Test Blubrake: So fährt das E-Lastenrad mit ABS

Warum gibt es das nicht längst? Spätestens mit der Elektrifizierung und dem Siegeszug der E-Cargobikes stellt sich die Frage nach leistungsfähigen Bremsen verstärkt. Wir waren mit dem ABS-Bike unterwegs.

Probieren geht über Studieren: VM-Redakteur und Cargobike-Beauftragter Reichel war schwer angetan vom ABS im Lastenrad. Endlich angstfrei in die Eisen steigen. | Foto: Herwig Reus
Probieren geht über Studieren: VM-Redakteur und Cargobike-Beauftragter Reichel war schwer angetan vom ABS im Lastenrad. Endlich angstfrei in die Eisen steigen. | Foto: Herwig Reus
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Vor Kurzem hat das italienische Start-up-Unternehmen Blubrake erstmals ein Antiblockier-Bremssystem (ABS) für E-Cargobikes vorgestellt, mit dem sich die stark im Trend liegenden Transportmittel deutlich sicherer bewegen lassen sollen. Wir durften eine erste Proberunde drehen, unbeladen und beladen mit drei 6er-Getränkegebinden und etwa 50 Kilo. Und siehe da: So sicher und schnell kamen wir noch nie mit einem Fahrrad auf Rollsplit zum Stehen. Sonst wären wir hier wohl gnadenlos geradeaus geschlittert mit dem langen Korb vor uns, je mehr Gewicht, desto länger und hilfloser. Und mit ABS? Kurzes Sensieren und dann: Mehr als ein trockenes Rucken bekommt man von dem nahtlos ins hydraulische Bremssystem des Long-John-E-Bikes integrierten System nicht mit. Beladen geht das noch eine Spur geschmeidiger vonstatten als wenn die Frontbox leer ist. Wohlgemerkt, war aus Kostengründen beim Testbike plausiblerweise nur das neuralgische Vorderrad mit der Antiblockierhilfe ausgestattet.

Fahrverhalten stabilisiert

Angenehm dabei: Auch Gefahrbremsungen im Affekt verlieren ihren Schrecken, weil man selbst bei grobem Griff in die Bremshebel nicht die Kontrolle verliert oder gar eine blockierende Bremse provoziert. Etwa wenn ein Fahrzeug aus einer Ausfahrt kommt oder Parklücke ausschert. Früher hätte man sich da mit der berühmten Stotterbremse behelfen müssen. Gerade bei gewerblichen Anwendungen oder wenn "Taxi Mama/Papa" mit Kindern und Einkäufen unterwegs ist, dürfte sich das einleuchtende System schnell bewähren. Es trägt definitv zur Stabilisierung des Fahrverhaltens bei, wobei das für den Test als Basis dienende Douze-Bike für sich zu den völlig unkompliziert zu fahrenden Vertretern der Spezies zählt. Übrigens funktioniert die Bremse selbstverständlich weiterhin, falls das per Taster aktivierbare ABS mal abgeschaltet sein sollte. 

Überfälliges Feature vor dem Hintergrund der Elektrifizierung

Aus Sicht des Sales&Marketing-Managers Herwig Reus ist ein ABS für die E-Bikes und E-Cargobikes ein längst überfälliges Feature, wenn man bedenke, wie lange das bei Autos gang und gäbe, aber mittlerweile auch bei Motorrädern üblich, wenngleich nur bei schweren Maschinen Pflicht sei. Er sieht in dem neuen Sicherheitsfeatures auch ein Zeichen der Professionalisierung der Fahrradtechnik. Allerdings ist die Elektronik dann schon so komplex, dass eine Nachrüstung aus seiner Sicht wenig Sinn ergibt. Man sei mit einigen Bike-OEMs aus dem oberen Preissegment im Gespräch für die Erstausrüstung. Schließlich spielt das Thema Sicherheit gerade durch den E-Bike-Boom eine immer größere Rolle. Da könne man sich mit so einem Technikgoodie natürlich vom Wettbewerb abheben. Dafür ist das ABS für sämtliche E-Cargo-Bike-Typen geeignet und als offenes System mit sämtlichen marktüblichen Hydraulikbremsen und Antriebssystemen anderer Anbieter kombinierbar. Ein patentiertes KI-System soll das System außerdem für unterschiedlichen Untergrund wappnen, wie Schotter, Kopfsteinpflaster, Laub oder bei Regen und Schnee.

Tückisches Vorderradblockieren ist damit passé

Bei dem von Ingenieur Fabio Todeschini entwickelten System misst ein Sensor die Geschwindigkeit des Vorderrads und überträgt die Informationen an eine Kontrolleinheit. Diese berechnet auf der Basis der Messergebnisse des Tempo-Sensors und der Beschleunigungsmesser im Rahmen die Dynamik des Bikes und soll potenziell gefährliche Situationen feststellen. In solchen Gefahrsituationen greife der Aktuator ein und kontrolliere den Hydraulikdruck der Vorderradbremse, was wiederum für einen gleichmäßigen Bremsvorgang und erhöhte Stabilität und Steuerbarkeit des E-Lastenrades sorgen soll. Laut Statistik passieren 58 Prozent der E-Bike-Unfälle während des Bremsvorgangs, und 24 Prozent stehen damit in Zusammenhang. 39 Prozent der Stürze passierten, weil das Vorderrad blockiert ist und 25 Prozent, weil der Fahrer das Gleichgewicht verliert, führt der italienische Bike-Innovator an.

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