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Transporter: Neuer Fiat-Chef will E-Mobilität zur richtigen Zeit

Der neue Leiter der Marke Fiat Professional sieht mittel- und langfristige Perspektiven für den Elektroantrieb, hält aber nichts von Aktionismus. Einstweilen setzt man auf bodenständige und praxisnahe Lösungen und CNG.
Auf ganzer Breite: Fiat-Professional-Chef Stephane Gigou sieht die Marke bis hin zum Pickup Fullback derzeit gut aufgestellt und will mit CNG-Antrieben die Zeit bis zum Einstieg in die E-Mobilität überbrücken. | Foto: Fiat
Auf ganzer Breite: Fiat-Professional-Chef Stephane Gigou sieht die Marke bis hin zum Pickup Fullback derzeit gut aufgestellt und will mit CNG-Antrieben die Zeit bis zum Einstieg in die E-Mobilität überbrücken. | Foto: Fiat
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Johannes Reichel

Der neue Chef der Marke Fiat Professional Stéphane Gigou hat sich in einem exklusiven Gespräch mit der Jury zum "International Van of the Year" skeptisch gegenüber einer schnellen Einführung von Elektrofahrzeugen gezeigt. "Die Elektromobilität wird kommen, schon aufgrund der zunehmenden Zahl an Einfahrregulierungen in den Städten. Der E-Antrieb ist ein Muss und ein starker Trend für bestimmte Anwendungsfelder. Wir halten aber nichts davon, das schon Jahre im Voraus zu kommunizieren. Wenn wir hier aktiv werden - und das wird der Fall sein - kommen wir nahe zum tatsächlichen Serienstart", erklärte der Markenchef. Den Hinweis auf erste kursierende Erlkönig-Bilder eines Fiat Doblo Electric wollte der Manager nicht kommentieren. Dabei dürfte es sich aber nicht um eine Nachrüst-, sondern eine originäre Lösung des Herstellers handeln.

Entscheidend sei auch, so Gigou weiter, wann eine elektrisch angetriebenes Nutzfahrzeug von den Stückzahlen her so relevant sei, dass es in die reguläre Produktion integriert werden könne. Gigou deutete an, man wolle hier einen anderen Weg einschlagen, als Renault beim Master Z.E. mit fest konfiguriertem Batteriepackage. Ein Fahrzeug könne auch modular zusammengestellt werden, je nach Kundenanforderung. "Feststeht: Die Elektromobilität ist ein globales Thema, das wir mit einem globalen Ansatz beantworten werden", resümierte Gigou.

Man sehe sich einstweilen mit den CNG-Lösungen beim Fiorino, Doblo und Ducato ohnehin praxisnäher und reeller aufgestellt mit erschwinglichen Alternativen zum Diesel. Den hält der Fiat-Professional-Chef auch im Transporter auf absehbare Zeit, sprich bis mindestens 2025 für unersetzlich. Rechtzeitig zum gesetzlichen Termin will der Hersteller mit einem Euro-6dTemp-Update aufwarten quer durch die gesamte Range. Zur IAA Nutzfahrzeuge im September soll zum einen die US-Marke RAM mit ihren schweren Pickups stärker fokussiert werden. Zum anderen will der Hersteller mehr auf Branchenlösungen und "missionsbezogene" Ausstattungen abheben.

Im Hinblick auf den Boom im sogenannten B-Van-Segment der kleineren City-Transporter sieht Gigou ebenfalls weiteres Wachstum. Das soll von Seiten Fiat Professional aber mit einer klar auf den gewerblichen Bereich fokussierten Fahrzeuglösung bedient werden, nicht mit einem Pkw-Kombi-Derivat. Damit spielte der Manager auf den Nachfolger des Fiat Doblo an, der in den nächsten Jahren auf den Markt kommen dürfte. Er könnte dem Vernehmen nach kompakter und kürzer ansetzen als das bisherige Modell und damit mit dem Mikro-Van Fiat Fiorino fusioniert werden, zumindest in der Einstiegsversion. Denn dieser müsse tendenziell aufgrund gesetzlicher Anforderungen über die Vier-Meter-Marke wachsen. Man müsse in der City-Logistik auch hinterfragen, ob die Euro-Palette weiter das Maß der Dinge sei oder andere Attribute für die Gestaltung eines Kastenwagens wichtiger seien.

Mit Bezug auf die weitere Fortsetzung der seit 1976 bestehenden Kooperation mit PSA bei den großen Transportern wollte sich Gigou nicht festlegen. Das Werk Sevel Süd bei Rom ist weiterhin Teils des Joint-Ventures mit PSA, wird aber von Fiat betrieben. Ob das auch beim etwaigen Nachfolgemodell des aktuellen Ducato so bleibt, ist noch unklar. PSA könnte hier auf eine eigenständige Lösung mit Opel drängen, müsste dann aber eine eigene 3,5-Tonnen-Plattform entwickeln. "Zur Zeit sind wir sehr zufrieden mit dem Ducato. Hinter der B-Säule wüssten wir nicht, was wir an einem Kastenwagen entscheidend anders oder besser machen sollten, dass es eine höhere Summe an Investitionen rechtfertigte", formulierte Gigou und verwies auf die gute Raumeffizienz und die üppige Ladebreite des Modells, das den Ducato auch für das boomende Wohnmobilsegment prädestiniere.

Ebenfalls zufrieden zeigte sich der Fiat-Chef mit dem Verkauf des Ducato als Ram Promaster in den USA, der dem Vernehmen nach 45.000 Abnehmer im vergangenen Jahr gefunden habe. Auch das Gemeinschaftsunternehmen mit Tofas in der Türkei steht einstweilen nicht in Frage. Hier läuft neben dem Doblo auch der Pkw Tipo mit Fließheck vom Band. Das Werk sei in den letzten Jahren aufwändig modernisiert worden, erklärte Gigou.

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