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Studie zu Elektroautos: Kleine Stromer sind schnell im Vorteil

Die Denkfabrik Agora fasst in einer Untersuchung die aktuellen Erkenntnisse zur Nachhaltigkeit von E-Autos zusammen. Die Conclusio: Ein Elektro-SUV mit Riesen-Akku ist kein Öko-Auto, dafür fahren kleine Stromer rasch nach vorn. Die Ergebnisse lassen sich durchaus auf leichte Nutzfahrzeuge übertragen.

Gründlich durchleuchtet: Die Denkfabrik Agora hat die Umweltbilanz von Elektroautos untersucht und gibt vor allem Stromern wie dem e-Golf, die über eine kompakte Batterie verfügen, gute Öko-Noten. | Foto: VW
Gründlich durchleuchtet: Die Denkfabrik Agora hat die Umweltbilanz von Elektroautos untersucht und gibt vor allem Stromern wie dem e-Golf, die über eine kompakte Batterie verfügen, gute Öko-Noten. | Foto: VW
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Tobias Schweikl
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Elektroautos können schon heute eine nachhaltige Lösung sein, wenn sie nicht zu schwer sind und ihre Akkus nicht zu große Kapazität aufweisen. Das ist die Schlussfolgerung einer aktuellen Studie des ifeu-Instituts Heidelberg im Auftrag der Denkfabrik Agora mit dem Titel "Klimabilanz von Elektroautos", die jetzt veröffentlicht wurde. Sie stellt die zentrale Frage: Wann ist ein Auto klimaverträglich? "De jure ist das so, laut Zulassungs­statistik emittieren Elektrofahrzeuge kein einziges Gramm Kohlendioxid. Tatsächlich entsteht das klimaschädliche Gas jedoch sowohl bei der Produktion des Fahrstroms als auch bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen", führen die Autoren einleitend aus. Deshalb sei für sie die Frage berechtigt, ob sie tatsächlich klimaschonender sind als Benziner oder Diesel. "Es gibt bereits eine ganze Reihe solcher Klimabilanzen, doch deren Ergebnisse unterscheiden sich zum Teil deutlich", meinen die Autoren. Fest steht für sie, dass E-Autos in Deutschland mit Strom betrieben werden, der zur Hälfte aus Kohle und Erdgas erzeugt wird. Hinzu komme, dass die Herstellung von Batteriezellen viel Energie benötigt und darüber in den Herkunftsländern der Zellen (China, Japan, Korea) Kohlendioxid-­Emissionen anfallen.

"Unterm Strich hat deshalb ein E-Auto in der Produktion einen größeren ökologischen Rucksack als ein vergleichbarer Verbrenner. Um diesen Nachteil wettzumachen muss es einige Tausend Kilometer mit möglichst CO₂-armem Strom zurücklegen", fordern die Autoren.

Dennoch sehen sie Elektrofahrzeuge gegenüber Verbrennern schon heute im Vorteil, mal mehr, mal weniger. Und der Vorsprung wird wachsen, je schneller die ­Potenziale aus­geschöpft werden, die es im Hinblick auf ­CO₂-­Minderung gibt sowohl über den Fahrstrom als auch bei der Batterieherstellung.

Die Hauptschlussfolgerungen, die zahlreiche Daten und Studien auswerteten:

  • In allen untersuchten Fällen hat das Elektroauto über den gesamten Lebensweg einen Klimavorteil gegenüber dem Verbrenner.
  • Mit den Fortschritten bei der Batterieentwicklung insbesondere durch effizientere Fertigungsprozesse, höhere Energiedichte, verbesserte Zellchemie und CO₂-ärmereren Strom bei der Herstellung kann die Klimabilanz der Batterie in den kommenden Jahren mindestens halbiert werden.
  • Der Klimavorteil des Elektroautos wächst, wenn der Ausbau der Erneuerbaren im Rahmen der Energiewende forciert wird; denn die Antriebsenergie ist die wichtigste Einflussgröße auf die Klimabilanz.
  • Die Batteriezell-Fertigung auf Basis eines möglichst hohen Anteils Erneuerbarer Energien, kann europäischen Ländern einen Standortvorteil verschaffen.
  • Mehr Transparenz zur Klimabilanz der Batterien ist Voraussetzung, um weitere Verbesserungspotenziale über den gesamten Lebensweg erschließen zu können.

 

 

Konkret verglichen wurde etwa ein VW Golf in der Elekro-, Benziner- und Diesel-Variante. Im Resultat war in dieser Kompaktklasse und bei einem bescheidenen Akku-Maß von 34 kWh der e-Golf dem Benziner schon ab 60.000 km Laufleistung ökologisch überlegen, den Diesel holt der Stromer bei 80.000 km in Sachen Nachhaltigkeit ein. Je grüner der Strom künftig wird, desto eher ist das E-Auto umweltfreundlicher.

Stadt oder Autobahn, Stromer oder Verbrenner?

Ein weiterer Aspekt war das Nutzungsfeld: Wir das Auto im Stadt- oder Autobahnbetrieb eingesetzt, macht das einen großen Unterschied. Ein Kleinwagen à la Renault Zoe mit kompakter Batterie von 25 kWh Kapazität fährt schon bei 40.000 City-Kilometern sauberer als ein Benziner, auf 100.000 km hängt der kleine Stromer den Benziner um fast 30 Prozent ab. Wer allerdings viel Autobahn fährt, ist aktuell mit einem Diesel bis zu 150.000 Kilometer ökologischer unterwegs.

Aus Sicht der Agora-Forscher wird bisher zu wenig berücksichtigt, dass man sich in Anbetracht von 34 Kilometer Durchschnittsfahrleistung pro Tag lieber ein kleineres Auto mit kompaktem Akku zulegt. Und dass es plausibel erscheint, den eigenen Stromer bei 23 Stunden Parkzeit pro Tag etwa über private Vermietung anderen zur Nutzung zur Verfügung zu stellen.

Kostenseitig wiederum sieht die Bilanz zumindest für elektrisch angetriebene Kleinwagen schon heute sehr gut aus. Trotz des Vorwurfs der hohen Anschaffungskosten, fährt etwa ein Kompaktwagen wie der e-Golf schon ab 10.000 km pro Jahr günstiger als ein Verbrenner. Ein Kleinwagen rollt von Anfang an wirtschaftlicher, wie sich beim Öko-Institut errechnen lässt.

Schließlich hat Agora auch noch berücktsichtigt, wie sich die Umweltbilanz darstellt, wenn E-Auto-Akkus nach der Nutzung im Fahrzeug im Second-Life etwa als Heimspeicher weiter dienen. Demnach könnte sich ein Elektro-Wagen, der 2030 gebaut wird, im Zuge des technischen Fortschritts bereits ab 30.000 km den Verbrenner aus dem Feld stechen.

"In der Konsequenz dieser Studie sehen wir uns darin bestätigt, dass die Elektromobilität der Schlüssel der Energiewende im Verkehr ist", so das Resumèe.

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