Umweltzonen: Bayern strebt Umrüstung von Euro-5-Diesel an

Staatsregierung plant dem Vernehmen nach eine verbindliche Vereinbarung mit der Autoindustrie, um Euro-5-Diesel per SCR-Kat nachzurüsten. Fachleute sind skeptisch.
Nicht nur sauber, sondern rein: Abgasreinigungsspezialist Twintec Baumot will mit dem BNox-Kat eine Nachrüstlösungen für Euro-5-Diesel im Angebot haben. | Foto: Twintec
Nicht nur sauber, sondern rein: Abgasreinigungsspezialist Twintec Baumot will mit dem BNox-Kat eine Nachrüstlösungen für Euro-5-Diesel im Angebot haben. | Foto: Twintec
Johannes Reichel

Die bayerische Staatsregierung will offenbar eine Vereinbarung mit der Automobilindustrie schließen, um Euro-5-Diesel-Fahrzeuge auf die Euro-6-Norm aufzurüsten. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung werde unter Führung der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) geprüft, welche Lösungen sich anböten und bis zu welchem Zeitpunkt diese verfügbar sein könnten. Auch die Aufteilung der Kosten soll thematisiert werden. Über die Wirksamkeit der Nachrüstung von Euro-5-Diesel-Fahrzeugen mit sogenannten SCR-Katalysatoren sind sich Fachleute uneinig.

Die Deutsche Umwelthilfe hält in seltener Eintracht mit VW-Chef Matthias Müller die Nachrüstung für ein probates Mittel, der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte sich bereits im März skeptisch geäußert. "Eine komplette Nachrüstung von Euro 5 auf Euro 6 wäre sehr komplex und würde umfangreiche und tiefe Eingriffe in die Motorsteuerung und Abgasanlage erfordern", ließ der Verband damals verlautbaren. Auch das Umweltbundesamt (UBA) sieht die Nachrüstung als technisch komplex, teuer und in der Wirksamkeit problematisch an. Vor allem im Stadtbetrieb kämen die Systeme nur schwer auf die nötige Temperatur von 200 Grad. Das Amt rechnet zudem mit Kosten von 2.500 bis 5.000 Euro und sieht wichtige Haftungsfragen als ungeklärt an. Der Hersteller Baumot-Twintec reklamiert, eine passende Lösung mit dem sogenannten BNox-Kat im Angebot zu haben, die auch bei niedrigeren Temperaturen funktionieren und den neuen Realverkehrszyklus RDE erfüllen soll.

Laut SZdiskutiert das bayerische Kabinett in Sachen Umweltzonen auch eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, einen Ausbau der Elektromobilität sowie "intelligente Verkehrslenksysteme". Derweil hat der baden-württembergische Ministerpräsident in einem Brief seinen bayerischen Amtskollegen und CSU-Chef Horst Seehofer aufgefordert, bei Bundesverkehrsminister und Parteikollegen Alexander Dobrindt (CSU) darauf hinzuwirken, die rechtlichen Voraussetzungen für die Nachrüstung zu schaffen. Das Verkehrsministerium blockiert darüber hinaus weiterhin die Einführung einer blauen Plakette, die den Kommunen die Umsetzung von Fahrverboten für Diesel-Fahrzeugen erleichtern würde. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte zuletzt Diesel-Fahrverbote aufgrund der hohen Stickoxid-Belastung für unausweichlich erklärt.

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