Teilautomatisierung: Vorhandenes Verschieberegal mit neuem FTS kombiniert

Der Kunststoffrohr-Hersteller Ostendorf hat ein Verschieberegalsystem über autonome Lagerfahrzeuge automatisiert. Die AGVs ermöglichen einen konstanten Materialfluss im Dreischichtbetrieb.

Die Fahrerlosen Transportsysteme erledigen die Doppelspiele um ca. 30 Prozent schneller als gefordert. | Bild: SSI Schäfer
Die Fahrerlosen Transportsysteme erledigen die Doppelspiele um ca. 30 Prozent schneller als gefordert. | Bild: SSI Schäfer
Tobias Schweikl

Innerhalb von sechs Monaten hat der Intralogistik-Spezialist SSI Schäfer bei der Gebr. Ostendorf Kunststoffe GmbH in Emstek die vorhandene Verschieberegalanlage durch den Einsatz von Automated Guided Vehicles (AGVs) automatisiert. Gesteuert wird das System von der Intralogistiksoftware „WAMAS“.

Das auf Abwasserrohrsysteme aus Kunststoff spezialisierte Unternehmen wollte mit der Maßnahme Abläufe im Bereich der Intralogistik optimieren, die Produktivität steigern und Kosten senken. Zeitgleich wurde mit einem Hauptkunden aus der Bauindustrie vertraglich vereinbart, Waren auf Mischpaletten vorzukommissionieren. In diesem Zusammenhang waren plötzlich mehr Verpackungsmaterialien und Paletten vorzuhalten und im Lager zu bewegen.

Weil im Oldenburger Münsterland nahezu Vollbeschäftigung herrscht, war geeignetes Personal für den damit nötigen Dreischichtbetrieb rar. So entschied man sich bei Ostendorf für eine teilautomatisierte Lösung von SSI Schäfer, die vor allem für kleinere Lager mit moderaten Durchsatzleistungen ideal geeignet ist.

In Verbindung mit dem vorhandenen Verschieberegalsystem (VRS) übernimmt nun ein Fahrerloses Transportsystemen (FTS) die Ein- und Auslagerungsprozesse sowie die innerbetrieblichen Transporte. Ostendorf erreichte durch die kombinierte Systemlösung aus Verschieberegal und zunächst zwei AGVs eine Effizienzsteigerung durch das kontinuierliche Arbeiten der FTS ohne Pausen.

Die angestrebte Zeit für ein Doppelspiel habe SSI Schäfer mit den eingesetzten Fahrzeugen nicht nur erreicht, sondern die Erwartungen übertroffen. Die FTS erledigten die Doppelspiele um ca. 30 Prozent schneller als gefordert, so der Intralogistikspezialist. Sollte zukünftig eine noch höhere Performance erforderlich sein, lassen sich weitere Fahrzeuge hinzufügen. Die Fahrzeuge sind dank moderner Sensorik im Gegensatz zu herkömmlichen Gabelstaplern auch personensicher.

Die Entscheidung fiel auf SSI Schäfer, weil sich Ostendorf für die gesamte Lösung inklusive aller Schnittstellen nur einen Partner als Generalunternehmer wünschte. Dies erleichterte die Kommunikation und hätte für einen zeitoptimierten Projektverlauf gesorgt. Außerdem kannte Ostendorf bereits die SSI-Intralogistiksoftware „WAMAS“ bereits von ihrem Standort in Vechta.

„Die Wunschvorstellung analog zu Vechta auf Vollautomatisierung zu setzen, wäre für Emstek übertrieben gewesen“, so Ludger Stroot, Betriebsleiter Werk Emstek bei Ostendorf. „Aber wir wollten dennoch in einem gewissen Maße automatisieren, um die damit verbundenen Vorteile zu erhalten.“

Das Fahrerlose Transportsystem sein in diesem Zusammenhang die passende Technologie und für den vergleichsweise niedrigen Durchsatz genau richtig.

„Zudem drängte die Zeit“, ergänzt Lukas Varelmann, Leiter innerbetriebliche Logistik bei Ostendorf. „Während die Planung und Umsetzung eines vollautomatischen Hochregallagers samt Bauantrag mindestens drei Jahre beansprucht, haben wir dank Teilautomatisierung keine sechs Monate gebraucht, um die gesteckten Ziele zu erreichen.“

Die Kombination aus Verschieberegalanlage und Fahrerlosem Transportsystem ist als Standard ausgereift und direkt in die Lagerstrukturen des Kunden integrierbar, heißt es bei SSI Schäfer. Damit habe die Lösung für das automatisierte Palettenhandling unmittelbar positive Auswirkungen auf die Liefertreue und -qualität sowie auf die laufenden Betriebskosten.

Das Teilautomatisierungsprojekt wurde von SSI Schäfer zusammen mit dem AGV-Spezialisten DS Automotion, einem Unternehmen der SSI Schäfer Gruppe, Mitte 2021 abgeschlossen. Dabei richteten die Partner eine Schnittstelle zu dem bestehenden Verschieberegalsystem ein. Parallel verantworteten sie die Einbindung der AGVs, der Fördertechnik sowie die Gesamtintegration in die WAMAS-Softwareumgebung von Ostendorf.

„Die AGVs ermöglichen Ostendorf einen konstanten Materialfluss im Dreischichtbetrieb, die Prozesse sind klar strukturiert und Fehler nahezu ausgeschlossen“, erläutert Roland Hieslmair, Vertriebsingenieur bei DS Automotion.

Dies entlaste die Mitarbeitenden, die heute unter anderem im Leitstand prozessübergreifende Tätigkeiten übernehmen. Darüber hinaus sind sämtliche Abläufe über WAMAS nachvollziehbar.

Die Kommunikation zwischen Verschieberegal und AGVs verhindere überdies Wartezeiten: Während sich das Fahrzeug der Zielgasse nähert, wird diese bereits zur Öffnung ausgelöst. Die Kommunikation erfolgt barcodeunterstützt via ProfiNet.

„WAMAS sendet die Aufträge an den Flottencontroller von DS Automotion, den man sich wie eine Art „Taxizentrale“ vorstellen kann“, erklärt Roland Hieslmair.

Das System prüft zeitgleich, welches Fahrzeug frei ist und vergibt den Transportbefehl. Bei einem Auftrag zur Auslagerung sorgt WAMAS für eine frühzeitige Gassenöffnung, damit das AGV direkt einfahren kann. Dort nimmt es die angeforderte Palette auf und verbringt sie zum Übergabepunkt an der Fördertechnik. Der Flottencontroller meldet den Auftragsabschluss an WAMAS und das FTS ist bereit für die nächste Aufgabe.

Den in Emstek gemeinsam erzielten Erfolg wolle Ostendorf an einem weiteren Standort wiederholen. Erste Gedankenspiele gäbe es auch im Hinblick auf die Errichtung eines automatischen Kleinteilelagers in Vechta.

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