Traton: 2019 Umsatz und Ergebnis gesteigert - Prognose kassiert

Die Traton Group steigerte 2019 Umsatz und Ergebnis, rechnet aber mit massiven Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie. Die Prognose wurde kassiert, die Werke von MAN und Scania schließen vorübergehend.

Unsichere Aussichten: Der im Geschäftsbericht gedruckten Aussichten für 2020 wurden gleich wieder revidiert. | Foto: Traton Group
Unsichere Aussichten: Der im Geschäftsbericht gedruckten Aussichten für 2020 wurden gleich wieder revidiert. | Foto: Traton Group
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Torsten Buchholz)

Die Traton Group, börsennotierte und eigenständige Lkw- und Bus-Sparte des VW-Konzerns, hat eine positive Bilanz über das vergangene Jahre gezogen und blickt zugleich äußerst skeptisch in das laufende Jahr. Die Marken der Gruppe schließen in Folge der Coronavirus-Krise vorübergehend mehrere Werke. So hat MAN Truck & Bus hat für die deutschen Werke zum 23. Februar 2020 Kurzarbeit beantragt. Die Tochter Scania teilte mit, ab Mittwoch die Werke in Schweden, Niederlande und Frankreich ruhen zu lassen.

In der aktuellen Krise komme der Nutzfahrzeugindustrie bei der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten eine bedeutende Rolle zu", meinte Andreas Renschler, Traton-CEO und Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG. Deswegen setze man alles daran, für Kunden den Service und die Ersatzteilversorgung aufrechtzuerhalten.

"Nur wenn der Lieferverkehr auf der Straße uneingeschränkt funktioniert, kann auch die Zustellung von Nahrungsmitteln und Medikamenten sichergestellt werden. In dieser für alle sehr herausfordernden Situation scheint das Jahr 2019 schon weit zurückzuliegen. Aber wir können stolz auf das Erreichte sein", meint Renschler.

Große Unsicherheiten: Ausblick auf 2020 gleich wieder einkassiert

Im Geschäftsbericht der Gruppe, der bereits zum 10. Februar 2020 aufgestellt wurde, hatte man noch für das Jahr 2020 noch mit einem moderaten Absatz- und Umsatzrückgang gerechnet. Dieser wurde unmittelbar nach Veröffentlichung am Montag wieder kassiert. Traton-CFO Christian Schulz erklärte dazu:

„Die aktuelle Coronavirus-Pandemie macht eine gesicherte Abschätzung über die Entwicklung der Absatzmärkte und damit über den Verlauf unserer Geschäftsentwicklung für das laufende Jahr mittlerweile allerdings unmöglich. In dieser für die gesamte Wirtschaft sehr schwierigen Lage hilft es, dass wir uns auf eine grundsolide Bilanzstruktur stützen können. So lag etwa die Nettoliquidität unseres Industriegeschäfts zum Jahresende 2019 bei 1,5 Milliarden Euro.“

Dennoch sei der Prognosebericht für das Geschäftsjahr 2020 nicht länger gültig, so die Aussage des Konzerns.

Entwicklung im Jahr 2019

Im Jahr 2019 wuchs der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 26,9 Milliarden Euro. Bereinigt um die zum Jahresbeginn 2020 veräußerte Volkswagen Gebrauchtfahrzeughandels und Service GmbH (VGSG), die im Vorjahr 585 Millionen Euro Umsatz erzielt hatte, beträgt das Umsatzplus sechs Prozent. Das Operative Ergebnis (Ebit) legte um 25 Prozent zu und erreichte 1,9 Milliarden Euro. Die Operative Rendite wuchs auf 7,0 Prozent, nach 5,8 Prozent im Jahr 2018. Der Auftragseingang ging um seiben Prozent auf 227.200 Bestellungen zurück. Im Segment Industrial Business wuchs der Umsatz um sechs Prozent auf 26,4 Milliarden Euro. Dazu habe vor allem das Neufahrzeuggeschäft beigetragen, teilt die Gruppe mit. Das Operative Ergebnis hat mit 1,7 Milliarden Euro ein Plus von 29 Prozent erreich. Das Segment Financial Services erzielte einen Umsatz von 849 Millionen Euro (2018: 760 Millionen Euro) € und ein Operatives Ergebnis von 142 Millionen Euro (2018: 138 Millionen Euro).

Entwicklung der operativen Einheiten im Jahr 2019

Scania Vehicles & Services steigerte den Absatz um drei Prozent auf 99.500 Fahrzeuge. Der Umsatz stieg um sieben Prozent auf 13,9 Milliarden Euro. Das Operative Ergebnis legte um 25 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zu. Die Operative Rendite lag bei 10,8 Prozent.

MAN Truck & Bus 2019 bei einem Absatz von 105.000 Fahrzeugen ein Plus von zwei Prozent. Die Transporter-Produktreihe MAN TGE hatte daran großen Anteil, ihr Absatz verdoppelte sich nahezu auf 15.000 Fahrzeuge. Der Umsatz von MAN Truck & Bus stieg um drei Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Das Operative Ergebnis ging um acht Prozent auf 371 Millionen Euro zurück. Dies entspricht einer Operativen Rendite von 3,3 Prozent.

Volkswagen Caminhoes e Onibus erhöhte den Absatz um 15 Prozent auf 41.900 Fahrzeuge und profitierte laut Traton dabei von der positiven Entwicklung des lateinamerikanischen Markts. Der Umsatz steigert sich um 22 % auf 1,7 Milliarden Euro an. Das Operative Ergebnis wurde mit 55 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Die Operative Rendite stieg auf 3,2 Prozent.

Neuausrichtung bei MAN Truck & Bus

Für MAN Truck & Bus strebt die Traton Group mittelfristig eine Rendite von acht Prozent an. Im vergangenen Jahr wurde dieses Ziel klar verfehlt. Nun steuert MAN mit einer fundamentalen Neuausrichtung um, die bereits mit einem leichten Rückgang bei Absatz und Umsatz für 2020 "eingepreist" gewesen wäre. So hatte man ohnehin mit einer niedrigeren Rendite gerechnet, auch aufgrund höherer Investitionen

„MAN Truck & Bus muss für die kommenden Herausforderungen wie die Investitionen in die Elektromobilität und die zunehmende Digitalisierung gewappnet sein. Nur mit einer Neuausrichtung von MAN Truck & Bus kann der künftige Erfolg unserer starken Marke in einem technologisch höchst anspruchsvollen Markt nachhaltig sichergestellt werden", kommentierte Renschler.

Der Vorstand von MAN Truck & Bus habe erste Gespräche mit dem Betriebsrat zur Ausgestaltung der Neuausrichtung bereits aufgenommen. Dabei könnte es vor allem auch um einen Stellenabbau im größeren Stil gehen, der Luft verschaffen soll für die Entwicklung alternativer Antriebe, des automatisierten Fahrens sowie digitalisierter Lösungen. Zur avisierten Übernahme des US-Truck-Bauers Navistar äußerte sich die Holding nicht. Eigentlich wollte man damit das US-Geschäft stärken, dennoch könnte die milliardenschwere Übernahme unter den rasant veränderten Bedingungen neu betrachtet werden müssen.

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