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Smart City | DB-Projekt: Micro-Hub Te-Damm in Berlin geht in Betrieb

Vom zentralen Lager- und Verteilort auf dem Parkplatz S- und U-Bahn Tempelhof werden Güter, die über etablierte Logistiknetze ankommen, mit CO2-freien Kleinfahrzeugen und E-Cargobikes verteilt.

 

Bike & Hub: Vom flächeneffizient und nachhaltig errichteten Umschlagspunkt Te-Damm werden die Waren per Lastenrad auf der letzten Meile zugestellt. | Foto: Smart City | DB
Bike & Hub: Vom flächeneffizient und nachhaltig errichteten Umschlagspunkt Te-Damm werden die Waren per Lastenrad auf der letzten Meile zugestellt. | Foto: Smart City | DB
Johannes Reichel

Vor dem Hintergrund auch durch die Corona-Pandemie weiter gesteigertem Sendungsaufkommen hat die Smart City | DB jetzt mit Kooperationspartnern in Berlin einen City-Hub für emissionsfreie Zustellungen offiziell in Betrieb genommen. Der Hub war bereits im vergangenen Oktober fertiggestellt worden. Mit mehr als 40.000 Kraftfahrzeugen am Tag gehören der Tempelhofer und Mariendorfer Damm zu den meistbefahrenen Straßen der Stadt, skizziert das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Die zukunftsfähige urbane Arealentwicklung am Tempelhofer Damm erfordere daher neue Lösungen und Vernetzungen auf der logistischen letzten Meile.

Partnerschaftlich und flächeneffizient

Als zentraler Lager- und Verteilort  auf dem P+R Parkplatz S- und U-Bahn Tempelhof, unmittelbar an der BAB 100 am Tempelhofer Damm gelegen, weden aus dem Micro- Hub Güter, die über etablierte Logistiknetze in den Hub ankommen, mit CO2- neutralen und innovativen Kleinfahrzeugen und E-Cargobikes feinverteilt. Damit löse man gezielt Emissionsprobleme und Problematiken wie das Halten in der zweiten Reihe. Zudem unterstütze man Umschlags- und Lagerprozesse, um auch zeitversetzte Zustellungen auf der letzten Meile zu gewährleisten. Das nachhaltige Logistiksystem forciert darüber hinaus eine partnerschaftliche und flächeneffiziente Nutzung und Öffnung für interessierte Logistiker und Versender.

Zum Start zwei Lieferdienste und Selbstabholung

Der Start erfolgt mit zwei Lieferdiensten, einem Startup für das Abholen von Recyclinggütern und einem Konzept für die Selbstabholung von Lebensmitteln von regionalen Erzeugern aus Berlin und Brandenburg. Ziel ist es, in der Laufzeit von vier Jahren das Partnernetzwerk stetig durch weitere etablierte Händler und Logistiker, aber auch Startups, zu erweitern.

"Mit der Eröffnung des Micro-Hubs am Tempelhofer Damm beschreiten wir neue Wege. Die Zahl der Paketzustellungen nimmt seit Jahren stetig zu und damit auch die negativen Folgen wie Lärm, Emissionen und Stau. Die COVID 19 Krise hat diese Entwicklung jetzt noch deutlich beschleunigt", erklärte Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler im vergangenen Oktober.

Um den Lieferverkehr mit Lkws am Tempelhofer Damm deutlich zu reduzieren, würden den Geschäftsinhaber_innen am Tempelhofer Damm künftig bestellte Waren mit Cargobikes bis vor die Tür gebracht. Die Bezirksbürgermeisterin erwartet, dass CO2-Emissionen, Staus und Lärm reduziert werden und das Micro-Hub einen wichtigen Beitrag zu Verbesserung der Lebensqualität am Tempelhofer Damm leistet. Auch der federführende DB-Konzernbereich Smart City zeigte sich zuversichtlich, dass das Micro-Hub von Anwohnern und Partnern zügig angenommen werde.

"Unser Ziel ist es, möglichst viele Logistik-Partner an Bord zu holen. Zudem haben wir Wert auf nachhaltiges und optisch anspruchsvolles Design des Containers gelegt. So trägt das Micro-Hub in jeder Hinsicht zur attraktiven Quartiersentwicklung rund um den S-Bahnhof Tempelhofer Damm bei", findet Smart City | DB Leiterin Dr. Meike Niedbal.

Beim Micro-Hub Te-Damm handelt es sich um ein Forschungsprojekt des Bundesverkehrsministeriums, das mit rund 44.000 Euro unterstütze, der Bezirk finanzierte zusätzlich bis zu 19.000 Euro und stellt den Parkplatz kostenfrei zur Verfügung. Die Kosten der Holzfassade hat die DB Station & Service AG übernommen, dadurch zahlen die Nutzer nur die laufenden Betriebskosten.

Prototyp mit hohem Nachhaltigkeitsanspruch

In Kooperation mit Smart City | DB entstehe hier ein Prototyp, dessen bauliche Umsetzung auf Leitgedanken der Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Qualität basiere, so der Initiator. Wiederverwendbare Standardseecontainer sollen mit einer Fassade aus unbehandeltem Lärchenholz und langlebigen Informationstafeln optisch aufwerten. Als visuelle Schnittstelle zum Quartier transportiert die Hülle der 80 m² großen Anlage den Innovationsgedanken in das urbane Umfeld. Eine Solaranlage mit Batteriespeicher liefert den Strom für die LED- Beleuchtung und den Internetzugang. Das Micro-Hub bietet auch die Möglichkeit, der Zwischenlagerung von Lebensmitteln durch den Einbau einer Kühlzelle.

Die bezirkliche Wirtschaftsförderung setzte das Projekt gemeinsam mit zahlreichen Partner_innen um, neben dem Betreiber Smart City | DB, das Straßen- und Grünflächenamt, der Fachbereich Stadtplanung und der Unternehmer-Initiative Tempelhofer Damm, die Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, die Fairsenden GmbH, newWeys GmbH, Drais Mobility GmbH, Zukunftsangelegenheiten GmbH und den Marktschwärmern.

Auch Urban Cargo liefert aus dem Hub mit E-Cargobikes

Gemeinsam mit dem Vertragspartner Zukunftsangelegenheiten GmbH ist der 2016 gegründete „White-Label“ City-Logistik-Dienstleister Urban Cargo am Micro-Hub Te-Damm tätig. Der Citylogistiker ist bereits an Mikro-Depots in Moabit, Charlottenburg und Schöneberg involviert. Die angestellten Kurier-Fahrerinnen und -Fahrer liefern dabei pro Tag 200 bis 250 Pakete an private Kunden und Bio-Läden aus. Auftraggeber sind überwiegend Onlinehändler und Bio-Lebensmittelproduzenten aus dem Umland – darunter Ökodorf Brodowin, Landkorb, Vollkern und andere. Aus den Micro-Hubs erfolgt die Anlieferung der auszuliefernden Sendungen morgens zwischen 6 und 8 Uhr, mit CO2-freien E-Lastenrädern, Light Electric Vehicles und E-Transportern, wie der Anbieter weiter skizziert. Durch dieses Logistik-System lassen sich laut Logistiker etwa vier bis fünf herkömmliche Diesel-Transporter ersetzen. In den Micro-Hubs stellt Urban Cargo aktuell auch Desinfektionsmittel, Handschuhe und Mundschutz für die Kuriere.

Modellartig: Netzwerk von Radlogistikern

Das Unternehmen Zukunftsangelegenheiten betreibt ein digital unterstütztes Netzwerk aus Radlogistiker_innen und innerstädtischen Verteilzentren für eine "nachhaltige, belastbare und flächendeckende Transportlösung auf der letzten Meile", wie es heißt. In Zusammenarbeit mit dem Bio-Lieferservice Landkorb sowie das Ökodorf Brodowin werden dabei täglich frische Lebensmittel direkt an die Kund_innen verteilt. Je Sendungstag verteilt man über das Micro-Hub rund 50 Biokisten im Quartier.

Das Start-up PeekUp wiederum bedient den Trend zu "weniger ist mehr", glaubt, dass Materielles keinen hohen Stellenwert mehr besitzt und man mit weniger Gegenständen glücklicher sein kann. Das Unternehmen will nach eigener Aussage dabei helfen, "mehr Ordnung in das Leben zu bringen". Der nachhaltige Transport per Lastenräder passe daher ideal an die Anforderungen an eine grüne City-Logistik. Das Jungunternehmen wird im März bereits über 50 Recycling-Termine über das Hub organisieren.

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