Verkehrsinfarkt in der City? Der E-Commerce ist nicht das Problem

Eine aktuelle Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass der Boom bei den Onlinebestellungen nicht zu deutlich mehr Lieferverkehr führt.

Das Mengenwachstum im Onlinehandel mit privaten Endkunden habe in Kombination mit den deutlich stärker gewachsenen Paketlieferungen an gewerbliche Kunden nicht zu einer gravierenden Zunahme der Zustellfahrten durch Versanddienstleister im Vergleich zu allen anderen Verkehrsbewegungen in den Städten geführt. | Bild: m.mphoto - stock.adobe.com
Das Mengenwachstum im Onlinehandel mit privaten Endkunden habe in Kombination mit den deutlich stärker gewachsenen Paketlieferungen an gewerbliche Kunden nicht zu einer gravierenden Zunahme der Zustellfahrten durch Versanddienstleister im Vergleich zu allen anderen Verkehrsbewegungen in den Städten geführt. | Bild: m.mphoto - stock.adobe.com
Tobias Schweikl

Das auf die Kurier-, Express- und Paketlogistikbranche spezialisierte Beratungsunternehmen MRU GmbH hat im Auftrag des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) untersucht, wie sich der boomende Onlinehandel auf den Verkehr in der Stadt auswirkt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass trotz des erheblichen Umsatzwachstums im Onlinehandel die Zustellung von Paketen nicht wesentlich zum Verkehrskollaps in Deutschlands Großstädten beitrage.

So sei die Sendungsmenge prozentual deutlich geringer angestiegen als die Bestellumsätze. Das Mengenwachstum im Onlinehandel mit privaten Endkunden habe in Kombination mit den deutlich stärker gewachsenen Paketlieferungen an gewerbliche Kunden nicht zu einer gravierenden Zunahme der Zustellfahrten durch Versanddienstleister im Vergleich zu allen anderen Verkehrsbewegungen in den Städten geführt. Und nicht zuletzt würden immer mehr Bestellungen an Kunden außerhalb der Metropolen, ins Umland oder kleinere Orte geliefert.

„E-Commerce wächst als alternativer Einkaufskanal und Versorger insbesondere in der Fläche, auf dem Land und in Kleinstädten. Pro Kopf sind die Sendungsmengen in den Großstädten deutlich geringer – von einem ‚Problemfall E-Commerce‘ für die Verkehrssituation in Großstädten auf Grundlage gestiegener Paketlieferungen kann also überhaupt keine Rede sein“, so Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh.

München etwa stehe im Jahr 2019 mit 4,9 (2018: 4,5) Paketlieferverkehren pro Tag und Quadratkilometer an erster Stelle. Dahinter folgen Frankfurt und Düsseldorf mit 3,8 (2018: 3,3) bzw. 3,3 (2018: 2,9) werktäglichen Abfahrten je Quadratkilometer. Berlin und Hamburg haben mit 2,9 (2018: 2,2) und 2,2 (2018: 2,1) eine deutlich geringere Dichte von Paketlieferverkehren pro Tag und Quadratkilometer. Der stationäre Einzelhandel und die Gastronomie hingegen verursachten der Untersuchung zufolge in 2018 bereits 28 werktägliche Abfahrten je Quadratkilometer.

Zudem habe sich die Anzahl der im Hamburger Stadtgebiet fahrenden Carsharing-Fahrzeuge im Vergleichszeitraum 2017 und 2019 von 800 auf 1.500 fast verdoppelt. Die Zahl der in Hamburg registrierten Pkw stieg zwischen 2017 und 2019 um 25.000 auf etwas mehr als 795.000. Dazu erhöhte sich auch die Zahl der nach Hamburg hineinpendelnden Umland-Bewohner um fast 30.000. Die Anzahl der Lieferverkehre für sämtliche gewerblichen und privaten Zustellungen hätten sich in Hamburg von 2018 auf 2019 hingegen lediglich von 2,1 auf lediglich 2,2 Abfahrten pro Quadratkilometer gesteigert.

„Nach wie vor mangelt es an übergreifenden Lösungen und der Berücksichtigung von logistischen Anforderungen bei der Stadtplanung“, kritisiert Horst Manner-Romberg, Geschäftsführer der MRU GmbH. „Das reicht von fehlenden Liefer- und Ladezonen, über die Nicht-Ausweisung von Flächen unter anderem für Mikro-Hubs, bis hin zu nicht erfolgten regulatorischen Maßnahmen, wie der Einrichtung von Zeitfenstern für die Distribution. All das setzt aber ein aktives Commitment der jeweiligen Stadtverwaltungen voraus. Und dieses fehlt bei uns im Land leider oftmals.“

Printer Friendly, PDF & Email