Spediteursverband: Verbot für Diesel würde Versorgung Münchens gefährden

Landesverband Bayerischer Spediteure warnt vor radikalen Maßnahmen in Reaktion auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts und fordert Priorisierung des Wirtschaftsverkehrs.
Ding der Unmöglichkeit: Der Spediteursverband hält die Versorgung von Städten nur mit Kleintransportern und Lastenfahrrädern für unrealistisch. Im Bild: Münchner Kurierdienst bei der Lieferung in der City. | Foto: J. Reichel
Ding der Unmöglichkeit: Der Spediteursverband hält die Versorgung von Städten nur mit Kleintransportern und Lastenfahrrädern für unrealistisch. Im Bild: Münchner Kurierdienst bei der Lieferung in der City. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Als Reaktion auf das Ende Juni ergangene Urteil zur Luftreinhaltung in München warnt der lokale Landesverband Bayerischer Spediteure (LBS) vor vorschnellen Maßnahmen gegen Diesel-Fahrzeuge im Allgemeinen. Das Urteil, das einem Antrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des alternativen Mobilitätsverbandes Verkehrsclub Deutschland (VCD) folgt, verpflichtet den Freistaat Bayern und die Stadt München unter Androhung von Zwangsgeld zu Maßnahmen, um sauberere Luft und niedrigere Stickoxidkonzentration herzustellen. Das Gericht stellte fest, dass die Grenzwerte an den Messstellen erheblich überschritten würden. Die bisherigen Maßnahmen reichten nicht aus, der bestehende Luftreinhalteplan muss gemäß dem Urteil nachgebessert werden. Bisher können sich Stadt und Freistaat nicht einigen, wer für etwaige Maßnahmen zuständig ist.

Speziell der Lkw werde in der öffentlichen Diskussion immer wieder als Hauptverursacher der hohen Stickoxidemission ausgemacht, erklärte der LBS nun dazu. Dabei seien die Emissionen in den neuesten Generationen stark reduziert worden, die Branche habe hier massiv investiert in Fahrzeuge der Euro V und Euro-VI-Klasse. Mehr sei im Augenblick wirtschaftlich nicht zuzumuten und technisch auch nicht möglich. Der LBS spricht sich deshalb dafür aus, alle Fahrzeuggruppen, also auch Pkw, private und öffentliche Busse sowie Baumaschinen in die Diskussion um die Stickstoffdioxidbilanz der Stadt München mit einzubeziehen. Auch das Umweltbundesamt hatte bereits festgestellt, dass Lkw und Nutzfahrzeuge nur einen geringen Teil von etwa 22 Prozent zu den städtischen Stickoxidemissionen beitragen und Maßnahmen vor allem für private Diesel-Pkw vorgeschlagen. „Die Fokussierung auf die Stickstoffdioxid-Werte darf nicht zu massiven Einschränkungen der Innenstadtversorgung führen“, erklärt Edina Brenner, Geschäftsführerin des Verbandes.

Der Einführung einer „blauen Plakette“ steht der LBS kritisch gegenüber. Derzeit ist im Gespräch, dass nur Fahrzeuge der Euro VI-Norm eine entsprechende Plakette erhalten und damit die Münchner Innenstadt befahren können. „Der „blauen Plakette“ fehle aber noch die Gesetzesgrundlage, zudem seien für die Versorgung auch Euro-V-Lastwagen derzeit noch unabdingbar. Der LBS begrüßt dagegen die Projekte der Landeshauptstadt München zur Förderung der Elektromobilität. Schwere, mehrachsige Nutzfahrzeuge ab 3,5 t für die innerstädtischen Lieferungen seien allerdings nicht in die Förderung einbezogen und entsprechende Serienprodukte auf dem Markt noch gar nicht erhältlich, kritisierte der Verband.

"Zur Versorgung des Großraum München werden riesige Mengen an Industriegütern und Produkten des täglichen Bedarfs geliefert", schildert der Verband den Hintergrund. Diese Anlieferungen würden in der Regel mit Fahrzeugen von bis zu 18 Tonnen vorgenommen, die Großmarkthalle dagegen auch mit größeren LKW mit bis zu 40 Tonnen beliefert. "Der Schluss, dass Kleintransporter und Lastenfahrräder im Bereich E-Mobility den Verteilerverkehr dieser enormen Mengen für den Großraum München bewältigen können, geht fehl", erklärte der Verband. Diese Mengen, verteilt auf kleinere Fahrzeuge im Bereich von 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht bzw. eine Tonne Nutzlast, würden die Anzahl der Fahrzeuge, die im Großraum München bereits heute unterwegs sind, explosionsartig steigern, so die Einschätzung der Branchenvertreter. „Eine Maßnahme im Segment der Nutzfahrzeuge dagegen wäre, die Einhaltung des Durchfahrverbots für den Transit auch wirklich zu kontrollieren. Die Einfahrt für die Fahrzeuge, die den Großraum München wirklich versorgen, muss dagegen im Bereich der zwingend notwendigen Dieselfahrzeuge sichergestellt werden“, forderte Brenner.

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