VDA zum Abgasbericht: "Verständnis für Verärgerung über hohe Diskrepanzen"

Verband verweist aber auf Erfüllung aktueller Normen und begrüßt präzisere Regelung durch neuen Realzyklus. Wissmann: "Unternehmen werden Hausaufgaben erledigen". Empfehlung: Mehr Euro-6-Diesel und E-Mobilität.
Nur im Labor: Die vom KBA geprüften Diesel-Fahrzeuge erfüllen zwar die gesetzlichen Bedinungen des NEFZ-Zyklus, auf der Straße steigt der Schadstoffausstoß allerdings erheblich an. | Foto: TÜV Süd
Nur im Labor: Die vom KBA geprüften Diesel-Fahrzeuge erfüllen zwar die gesetzlichen Bedinungen des NEFZ-Zyklus, auf der Straße steigt der Schadstoffausstoß allerdings erheblich an. | Foto: TÜV Süd
Johannes Reichel

Der Verband der Automobilindustrie VDA hat nach der Veröffentlichung des KBA-Berichts zum VW-Abgasskandal Verständnis dafür geäußert, dass die hohen Diskrepanzen zwischen Labor- und Realwerten für Irritation und Verärgerung sorgen und Kunden sowie der Gesetzgeber verlässlichere Angaben erwarten würden. Grund für die Abweichungen seien die sogenannten Thermofenster, "die nur in einem bestimmten Umfang für den Motorschutz nötig und zulässig sind", erklärte der Verband.

Der Bericht, den das Bundesverkehrsministerium vergangenen Freitag publizierte, bescheinigte den Modelen fast aller deutschen und zahlreicher ausländischer Herstellern teils erhebliche Abweichungen im Stickoxidausstoß zwischen Labor- und Straßenbedingungen. Unter den 53 vom Kraftfahrtbundesamt in mehreren Fahrzyklen und Temperaturbereichen im Labor sowie auf der Straße getesteten Fahrzeugen befanden sich auch gängige leichte Nutzfahrzeuge wie der MB Sprinter, VW Crafter und Fiat Ducato sowie Pickups von VW und Nissan, sämtlich der Abgasnorm Euro 5 ohne SCR-Abgasreinigung. Wie fast alle der getesteten Pkw hatten sie teils auch bei NEFZ-Labormessung mit warmem Motor und insbesondere auf der Straße Abweichungen um ein Vielfaches beim Stickoxidausstoß aufgewiesen.

Die Ergebnisse hätten dennoch gezeigt, so VDA-Präsident Matthias Wissmann in einer Pressemitteilung, dass "alle anderen deutschen Hersteller die für die Typgenehmigung vorgegebenen Grenzwerte auf dem Prüfstand einhalten". Eine illegale Manipulation zur Verfälschung von Labortests habe es nur "im bekannten Fall" gegeben, so der Verbandschef weiter. „Die betroffenen Unternehmen werden alles tun, um die Hausaufgaben, die ihnen vom Kraftfahrt-Bundesamt aufgegeben werden, zu erledigen“, betonte der VDA-Präsident.

Darüber hinaus begrüße man die vom Bundesverkehrsministerium geplanten Änderungen im Vorfeld der Zulassung. Hier hat Verkehrsminister Alexander Dobrindt Kontrollen nach dem Dopingprinzip beim Sport angekündigt sowie einen regelmäßigen Wechsel der Prüforganisation. Außerdem forderte der Minister eine Offenlegung der Motorsoftware. Dazu sei die deutsche Industrie bereit, signalisierte VDA-Chef Wissmann, sofern eine "streng vertrauliche Behandlung dieser wettbewerbsrelevanten Daten sichergestellt ist".

Es sei gut, dass die deutsche und europäische Politik den gesetzlichen Rahmen präzisieren und die Leitplanken künftig klarer setzen wolle. Der ab 2017 in Kraft tretende RDE-Straßenzyklus stelle für die Unternehmen allerdings eine große Herausforderung dar. Aktuelle Euro-6-Diesel würden aber die strengsten Anforderungen erfüllen, unterstrich Wissmann. Er sprach sich daher für eine schnelle Einführung von Euro-6-Diesel-Fahrzeugen aus.

Erst mittel- und langfristig sieht der VDA-Präsident dann hohes Potenzial zur Emissionssenkung in der Elektromobilität. Deutschland müsse hier Leitmarkt werden. Darüber hinaus empfahl der VDA als Maßnahmen zur Luftverbesserung einen höheren Verkehrsfluss etwa durch "Grüne Welle" oder eine Reduzierung des Parksuchverkehrs. Zudem sollten städtische Busse und Taxis durch "modernste" Fahrzeuge ersetzt werden, so der Vorschlag des Verbandes.

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