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T6.1 ausverkauft: Verschärfte Vorschriften zur Cyber-Sicherheit lassen Modellpalette schrumpfen

(dpa) Wegen neuer EU-Regeln zur Cyber-Sicherheit von Neuwagen schrumpft Modellpalette der Hersteller. Betroffen ist auch der beliebt VW Transporter T6.1, der ab sofort nicht mehr bestellt werden kann.

Ab sofort nicht mehr bestellbar: Der VWN Transporter T6.1. Der Nachfolger wird erst im September vorgestellt. (Foto: VWN)
Ab sofort nicht mehr bestellbar: Der VWN Transporter T6.1. Der Nachfolger wird erst im September vorgestellt. (Foto: VWN)
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Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Wegen der ab Juli geltenden strengeren EU-Regeln für Cybersicherheit im Auto verschwinden so einige Modelle vom Markt, teilweise ohne direkten Nachfolger. Bestellen kann man die meisten schon jetzt nicht mehr.

„Für den deutschen Markt sind bereits alle Up produziert und an den Handel ausgeliefert“, erklärt eine VW-Sprecherin.

In anderen EU-Ländern laufe die Auslieferung der letzten Fahrzeuge dagegen noch bis Mitte des Jahres. Dann sei auch dort Schluss. Produziert wird der beliebte Kleinwagen schon seit November nicht mehr. Auch bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover heißt es:

„Der T6.1 ist nicht mehr bestellbar.“

Zwar läuft die Produktion dort noch. Doch alle Fahrzeuge, die bis Ende Juni gebaut werden können, hätten längst einen Abnehmer, sagt eine Sprecherin.

„Wir sind ratzekahl ausverkauft.“

Schonfrist nur für Wohnmobile

Grund für den harten Schnitt: Um den neuen Regeln zur Cybersecurity, die ab 7. Juli gelten, zu entgehen, müssen die Autos bis zum Stichtag nicht nur produziert und ausgeliefert, sondern auch zugelassen sein. Dadurch habe mein keinerlei Spielraum, heißt es in Hannover. Nur bei der Camper-Version T6.1 California gebe es noch letzte Bestellmöglichkeiten. Denn bei Wohnmobilen greifen die neuen Regeln erst ab 1. September.

Dass es vor allem ältere Modelle wie den seit 2011 gebauten Up oder den noch auf dem T5 von 2003 aufbauenden T6.1 trifft, liegt an dem hohen Aufwand, den die Hersteller betreiben müssten, um die Autos fit zu machen für die neuen Vorschriften.

„Wir müssten da sonst noch einmal eine komplett neue Elektronik-Architektur integrieren“, sagt VW-Markenchef Thomas Schäfer. „Das wäre schlichtweg zu teuer.“

Daher habe man sich entschlossen, den beliebten Kleinwagen Up ohne direkten Nachfolger einzustellen. „Leider“, wie Schäfer hinzufügt. Denn gefragt sei das Einstiegsmodell nach wie vor.

Nachrüstung würde Millionen kosten

In der Tat sei der Aufwand, den die Hersteller betreiben müssten, enorm, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Die Kosten würden pro Fahrzeug in die Millionen gehen.

Für neu entwickelte Modelle gelten die strengeren Regeln bereits seit Mitte 2022, für Alt-Modelle gab es zwei Jahre Schonfrist, die jetzt ausläuft. Danach müssen die Hersteller nachweisen, dass es schon bei der Entwicklung der Fahrzeuge ein zertifiziertes Managementsystem zur Abwehr von Hackerangriffen gab, und das nicht nur beim Hersteller selbst, sondern auch bei Zulieferern. Das sei gerade bei sehr alten Modellen nachträglich nur schwer zu machen, so der Autoexperte. Diesen Aufwand würden sich die Hersteller daher lieber sparen.

Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) verabschiedet sich schweren Herzens vom T6.1, der bis zuletzt das meistverkaufte Modell der Marke war.

„Wir hätten das Auto sicher noch zehn Jahre lang weiterverkaufen können“, sagt Markenchef Carsten Intra.

Doch mit den neuen EU-Regeln sei das nicht machbar. Anders als beim Up soll es hier zumindest einen Nachfolger geben, aber nicht nahtlos und nicht mehr aus Hannover: Der neue Transporter, den VWN zusammen mit Ford entwickelt hat und auch dort bauen lässt, wird erst im September enthüllt.

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