Versandhandel: Printus modernisiert Logistikzentrum

Nach der Eingliederung eines neuen Geschäftsbereichs hat der Versandhändler Printus seine hauptsächlich auf den B2B-Sektor ausgerichteten Aktivitäten um das Endkundengeschäft erweitert.

Ein neuer Schuhsorter erreicht im Warenausgang die Spitzenleistung von 5.000 Sendungen pro Stunde. | Bild: Fortna | Pierau
Ein neuer Schuhsorter erreicht im Warenausgang die Spitzenleistung von 5.000 Sendungen pro Stunde. | Bild: Fortna | Pierau
Tobias Schweikl

Die Printus GmbH ist ein auf Bürobedarf, Werbeartikel und Unterhaltungselektronik spezialisierter Versandhändler. Jüngst hat das Offenburger Unternehmen seine Marktposition durch die Übernahme von „OTTO Office“, der Büroversandhandelssparte der OTTO Group, ausgebaut. Nun erweitert Printus seine Lager- und Versandkapazitäten stufenweise und im laufenden Betrieb.

„Nach der erfolgreichen Eingliederung eines neuen Geschäftsbereichs haben wir unsere hauptsächlich auf den B2B-Sektor ausgerichteten Aktivitäten um das Endkundengeschäft erweitert“, erklärt Dietmar Mahler, Bereichsleiter Logistik bei Printus. „Dadurch verändert sich die Sendungsstruktur, denn Privatkunden tätigen in der Regel kleinteiligere Bestellungen in geringeren Mengen. Weil wir darüber hinaus in diesem Bereich starkes Wachstum verzeichnen, bestand Handlungsbedarf. Wir mussten unsere Kapazitäten erhöhen, um auch bei steigenden Liefermengen leistungsfähig zu bleiben und unser 24-Stunden-Lieferversprechen einhalten zu können.“

Unterstützt wird der Versandhändler bei dem Projekt durch die Hamburger Logistikexperten von „Fortna | Pierau“. Die Projektleiter Andreas Spitzki und Jan-Hendrik Plumhoff entwickelten ein Stufenkonzept, das mit Rücksicht auf den laufenden Betrieb sukzessive umgesetzt wurde.

Die erste Realisierungsstufe betrifft den Kartonstart: Maschinell aufgerichtete Leerkartons werden auf ihrem Weg zur Kommissionierung zu einer neuen Etikettendruckstation befördert. Gegenüber dem bisherigen Inkjet-System gewährleistet diese eine konstante Druckqualität. Das erhöht die Lesequote der Scanner wesentlich. Eine weitere Ausbaustufe zur Kapazitätserhöhung umfasst die Erweiterung des bestehenden AKL um ein zusätzliches Shuttlelager mit zwei Gassen.

„Das Shuttlesystem ist auf eine maximale Kapazität von 35.000 Behältern und eine Leistung von 400 Doppelspielen pro Stunde je Gasse ausgerichtet“, so Andreas Spitzki. „In der AKL-Vorzone entzerrt ein Loop die Ein- und Auslagerungsprozesse und reduziert Wartezeiten.“

Eine zusätzliche Behälterbefüllstation ergänzt außerdem die Bestandslogistik und sorgt künftig dafür, dass Artikel aus angelieferten Kartons mit den AKL-Behältern verheiratet werden; sie werden umgefüllt und fahren anschließend zur Einlagerung ins AKL oder Shuttlelager. An jedem Arbeitsplatz sorgt flexible Höhenverstellbarkeit dafür, dass die Mitarbeiter die Behälter in der ergonomisch optimalen Höhe zur weiteren Bearbeitung erhalten.

Im Bereich der Kommissionierung hat sich die bereits 2005 mit Fortna | Pierau entwickelte und integrierte Technik bewährt:

„Die artikelreinen zur Kommissionierung benötigten Behälter werden aus dem AKL ausgelagert und in die Picktower transportiert“, so Jan-Hendrik Plumhoff. „Mit Lastaufnahmemitteln ausgestattete Hubbalken holen die Behälter aus der jeweiligen Höhe. Die Mitarbeiter entnehmen mithilfe von Pick-by-Light-Technik die Bedarfsartikel zur weiteren Befüllung der teilkommissionierten Kartons.“

Während in einigen Bereichen der Fördertechnik bestehende Komponenten gezielt modernisiert wurden, ist im Erdgeschoss der Verpackungsbereich grundlegend erneuert worden. Ein neuer Schuhsorter erreicht im Warenausgang die Spitzenleistung von 5.000 Sendungen pro Stunde. Darüber hinaus kommt mit neuen Kartondecklern mit automatischer Volumenreduzierung Technik der neuesten Generation zum Einsatz: Der höchste Artikel im Karton wird ausgemessen, danach werden die Ecken entsprechend eingeschnitten, die Laschen gefaltet und automatisch gedeckelt. Anschließend werden die Sendungen mithilfe neu eingeführter Versandetikettierer gekennzeichnet, und die versandfertigen Sendungen gehen auf die Endstellen zur Routenverteilung.

„Mit der Umsetzung der nächsten Stufe des Maßnahmenpakets erzielen wir eine Verdoppelung unserer Lagerkapazitäten im automatischen Paletten-Hochregallager. Die vorhandenen fünf Gassen werden um weitere sechs Gassen erweitert – wir können so auf über 20.000 Palettenplätze aufstocken“, sagt Dietmar Mahler. „In diesem Zuge wurde auch ein Erweiterungsbau für eine zusätzliche Kanalballenpresse zur Altpapierentsorgung errichtet. Außerdem befinden sich dort neuerdings die Staplerladestationen.“

Ihr Umzug war nötig, um Platz für die Palettenfördertechnik des neu errichteten HRLs zu schaffen.

„Zusammenfassend ist die Komplexität des aktuellen Projekts hervorzuheben – die größte Aufgabe, die wir rückblickend sehr erfolgreich erfüllt haben, bestand darin, die Retrofit-Maßnahmen im laufenden Betrieb umzusetzen“, erklärt Dietmar Mahler. „Insgesamt erreichen wir durch die mit Fortna | Pierau gemeinsam erarbeiteten und umgesetzten Maßnahmen einen Durchsatz von über 3.000 Sendungen pro Stunde und erzielen damit die maximal mögliche Effizienz im Bestandsgebäude.“

Die Intralogistikberater der Pierau Unternehmensberatung GmbH wurden Anfang 2020 von der US-amerikanischen Unternehmensberatung Fortna Inc. übernommen.

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