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StreetScooter strebt in die Großserienfertigung

Mit der Erteilung der Typgenehmigung für Großserien nimmt der Hersteller eine wichtige Hürde, um auch größere Aufträge bewältigen und die Werke auslasten zu können.

Auf Stückzahl kommen: Der Kleinserienhersteller StreetScooter strebt nach höherem und will schnell wachsen, etwa im Werk Düren. | Foto: DPDHL
Auf Stückzahl kommen: Der Kleinserienhersteller StreetScooter strebt nach höherem und will schnell wachsen, etwa im Werk Düren. | Foto: DPDHL
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Johannes Reichel

Die Deutsche-Post-Tochter StreetScooter GmbH hat vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) die "EG-Typgenehmigung für Großserien" für ihr Einstiegsmodell WORK erhalten. Das im Oktober in Produktion gegangene neue Modell WORK XL, das der Hersteller gemeinsam mit dem Autohersteller Ford in dessen Kölner Werk baut, verfügt über die Großseriengenehmigung bereits. Für den Aachener Hersteller von Elektro-Nutzfahrzeugen und Tochterunternehmen der Deutsche Post DHL Group sei die aktuelle Erteilung ein wichtiger Schritt, um die wachsende Nachfrage auch international effizient bedienen zu können, heißt es aus dem Unternehmen. Die "EG-Typgenehmigung für Großserien" wird Fahrzeugherstellern vom Kraftfahrtbundesamt erteilt. Sie soll bestätigen, dass Standards auch bei Produktionsmengen von vielen Tausend Fahrzeugen eingehalten werden.

Großserie als "Katalysator für internationales Wachstum"

"Das Interesse von Unternehmen mit Großflotten, Gewerbetreibenden und kommunalen Betrieben ist groß. Durch die Großseriengenehmigung können auch große Fahrzeugmengen bei Flottenbestellungen problemlos zugelassen werden, und das auch im Ausland", kommentiert Achim Kampker, CEO der StreetScooter GmbH. Angesichts der steigenden Produktionsstückzahlen sei das ein "ganz entscheidender Schritt", so der Manager. Ende Mai 2018 eröffnete der Anbieter neben der Produktionsstätte Aachen ein weiteres Werk in Düren. Dadurch erhöht sich die Produktionskapazität auf bis zu 20.000 E-Fahrzeuge pro Jahr. Die Zulassungserlaubnis für Großserien bezieht sich auch auf das EU-Ausland inklusive der Schweiz und Norwegen. Auch die Zulassung von StreetScooter Fahrzeugen in Nicht-EU-Staaten wird durch die Genehmigung erheblich vereinfacht. "Wir bekommen viele Anfragen und konkrete Bestellungen aus dem Ausland. Jetzt können wir gerade große Aufträge noch besser und schneller bedienen", so Kampker. Bereits heute fahren StreetScooter im europäischen Ausland: Der englische Milchlieferant Milk & More beispielsweise erwarb Mitte dieses Jahres 200 Fahrzeuge. Darüber hinaus sind in den Niederlanden und in Österreich StreetScooter für die DHL im Einsatz.

Was bedeutet das?

Der Branchenschreck bleibt weiter auf dem Gas oder steht weiter unter Strom: Man strebt in die Großserie auch für die kleinen, komplette eigenentwickelten Modelle, wenn man so will "das Original". Wobei den ambitionierten Aachenern auch nichts anderes übrig bleibt, als quasi die Flucht nach vorn anzutreten. Vermutlich macht auch die Mutter Deutsche Post, selbst kostenseitig arg am kämpfen, hinter den Kulissen massiv Druck, dass sich der teure und riskante Exkurs des Logistikdienstleisters in die Welt der Fahrzeughersteller endlich auszahlen muss. Viele sehen auch den abrupten Abgang des langjährigen Chefs der KEP-Sparte und Chefstrategen der eigenständigen Elektromobilisierung Jürgen Gerdes im Juni des Jahres in dem Kontext.

Ganz ausgeschlossen ist immer noch nicht, dass über kurz oder lang ein großer OEM die nach Branchenmaßstäben kleine StreetScooter GmbH übernimmt. Bei der Premiere der Kooperation mit Ford in Köln hieß es dazu dermaßen auffällig von Seiten StreetScooter "kein Kommentar zu solchen Spekulationen", dass man stutzig wurde. Nachgeschoben kam dann von Seiten von Ford, man könne sich in der Zukunft vieles vorstellen, fange jetzt aber erstmal mit einem Projekt, dem Work XL auf Transit-Basis an. Fest steht: StreetScooter steht am Scheideweg: Wachsen oder weichen. Dafür geht der Hersteller weiter ins Risiko. In Anbetracht fast zeitgleich aufkommender Konkurrenz auch aus Reihen der OEMs wie VW oder Daimler, ganz zu schweigen von E-Pionier Renault ein mutiger Schritt. Es eilt für den "gelben" David gegen die Goliaths.   

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