THG-Quote: DPD erschließt Einnahmequelle mit The Mobility House

Mit dem Quotenhandel für Treibhausgase ergibt sich auch für Unternehmen mit gewerblichen E-Fuhrparks eine neue Einnahmequelle. Die nicht zu nutzen, wäre sträflich, findet der KEP-Dienstleister DPD. Helfen lässt man sich dabei vom Münchner Spezialisten The Mobility House. Pro E-Van erlöst man so 490 Euro jährlich.

Mit Strom sparen: DPD nutzt die THG-Quote, um pro Van bis zu 490 Euro jährlich zu erlösen. | Foto: DPD
Mit Strom sparen: DPD nutzt die THG-Quote, um pro Van bis zu 490 Euro jährlich zu erlösen. | Foto: DPD
Johannes Reichel

„Jeder, der die Chance nicht nutzt, verschenkt Geld“, wirbt Gerd Seber, Group Manager City Logistics & Sustainability bei DPD Deutschland, über den Handel mit den THG-Quoten von Elektrofahrzeugen. Der Anfang 2022 neu eingeführte Handel mit den Emissionszertifikaten fördert die Elektromobilität auf zwei Arten: Zum einen durch den jährlich ausbezahlten Zuschuss für Elektrofahrzeuge – wer einen direkten Beitrag zum Klimaschutz leistet, wird belohnt. Zum anderen dadurch, dass das "In-Verkehr-Bringen" von fossilen Treibstoffen für die Mineralölindustrie, welche für die Verursachung von CO2 in den THG-Topf einzahlen muss, immer teurer wird. Und damit letztendlich auch für Unternehmen mit Verbrenner-Fahrzeugen in der Flotte. Der deutsche Ableger der DPD-Gruppe profitiert bis dato für gut 160 eigene Elektrotransporter verschiedener Marken von dem Instrument, mit dem der Gesetzgeber die CO2-Emissionen des Verkehrssektors senken und somit der Klimakrise entgegenwirken will.

„Natürlich kommen die Erlöse aus dem Quotenhandel der E-Mobilität zugute, auch wenn das Stand jetzt eher ein symbolischer Beitrag ist. Die Quote für einen Elektrotransporter liege bei aktuell 490 Euro im Jahr. Die Chance sollte man nutzen, denn das Handeln der THG-Quoten ist mit einem kompetenten Partner sehr einfach und mit wenig Aufwand verbunden“, meint der DPD-Nachhaltigkeitsexperte Seber.

Die Deutschland-Dependance des KEP-Dienstleisters setzt seinen Quotenhandel mit dem Münchner E-Mobility-Spezialisten The Mobility House um. Man kennt sich bereits von früheren Projekten, erzählt Seber, wie etwa der Beschaffung von mobilen Ladelösungen oder Analysen von DPD-Depots hinsichtlich deren Elektrifizierungspotenzial. So lag es nahe, auch die THG-Quoten über das Münchner Unternehmen zu handeln. Im Übrigen können alle Halter:innen von rein batterieelektrischen Elektrofahrzeugen den Klimanutzen ihrer Fahrzeuge zu Geld machen, egal ob das Fahrzeug geleast oder gekauft ist. Das gilt für private als auch geschäftliche E-Autos und E-Flotten, sowie für E-Transporter, E-Busse und E-Lkw. 

„Vor allem für Unternehmen lohnt sich der Aufwand sehr, gerade wenn man mehrere Dutzend oder gar Hunderte E-Fahrzeuge in der Flotte hat“, erklärt Seber.

Um die THG-Quote zu verkaufen, reicht es, wenige Schritte auf einem Webportal auszuführen. Anbieter wie The Mobility House benötigen lediglich den Vor- und Nachnamen, eine E-Mail-Adresse sowie eine Kopie von Vorder- und Rückseite des Fahrzeugscheins. Bei Unternehmen ist zusätzlich die Angabe des Firmennamens sowie der Steuernummer notwendig. „Die einzige Herausforderung bestand in der Beschaffung der Kopien der Fahrzeugscheine“, erklärt Seber, schließlich seien die Elektrofahrzeuge des Logistikunternehmens auf mehrere Standorte in ganz Deutschland verteilt. „Wir haben bei uns im Team jemanden, der das Thema an sich genommen hat und es in Zukunft auch pflegen wird. Schließlich müssen wir die Daten stetig aktualisieren, etwa wenn ein Fahrzeug aus der Flotte ausscheidet“, skizziert das Nachhaltigkeitsmanager weiter.

Flaschenhals Ladeinfrastruktur

Seit einigen Jahren forciert DPD den Einsatz von Elektrotransportern im Paketdienst, erste Pilotprojekte gab es bereits vor mehr als zehn Jahren. Ein Flaschenhals beim Zukunftsthema E-Mobility sei der Aufbau der Ladeinfrastruktur. „Denn die Depots, gerade die älteren, sind in Zeiten aufgebaut worden, in denen noch niemand mit Elektroautos gerechnet hat“, erklärt Seber. Dort fehle es oft zum einen an Strom, zum anderen an Platz, um Ladeinfrastruktur in ausreichender Größe aufbauen zu können. Daher denkt man bei DPD auch an Alternativen.

„Bei kniffligen Standorten überlegen wir, wie sich öffentliche Ladepunkte einbinden lassen, oder ob wir bei unseren Systempartnern Lademöglichkeiten aufbauen könnten“, schildert Seber.

Die Herausforderungen halten den Logistikdienstleister nicht davon ab, Elektrofahrzeuge einzuflotten. Und das Lade-Problem anderweitig zu lösen, etwa mit mobilen Ladegeräten. „Diese setzen wir an jenen Depots ein, wo wir akuten Bedarf haben, E-Fahrzeuge zu laden, aber noch keine fest installierte Ladeinfrastruktur aufweisen bzw. voraussichtlich gar nicht umsetzen können. Hier sind die mobilen Lader eine perfekte Lösung, um einfach und bequem Starkstromsteckdosen nutzen zu können“, erzählt der DPD-Nachhaltigkeitsbeauftragte.

Simulation am Standort Nürnberg: Maximal mögliche E-Van-Flotte

Dieser Zwischenlösung sollen, wo möglich, fest installierte Lademöglichkeiten folgen: Bei der Analyse von Depots hinsichtlich deren Elektrifizierungspotenzial hat sich DPD ebenfalls die Expertise von The Mobility House ins Haus geholt. „Am Beispiel des Depots in Nürnberg haben wir untersuchen lassen, wie viele Ladepunkte wir dort aufbauen und mit einem Lade- und Energiemanagementsystem wie ChargePilot intelligent steuern könnten, wie viele Elektrofahrzeuge wir so maximal einflotten könnten, und wie man alle Themen rund um die Elektromobilität – quasi am offenen Herzen – an einem bestehenden Standort umsetzen kann“, erzählt Seber. „Das hat uns sehr geholfen, ein Grundverständnis für die E-Mobilität zu bekommen“. In Zukunft wird es also deutlich mehr Elektrofahrzeuge in der DPD-Flotte geben, soviel steht fest. Allein 2023 will der Paketzusteller 500 weitere E-Transporter beschaffen. Und bis 2030 ist geplant, die letzte Meile vollständig lokal emissionsfrei zu bedienen sowie zudem einen großen Teil der Fernverkehre auf alternative Antriebsarten umzustellen.

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