Trucksters: Schneller von Madrid nach Dortmund - mit Fahrerwechsel und KI

Mithilfe von künstlicher Intelligenz will der spanische Frachtdienst jetzt auch Routen nach Deutschland effizienter machen und die Lieferzeiten stark verkürzen. Fahrer sollen per Staffelsystem schneller und personalsparend vonstattengehen. Lkw dauerhaft auf der Straße.

Road to Dortmund: Trucksters verspricht mit seinem KI-gestützten Wechselsystem eine drastische Verkürzung der Fahrzeit, etwa von Madrid nach Westfalen. | Foto: Screenshot
Road to Dortmund: Trucksters verspricht mit seinem KI-gestützten Wechselsystem eine drastische Verkürzung der Fahrzeit, etwa von Madrid nach Westfalen. | Foto: Screenshot
Johannes Reichel

Das spanische Start-up-Unternehmen Trucksters mit Sitz in Madrid hat seinen KI-basierten Frachtdienst für Straßentransport ab sofort auch an Routen nach Deutschland angebunden. Man wolle damit einen wesentlich schnelleren und kostengünstigeren Service anbieten und zugleich den Fahrern ermöglichen, kürzere Strecken zurückzulegen und weniger Zeit auswärts verbringen zu müssen. Dabei setzt das Start-up auf innovative Software mit künstlicher Intelligenz. Operierte man bisher bereits im Mittelmeerraum, sollen nun internationale Korridore erschlossen werden, teilte das Unternehmen mit. Die Frachttransporte von und nach Deutschland verkehren auf zwei Routen. Die Route „Levante“ umfasst die wichtigsten spanischen Mittelmeergebiete Valencia und Barcelona und führt über Belgien und die Niederlande nach Dortmund und in das Ruhrgebiet. Die Route „Zentral“ beginnt in Madrid und führt über Belgien und die Niederlande ebenfalls nach Dortmund.

Schnellere Lieferungen, weniger Ressourcen

Das Start-up verspricht, die Lieferzeiten im Straßengüterfernverkehr erheblich zu verkürzen, indem Lkw kontinuierlich und ohne Pause auf der Straße bleiben. "Normalerweise beginnt eine Fahrt im Fernverkehr mit zwei Fahrern auf einem Lkw, die sich nach neun Stunden ablösen und elf Stunden anhalten müssen, um sich auszuruhen", skizziert der Anbieter. Im System von Trucksters gebe es entlang einer Route mehrere Fahrer. So absolviere ein Fahrer lediglich 4,5 Stunden, bis er mit dem Lkw einen Zwischenposten erreicht, wo er den Lkw an einen anderen Fahrer abgibt. In der Modellrechnung setzt der Anbieter die herkömmliche Fahrt im Straßentransport mit zwei Fahrern von Madrid nach Dortmund (1900 km) mit 38 Stunden an. Diese Zeit wolle man um zehn Stunden verkürzen, mit jeweils nur einem Fahrer im Cockpit, so das Versprechen. Basis sei dabei, dass Dritte ihre Fahrzeuge unter dem Dach der Plattform eingliedern können. Damit erreiche das Unternehmen eine quasi skalierbare Flotte und Routen mit ausreichendem Verkehrsaufkommen, um Zwischenstationen einzurichten.

Win-win-win-Situation: Für Fahrer, Unternehmer und Sicherheit 

Im Nebeneffekt könne man durch das Zwischenstationssystem auf den Beifahrer verzichten. Die Fernfahrer würden zu regulären Arbeitszeiten und bleiben dabei in der Nähe ihres Wohnortes operieren. Dadurch könnten sie zu Hause zu schlafen und zugleich werde die Verkehrssicherheit erhöht, da die Fahrer ausgeruhter seien, wie der Anbieter weiter wirbt.

Trucksters war 2018 eines der ersten Start-ups, welches in das Programm von APX, dem Early Stage Investor von Axel Springer und Porsche mit Sitz in Berlin, aufgenommen wurde und gehöre zu den vielversprechendsten Investments. Das spanische Jungunternehmen verzeichne in diesem Jahr bislang ein monatliches Wachstum von circa 40 Prozent und konnte Kunden wie Bofrost, Kimberly Clark, SEUR oder ALPI gewinnen. In zwei Finanzierungsrunden konnte man über zwei Millionen Euro Venture-Capital einsammeln – unter anderem von The Valley Venture Capital, Big Sur Ventures und APX. Mit der Erschließung und Konsolidierung von internationalen Korridoren wolle man nun den Wachstumspfad fortsetzen und insbesondere in Deutschland wachsen.

„Der Aufbau einer stärkeren Präsenz in Deutschland ist ein Meilenstein für Trucksters, nicht nur, weil es einer der größten Logistikmärkte Europas ist, sondern auch wegen unserer Wurzeln", erklärte Gabor Balogh, Co-Founder bei Trucksters.

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