Studie zum Fahrermangel: Versorgungsengpässe drohen

Wenn keine Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, drohen Versorgungsengpässen bei Industrie und Handel – mit negativen Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung zu Kapazitätsengpässen beim Fahrpersonal in einer Zwischenbilanz.

Mehr als 40 Ursachen für den Fahrermangel hat das Konsortialprojekt ausgemacht. (Symbolbild: Littlewolf1989 / AdobeStock)
Mehr als 40 Ursachen für den Fahrermangel hat das Konsortialprojekt ausgemacht. (Symbolbild: Littlewolf1989 / AdobeStock)
Tobias Schweikl
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Therese Meitinger)

Verlässliche Zahlen zu aktuellen Kapazitätsengpässen insbesondere beim Fahrpersonal will eine im Februar 2022 gestartete Konsortialstudie erheben. Geleitet wird sie von den Professoren Wolfgang Stölzle von der Logistics Advisory Experts (Spin-off der Universität St. Gallen), Thorsten Schmidt von der Technischen Universität Dresden und Christian Kille vom Institut für Angewandte Logistik der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt. Am 28. Juli wurden nun erste Zwischenergebnisse veröffentlicht.

Die Ziele dieser Konsortialstudie liegen den Forschungspartnern zufolge in der Erhebung von konkreten Zahlen und deren Entwicklung in der Zukunft, die Identifizierung von Ursachen und Wirkungen der Engpässe sowie die Zusammenstellung von geeigneten Gegenmaßnahmen. 16 Unternehmen, fünf Verbände und ein Betreiber einer digitalen Plattform beteiligen sich an dem Projekt. Bereits jetzt zeige sich, dass ohne zeitnahe, geeignete Gegenmaßnahmen Engpässe im Transportmarkt zu Versorgungsengpässen bei Industrie und Handel führen könnten – mit weitreichenden negativen Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland, heißt es in der Mitteilung.

Zwischenergebnis 1: Messung des Mangels an Fahrpersonal

Das Studienteam hat nach Eigenangaben einen neuen Ansatz speziell für die Berechnung des Mangels an Fahrpersonal im Straßengüterverkehr mit Lkw über 3,5 Tonnen Nutzlast entwickelt. Er stütze sich auf statistische Daten der Bundesagentur für Arbeit, des Bundesamts für Güterverkehr, des Kraftfahrtbundesamts, des Statistischen Bundesamts und der Berufsgenossenschaft Verkehr sowie den Erkenntnissen aus einer aktuellen Befragung von Unternehmen aus dem Straßengüterverkehr, so die Kooperationspartner. Nach ersten Auswertungen waren demnach zum Jahresende 2021 etwa 40.000 Stellen für Fahrpersonal unbesetzt. Besonders bedenklich sieht das Konsortium, dass sich ohne wirksame Gegenmaßnahmen das zusätzliche Defizit jährlich um bis zu 20.000 nicht besetzte Stellen erhöht. Damit dürften aktuell bereits bis zu 60.000 Stellen offen sein, heißt es. Dies entspreche rund zehn Prozent des gesamten relevanten Fahrpersonals.

Zwischenergebnis 2: Ursachen des Mangels an Fahrpersonal

Es wurden der Mitteilung zufolge über 40 Ursachen für den Mangel identifiziert, die sich acht Kategorien zuordnen lassen. Für das Fahrpersonal besonders belastend erweist sich nach den aktuellen Erkenntnissen die Situation an den Schnittstellen vor und nach dem Transportprozess. Das Ranking der Ursachen fließt in die Entwicklung der konkreten Maßnahmen ein.

Zwischenergebnis 3: Wirkungen des Mangels an Fahrpersonal

Der Mangel an Fahrpersonal zeigt nach Erkenntnissen des Konsortialprojekts aktuell über 20 Wirkungen, die direkt die Transportunternehmen und indirekt ihre Kunden betreffen. Hier seien insbesondere weit überdurchschnittliche Lohnsteigerungen in den vergangenen drei bis fünf Jahren zu nennen, so das Konsortium. Die Messung dieser Wirkungen werde dabei helfen, über geeignete Maßnahmen gegen den Mangel an Fahrpersonal zu entscheiden.

Die nächsten Schritte: Im Herbst sollen die Ergebnisse der Studie zunächst im Konsortium diskutiert und dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die finalen Ergebnisse sollen Ende 2022 veröffentlicht werden.

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