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V-Klasse wird sauberer - und bald elektrisch

Mit der Modellpflege führt Daimler den neuen Vierzylinder-Diesel mit Euro6d-Temp ein - und kündigt eine elektrische Variante an, die in Genf als Concept EQV stehen soll.

Nichtraucher: Aufwändige Abgasreinigung soll der V-Klasse/Vito-Reihe zu top Emissionswerten in sämtlichen Betriebszuständen verhelfen. | Foto: J. Reichel
Nichtraucher: Aufwändige Abgasreinigung soll der V-Klasse/Vito-Reihe zu top Emissionswerten in sämtlichen Betriebszuständen verhelfen. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Mehr kann auch weniger bedeuten: Zumindest soll das bei der überarbeiteten Version des Mercedes-Benz-Kompaktvans V-Klasse/Vito der Fall sein. Ein „Mehr“ gibt es an motorischen Varianten, nicht nur in Gestalt des neuen Top-Modells 300d. Dazu zählt auch eine für den Autosalon Genf angekündigte vollelektrisch angetriebene Version der V-Klasse, die Concept EQV heißen und erstmals den Typus der stromernden Großraumlimousine für Familie und Reise darstellen soll. Die wird dann quasi dem städtisch und gewerblich orientierten eVito zur Seite gestellt, der im März als "Tourer"-Kombi kommen soll. Dem "Mehr" steht ein doppeltes "Weniger" an Verbrauch, sprich CO2-Emissionen sowie an sonstigen Schadstoffen gegenüber. Zeit wurde es, denn Daimlers Diesel-Ruf war spätestens seit den offiziell angeordneten KBA-Rückrufen für den Vito (1,6 l Motor OM622) und V-Klasse (2,15 l Motor OM651) arg angekratzt. Und im Hintergrund kämpft vermutlich eine Armada von Anwälten gegen die noch immer nicht ausgeräumten Vorwürfe, auch bei den Fahrzeugen mit Stern der Norm Euro 6b sei eine illegale Abschalteinrichtung verbaut gewesen.

Thermofenster geschlossen: In allen Betriebszuständen sauber

Schnee von Gestern, zumindest nach dem Dafürhalten des Herstellers. Denn jetzt soll nach der E-Klasse und der C-Klasse auch die V-Klasse und das Nutzfahrzeugpendant Vito den „Jetzt-aber-wirklich“-Sauber-Diesel OM 654 unter die Haube verpflanzt bekommen. Dank motornaher Abgasreinigung mit Rußpartikelfilter, Oxikat, Nieder- und Hochdruck-Abgasrückführung und der schnell reagierenden SCR-Stufe 1 für Niedriglast- und Kaltstartsituationen sowie SCR-Kat Stufe 2 im Abgasstrang für Hochleistungsbetrieb etwa bei Hitze auf der Autobahn soll das Aggregat in sämtlichen Betriebszuständen die strengen neuen Prüfzyklen WLTP und RDE erfüllen.

Eine komplexe Chemiefabrik mit sorgsam aufeinander abgestimmten Komponenten werkelt da unter der tiefgezogenen Haube. Unterhalb derer sorgt eine im Design und Funktion überarbeitete Frontschürze und Grill für mehr Frischluftzufuhr. Etwaige Thermofenster gibt es nicht mehr, so zumindest die Ansage des Herstellers. Der im Hubraum um 0,2 Liter kleinere und 17 Prozent leichtere 1,95-Liter-Alu-Motor soll zudem deutlich leiser und vibrationsärmer zu Werke gehen, was in Anbetracht des eher raubeinig veranlagten Vorgängers kein Schaden wäre in einer ansonsten auf diskrete Noblesse getrimmten Großraumlimousine.

Mehr Dampf, weniger Durst

Aber der in der V-Klasse anders als bei den Nutzfahrzeugen ausschließlich hinterradgetriebene Van soll vor allem weniger verbrauchen als der Vorgänger: Mit 5,9 bis 6,5 l/100 km taxiert der Hersteller den Verbrauch des leer unverändert 2,2 Tonnen schweren Vans im NEFZ-Zyklus, beim Vorgänger betrug die Spanne 6,8 bis 7,5 l/100 km, 13 Prozent sparsamer soll das neue Modell sein, versprechen die Schwaben. Dass man in Anbetracht von ohnehin schon 440 Nm Drehmoment des 250 d-Modells meinte, mit dem 300 d noch eine 500-Nm-Wuchtbrumme mit 239 PS (und Overtorque von 30 Nm!) oben drauf setzen zu müssen, ist eigentlich nur für Leistungsfetischisten von Relevanz. Der 300 d ist der idelle Nachfolger des V6-Aggregats, das im Vor-Vorgänger zahlreiche Fans fand und mit der neuen Baureihe ausgemustert wurde aus abgastechnischen Gründen. Beim Topmodell in Serie einhergeht übrigens das mit dem neuen Motor eingeführte 9-G-Tronic-Getriebe, das die 7-G-Tronic ersetzt. Es baut kompakter, soll höheren Schaltkomfort und natürlich breitere Spreizung bieten und außerdem zu niedrigerem Verbrauch als im Vorgänger beitragen.  

Preis der Sauberkeit: Abgasreinigung wird immer komplexer

Wichtiger ist, dass es auch wieder einen 220er d und einen 200 d geben soll, für kalkulierende Familienväter oder Transporteure die sichere und bessere Wahl. Zumal die aufwändige Abgasreinigung ohnehin nicht kostenneutral über die Bühne gehen kann: 800 Euro Mehrkosten sollte man schon veranschlagen. Vermutlich wird es bei den Nutzfahrzeugvarianten namens Vito, die im Lauf des Jahres nachgereicht werden, weiter bei einer Basisversion mit Frontantrieb und Quermotor bleiben. Dann sollten aber die Kooperationspartner ihre Hausaufgaben gemacht haben in Sachen Abgasreinigung bei der 1,6-Liter-Renault-Diesel-Maschine (OM 622), die es mit 65 und 84 kW gibt.

Mehr Platz für einen größeren AdBlue-Tank fand sich allerdings nicht, das ganze Abgaspackage besetzt den Raum unter der Haube bis in den letzten Winkel, eine Aluspundwand schützt die Komponenten vor der Motorhitze und dämmt zugleich.

„Die Krux ist, dass wir am Anfang viel Wärme brauchen, um die Abgasreinigung schnell in Funktion zu bekommen und dann im Betrieb zu viel Hitze haben, die abgeführt werden muss“, beschreibt ein Motorenentwickler.

Und gibt unumwunden zu: Mit einem Elektromotor hat man all diese Scherereien nicht. Doch genau dazu wird das für Genf angekündigte Concept EQV ein starkes Statement machen, das eine vollelektrisch angetriebene Großraumlimousine darstellt. Daimler fährt also bei den Vans weiter strikt getrennt zweigleisig: Optimierter Diesel einerseits, Elektroantrieb andererseits. Wobei man auch den Fuel Cell Sprinter zu den E-Antrieben zählt. Einen Plug-In- oder sonstigen Hybrid sieht man bei den Vans allerdings weiterhin nicht.

Im Kern der Alte: MBUX und aktiver Spurassistent fehlen

Sei’s drum. Was der V-Klasse im Vergleich zum größeren Sprinter vorbehalten bleibt, ist eine komplett neue Elektronikstruktur. Weswegen man beispielsweise auf das neueste MBUX-Multimediasystem ebenso verzichten muss wie auf die Komfortfunktion des Keyless Entry: Altmodisch steckt man noch den Kunststoffstummel in den Magnetslot. Auch einen aktiven Spurassistenten sucht man weiterhin vergebens. Immerhin hat Daimler dem Notbremsassistenten jetzt auch eine Fußgängererkennung implementiert, zudem reagiert er auf stehende Hindernisse. Und es gibt einen Fernlichtassistenten Plus, der bei entgegenkommenden Fahrzeugen eine Teilausleuchtung der LED-Hauptscheinwerfer umsetzt, um die Blendung zu reduzieren und dennoch hohe Ausleuchtung aufrechtzuerhalten.

"Reimport" aus China: Luxussitz wie in der Business Class

Dafür legen die Daimler-Designer um Bertrand Janssen bei den schon bisher sorgsam gepflegten Interieur-Trims nach: Ein zweistreifiges Panel ergänzt die bisherigen Panel-Optiken Klavierlack, Ebenholz, Carbon sowie gebürstetes Aluminium. Für Luxus-Shuttles gedacht sind die für die V-Klasse im chinesischen Markt ersonnenen und jetzt quasi „reimportierten“ Luxussitze mit Massagefunktion und verstellbarer Beinauflage, mit denen die V-Klasse zur echten „Business Class“ mutiert. Neue Lüftungsdüsen im Turbinenlook (aus der A-Klasse), ein neues, klarer fokussiertes Ziffernblatt im Instrument oder das neue Lederpaket Nappa Tartufo sowie neu designte Alu-Felgen sowie vier neue Farbtöne (Hyazinthrotmetallic!) ergänzen die Pflegemaßnahmen für den zweiten Teil des Lebenszyklus.

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