekt in Deutschland, das innovative Technologie in der Praxis demonstriert und letztlich die Machbarkeit einer industriellen Produktion von grünem Wasserstoff belegt. Unser Konzept ist skalierbar und kann leicht auf andere Standorte übertragen werden. Wenn jede Stadt ihre eigene H2-Anlage hätte, wären wir in Sachen Energiewende schon ein ganzes Stück weiter“, kommentierte Philipp Matthes, Geschäftsführer der WUN H2 GmbH.

Investitionen nötig: Energiebedarf soll um 80 Prozent steigen

Denn nach einer aktuellen OECD-Analyse wird der globale Energiebedarf bis 2050 um schätzungsweise 80 Prozent zulegen. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden und dabei die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen, sind laut Siemens massive Investitionen in die Erzeugung sauberer Energie, die Stromverteilung und die Digitalisierung notwendig. Hierzu müssen alle Energie nutzenden Sektoren, wie zum Beispiel der Verkehrs- oder der Industriebereich, ihre Dekarbonisierung vorantreiben.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sagte beim Spatenstich: „Das Projekt WUN H2 leistet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Bayerischen Wasserstoffstrategie. Grüner Wasserstoff `made in Bavaria´ demonstriert die heimische Technologiekompetenz und steigert die Akzeptanz durch Wertschöpfung vor Ort.“

Umweltminister Thorsten Glauber sagte dazu: „Wasserstoff ist eine Schlüsseltechnologie auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft. Die Energiewende gelingt nur mit vielen innovativen Ansätzen wie dem Wunsiedler Weg.“

 

Wenn Wasserstoff durch Elektrolyse von Wasser hergestellt wird und für diesen Prozess ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz kommt, spricht man von „grünem“, also CO2-freien Wasserstoff. In Wunsiedel kommt nach Firmenangaben der modernste Elektrolyseur von Siemens Energy zum Einsatz. 

CO2-freier Schwerlastverkehr

Der Wasserstoff wird für die lokale Distribution über Lkw-Trailer an lokale und regionale Endkunden, im Wesentlichen in den Regionen Oberfranken, Oberpfalz, Thüringen und Sachsen sowie Westböhmen (Tschechische Republik), geliefert. Die Anlage hilft überdies, Netzengpässe zu entschärfen sowie Flexibilität für das Stromnetz bereit zu stellen. Durch eine am selben Standort später optionale Erweiterung mit einer öffentlichen Wasserstofftankstelle für Lkw und Busse, kann ein Angebot für CO2-freien Schwerlastverkehr und den ÖPNV geschaffen werden. 

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