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Stickoxid-Emissionen: Daimler will es mit Software-Updates beim Diesel richten

An über drei Millionen Fahrzeugen, darunter vermutlich auch die Nutzfahrzeuge Vito und Sprinter, soll ein Software-Update die NOx-Emissionen "wesentlich" reduzieren. Der Verbrauch soll nicht steigen, die Laufleistung aufrechterhalten werden.
Lernprozess? Daimler weitet seine "freiwillige Servicemaßnahme" zum Update des OM651 aus. Für den Vierzylinder versprach man 2008 neue Dimensionen in Leistung, Verbrauch und Emissionen. | Foto: Daimler
Lernprozess? Daimler weitet seine "freiwillige Servicemaßnahme" zum Update des OM651 aus. Für den Vierzylinder versprach man 2008 neue Dimensionen in Leistung, Verbrauch und Emissionen. | Foto: Daimler
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Johannes Reichel

Der Daimler-Konzern reagiert auf die massiven Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Stuttgart auf Verwendung einer illegalen Abschalteinrichtung bei seinen Diesel-Modellen mit den Motorbaureihen OM642 und OM651. Mit einer Ausweitung der sogenannten "freiwilligen Servicemaßnahmen", die für einige Modelle bereits lief, sollen die Stickoxidemissionen an den Euro-5-Aggregaten "wesentlich" reduziert werden. Bei der Maßnahme handelt es sich aus Daimler-Sicht explizit nicht um eine "Rückrufaktion", es werde lediglich eine neue Software aufgespielt. Die Kosten von nach Herstellerangaben 220 Millionen Euro will der Konzern übernehmen, die Dauer der Maßnahme für den einzelnen Kunden veranschlagt man auf etwa eine Stunde. Welche Modelle genau betroffen sind, dazu will der Konzern laut einem Sprecher zeitnah eine Liste veröffentlichen.

Auf die Frage, weshalb die stickoxid-reduzierende Software nicht von Anfang an verwendet worden war, antwortete der Daimler-Sprecher gegenüber LOGISTRA, man habe bei der Entwicklung der neuesten Dieselmotorengeneration OM654 neue Erkenntnisse gewonnen, auch darüber, wie weit man den sogenannten "Motorenschutz" zurückfahren könne, ohne Laufleistung und Haltbarkeit der Aggregate zu beeinflussen. In den bereits laufenden Servicemaßnahmen, die etwa auch die zum Kompakttransporter Vito baugleiche Mercedes-Benz V-Klasse betreffen, habe sich zudem erwiesen, dass die Maßnahme ohne Anstieg des Verbrauchs und damit der CO2-Emissionen umgesetzt werden könne, so der Sprecher. Man habe hierbei die Stellhebel der Abgasrückführung (AGR) sowie der bei den Euro-5-Modellen des Konzerns bereits standardmäßig verwendeten Selektiven Katalytischen Reduktion (SCR-Kat, Harnstoffeinspritzung) genutzt, um weitere Verbesserungen im Emissionsverhalten zu erzielen. Die Kunden sollen beginnend in den nächsten Wochen aktiv angeschrieben und über das Prozedere informiert werden.

„Die öffentliche Debatte um den Diesel sorgt für Verunsicherung – allen voran bei den Kundinnen und Kunden. Wir haben uns deshalb für weitere Maßnahmen entschieden, um den Dieselfahrern wieder Sicherheit zu geben und um das Vertrauen in die Antriebstechnologie zu stärken“, versuchte Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars die Wogen zu glätten. „Wir sind davon überzeugt, dass der Diesel nicht zuletzt wegen seiner niedrigen CO2-Emissionen auch künftig ein fester Bestandteil im Antriebsmix sein wird", gab er weiter zu Protokoll. Die "freiwillige Servicemaßnahme" stellt der Konzern in den Kontext eines "Zukunftsplan für Diesel-Antriebe", bei dem Daimler unter anderem die zügige Einführung seiner neuesten Diesel-Baureihe empfiehlt.

Angefangen bei der neuen E-Klasse im Februar 2016 löst der OM654 sukzessive und durch alle Baureihen der Pkw- und Van-Sparte von Mercedes-Benz den OM651 ab, im nächsten Jahr soll er im neuen Sprinter, vermutlich auch im Vito eingeführt werden. Der OM651 war erst 2008 vorgestellt worden und ist damit für die Entwicklungszyklen von Motoren noch nicht allzu alt. Das neue Aggregat soll vor allem in Sachen Abgasreinigung auf Nummer sicher gehen und auch für künftige Abgastests wie den ab 2017 geplanten Straßenzyklus Real-Driving-Emission-Standard (RDE) sowie den realistischeren Prüfstandzyklus WLTP (World Wide Harmonized Light Vehicle Test Procedure) gewappnet sein. Das sollen diverse Maßnahmen sicherstellen. Dazu zählt ein motornaher Partikelfilter, der mit spezieller Beschichtung eben nicht nur den Ruß, sondern auch einen Teil der Stickoxide auffangen soll. Als zweite Reinigungsstufe setzt Daimler dann wie bisher beim "Bluetec Euro 6" auf einen SCR-Katalysator. Der soll die verbleibenden Stickoxide so wirkungsvoll beseitigen, dass das Aggregat auch im Straßenbetrieb bis zu 80 Prozent weniger NOx ausstößt als vorher. Das soll auch bei niedrigen Temperaturen und bei Volllast zuverlässig funktionieren, wo der alte OM651 mit seiner motorfernen Abgasnachbehandlung bisher offenbar Probleme hatte.

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