T&E-Studie: Feststoffakkus optimieren Ökobilanz von E-Autos

Aufgrund der höheren Energiedichte werden für die Herstellung weit weniger Rohstoffe benötigt, konstatiert die NGO in einer neuen Studie.

Mehr drin: Der höhere Energiegehalt sorgt für weniger Rohstoffbedarf und verbessert die Ökobilanz von Festkörperakkus gegenüber Lithium-Ionen-Speichern deutlich, so eine Studie von T&E. Stellantis und Daimler engagieren sich daher beim Spezialisten Factorial Energy. | Foto: Stellantis
Mehr drin: Der höhere Energiegehalt sorgt für weniger Rohstoffbedarf und verbessert die Ökobilanz von Festkörperakkus gegenüber Lithium-Ionen-Speichern deutlich, so eine Studie von T&E. Stellantis und Daimler engagieren sich daher beim Spezialisten Factorial Energy. | Foto: Stellantis
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Feststoffbatterien haben das Potenzial, den ökologischen Fußabdruck von Elektroauto-Batterien um fast 40 Prozent zu reduzieren und könnten so den Klimavorteil von Elektrofahrzeugen gegenüber fossilen Verbrennern weiter ausbauen. Das geht aus einer Studie von Minviro im Auftrag der europäischen Umweltdachorganisation Transport & Environment (T&E) hervor. Minviro ist ein Beratungsunternehmen für die Rohstoffindustrie, das sich auf Lebenszyklusanalysen spezialisiert hat und nun die neue Feststofftechnologie mit gegenwärtigen Batteriesystemen verglichen hat. Die Studie belegt laut T&E, dass eine Feststoffbatterie, die mehr Energie bei geringerem Materialeinsatz speichert, den ohnehin bereits sinkenden CO2-Fußabdruck einer Elektroauto-Batterie um weitere 24 Prozent verringern kann.

In der Untersuchung wird eine Feststoffbatterie des Typs NMC-811, die zu den vielversprechendsten in der Entwicklung befindlichen Technologien gehört, mit der derzeitigen Lithium-Ionen-Technologie verglichen. Bei der Feststofftechnologie werden feste keramische Materialien anstelle von flüssigen Elektrolyten für die Stromleitung verwendet, was die Batterien leichter, schneller aufladbar und letztendlich erschwinglicher macht. Batteriehersteller schätzen, dass Feststoffbatterien ab der zweiten Hälfte des Jahrzehnts in E-Autos verbaut werden.

„E-Autos sind schon heute weitaus umweltfreundlicher als Verbrenner und künftig wird der ökologische Fußabdruck der verbauten Batterien sogar noch weiter sinken. Insbesondere Feststoffbatterien bedeuten einen enormen Fortschritt. Dank ihrer höheren Energiedichte werden für ihre Herstellung viel weniger Rohstoffe benötigt und damit auch deutlich weniger Emissionen ausgestoßen", erklärt Friederike Piper, Referentin für E-Mobilität bei T&E Deutschland.

Die neue Technologie könne die Klimabilanz von Batterien sogar noch weiter verringern - exakt um 39 Prozent im Vergleich zu den derzeitigen Lithiumbatterien - wenn bei der Herstellung von Feststoffbatterien die am nachhaltigsten gewonnenen Rohstoffe verwendet werden, so das Ergebnis der Studie. Neue Abbaumethoden, einschließlich der Gewinnung von Lithium aus geothermischen Quellen, hätten deutlich geringere Auswirkungen auf das Klima als die bisher gängige Lithiumgewinnung aus Hartgestein, das in Australien abgebaut und in China veredelt wird, so die Studie weiter. Laut T&E könne Europa, wo Strom bereits kohlenstoffarm erzeugt wird, eine führende Rolle bei der Herstellung noch umweltfreundlicherer Batterien übernehmen. Allerdings seien dabei strenge Richtlinien erforderlich, um sicherzustellen, dass die Rohstoffe konsequent nachhaltig bezogen werden. Für die Herstellung von Feststoffbatterien sind bis zu 35 Prozent mehr Lithium als bei der derzeitigen Lithium-Ionen-Technologie erforderlich, dafür wird jedoch weit weniger Graphit und Kobalt benötigt.

EU-Verordnung kann Sozialstandards setzen

Die Umweltdachorganisation erklärte, dass die Vorschriften der vorgeschlagenen EU-Batterieverordnung, wonach Lithium auf nachhaltige Weise - im Hinblick auf ökologische und soziale Aspekte - beschafft und recycelt werden muss, eine verantwortungsvolle Handlungsweise garantierten und die hinreichende Versorgung mit Feststoffbatterien sicherstellen würden.

„Wir können die Klimabilanz von Feststoffbatterien noch weiter verringern, indem wir die Gewinnung und Verarbeitung der für die Herstellung benötigten Rohstoffe verbessern. Entscheidend hierfür ist die EU-Batterieverordnung. Durch sie könnten wir sicherstellen, dass jede in Europa hergestellte oder verkaufte Batterie aus nachhaltigen Quellen stammt, einen geringen ökologischen Fußabdruck aufweist und am Ende ihrer Lebenszeit recycelt wird", meint Friederike Piper weiter.

Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments und die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten debattieren derzeit über die vorgeschlagene Batterieverordnung. Die Umwelt-NGO forderte die Gesetzgeber auf, dafür zu sorgen, dass die Verordnung Anreize für die Produktion von Batterien mit einem niedrigen CO2-Fußabdruck schafft und die Ziele für das Lithium-Recycling auf 70 Prozent im Jahr 2025 und 90 Prozent im Jahr 2030 angehoben werden - und somit über dem Vorschlag der EU-Kommission liegen. Außerdem müssen Unternehmen dazu verpflichtet werden, Menschenrechte zu achten und ihren ökologischen Sorgfaltspflichten in jedem Schritt der Batterieproduktion nachzukommen.

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