Transpotec 2024: MAN feiert Premiere für TGE Next Level und will Vans forcieren

Zwar fehlt nach dem Auslaufen des e-Crafter eine Elektro-Version schmerzlich. Dafür wartet der neue TGE mit teilautomatisiertem Fahren und einem deutlich wertigerem Interieur nebst neuem Infotainment auf.

Großer Trommelwirbel: MAN lässt den TGE Next Level mit großem Pomp vom Stapel. | Foto: J. Reichel
Großer Trommelwirbel: MAN lässt den TGE Next Level mit großem Pomp vom Stapel. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Wer hätte das gedacht: Anfangs wurden die Verantwortlichen bei MAN noch belächelt, als sie Transporter ins Portfolio aufnahmen. Die "Matchbox"-Klasse, bei einem bisher für ausgewachsene Trucks bekannten Hersteller, das Experiment wurde kritisch beäugt. Ein paar Jahre später haben die Münchner immer mehr Freude ans den leichten Nutzfahrzeugen, die mittlerweile nicht mehr nur im B2B-Bereich gut angenommen werden, speziell mit Auf- und Ausbauten, sondern eben auch bei Wohnmobilisten beliebt sind, die den professionellen Truck-Service zu schätzen wissen. Die Werkstätten wiederum sind froh, weil sie mit der grundverschiedenen Klientel mit ihren völlig verschiedenen Ansprüchen in Sachen "Down Time" die Auslastung ausleveln können: Die einen brauchen den Wagen am besten sofort, die anderen erst in einer Woche.

Ehrgeizig auch bei den Transportern

Und so erklärt sich, dass MAN für die Modellpflege des TGE einen großen Aufschlag macht und mit einer lautstarken Pressekonferenz auf der Transpotec in Mailand für den gründlich erneuerten Transporter trommelt, im wahrsten Sinne des Wortes. Zwar geben die Verantwortlichen unumwunden zu, dass die Absenz eines Elektromodells in diesen Zeiten sehr schmerzt und das Ziel in der Fahrzeugklasse klar die Elektrifizierung sei. Die rechne sich im übrigen bei richtigem Einsatzfeld auch heute schon für den Kunden. Schließlich wolle man als Hersteller bis 2030 CO2-neutral wirtschaften, was vor allem für die große Bestandsflotte eine Herausforderung wird.

Bei den Trucks soll zum großen Ziel auch eine Vertiefung der E-Palette in die Branchen neben City- und Fernverkehr beitragen, wozu man auf der IFAT erste Optionen aufzeigen will, etwa mit einem vollelektrischen Absetzkipper. Auch Lowliner oder Wechselbrücken hat man im Blick. Und setzt auf die politische Rückendeckung in Sachen dafür nötiger Ladeinfrastruktur: 50.000 Hochleistungsladesäulen braucht es laut MAN, soll das mit der Verstromung der Logistik klappen. Umso ärgerlicher, dass die Elektrifizierung im volumenträchtigen Van-Segment am "Tropf der VW-Mutter" hängt und noch bis 2028, bis zur nächsten Crafter-Generation ("Space-Familie") auf sich warten. So lange seien nun mal die Entwicklungszyklen, heißt es.

Mit den Unsicherheiten bleibt der Diesel gesetzt

Doch andererseits kaufen die meisten Kunden eben immer noch (den längst zeitgemäß auf Euro 6D gebrachten) Diesel, die Stromer erleben eine Flaute, die Kunden zögerten wegen politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten und zudem bekommt der TGE ein komplett neues elektronisches Rückgrat, das ihn auf Level 2 des automatisierten Fahrens katapultiert. Die sonstigen Qualitäten in Sachen Fahrbarkeit, Komfort, Aerodynamik und Sparsamkeit (für einen Diesel) waren für die mit dem Transit jüngste Konstruktion im Markt sowieso noch absolut "up to date". Und so sind sie bei MAN zuversichtlich, dass sie das Pendel in der polnischen Produktion in Wrzesnia noch etwas weiter zu ihren Gunsten verschieben können. 30 Prozent tragen schon einen Löwen im Grill. Und viele bestimmt auch bald die stolze Präsentationsfarbe "Kupfer".