Ukraine-Krieg: Daimler, VW und MAN kehren Russland den Rücken

Als Reaktion auf den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ziehen immer mehr deutsche Firmen die Reißleine. Auch Daimler, VW und MAN distanzieren sich. 

2018 war MAN noch stolz, als ein MAN TGX den Weihnachtsbaum zum Roten Platz nach Moskau brachte. | Foto: MAN T&B
2018 war MAN noch stolz, als ein MAN TGX den Weihnachtsbaum zum Roten Platz nach Moskau brachte. | Foto: MAN T&B
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Daimler Truck hat nach Bericht des "Handelsblatts" bereits seine beiden Vertreter im zwölfköpfigen Verwaltungsrat seines russischen Partners Kamaz abgezogen. Demnach hätten Jan Krönig, Strategiechef von Daimler Truck, und Wolfram Schmid, Head of Product Platforms, ihre Mandate bei Kamaz ab sofort ruhend gestellt, bestätigte ein Konzernsprecher dem Handelsblatt am Dienstag.

"Wir haben mit Kamaz eine Kooperation, die rein ziviler Natur ist und auch nur mit diesem Fokus abgeschlossen wurde. Daimler Truck beliefert Kamaz ausschließlich mit zivilen Lkw-Komponenten. In dem gemeinsamen Joint Venture Daimler Kamaz Rus werden ausschließlich nichtmilitärische Mercedes-Lkw und Kabinen für Kamaz gebaut. Selbstverständlich haben wir immer alle geltenden Exportkontroll- und Sanktionsvorschriften eingehalten", teilte die Pressestelle auf Anfrage der Zeitung Transport mit.

Allerdings lieferte Kamaz wiederum an das russische Militär, unter anderem Panzerwagen wie den 20-Tonner „Typhoon-K“, der selbst Minen und Sprengfallen standhält, berichtet das Handelsblatt. Über seinen einstigen Mutterkonzern Mercedes-Benz sei Daimler Truck mit 15 Prozent de facto am gesamten Kamaz-Konzern beteiligt. Die Anteile sollten eigentlich mit der konzerninternen Umstrukturierung an die Daimler Truck AG übergehen, bestätigte die Pressestelle auf Anfrage. 

"Gegenwärtig wird geprüft, was mit den Anteilen passieren soll", sagt der Daimler Truck-Pressesprecher.

Bereits am Montag hatte sich der Konzern zum russischen Angriff geäußert:

"Wir sind bestürzt über die militärische Gewalt in der Ukraine, das Leid der Bevölkerung und sind sehr besorgt um den Frieden in Europa. Wir stehen als Unternehmen für eine friedliche globale Zusammenarbeit und lehnen jede Form vom militärischer Aggression kategorisch ab."

Weiter hieß es im Statement: "In Anbetracht der Ereignisse der letzten Tage haben wir uns entschlossen, mit sofortiger Wirkung unsere geschäftlichen Aktivitäten in Russland bis auf Weiteres einzustellen. Wir beobachten die Situation genau und werden unsere Entscheidung regelmäßig überprüfen. Selbstverständlich werden wir alle Maßnahmen der Bundesregierung und EU befolgen."

MAN liefert weder Lkw noch Ersatzteile

Auch MAN stoppte am 2. Februar 2022 bereits die Lieferung von Lkw und Ersatzteilen nach Russland und Belarus. 

"Aufgrund der Kriegshandlungen kommt es bei MAN zudem zu Versorgungsengpässen und infolge dessen zu Ausfällen in der Produktion", teilte der zum VW-Konzern gehörende Hersteller der Deutschen Presseagentur mit. Betroffen seien demnach die Werke in München und im polnischen Krakau.

VW-Konzern stoppt ebenfalls Geschäftsaktivitäten

Der Mutterkonzern VW zog heute laut Deutscher Presseagentur nach: Vor dem Hintergrund des russischen Angriffs habe der Vorstand entschieden, die Produktion in Russland einzustellen und auch keine Fahrzeuge mehr zu exportieren.

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