Volkswagen: 1,8 Millionen Nutzfahrzeuge betroffen

Neben dem 2,0-Liter-Aggregat ist auch der 1,6-Liter-TDI aus dem VW Caddy betroffen. Laut VW war Software aber nur in Teil der Fahrzeuge "aktiv". Euro 6 laut VW nicht betroffen.
Auch im VW Caddy Euro 5 mit 1,6-Liter-TDI-Motor könnte die manipulierte Software eingebaut sein. Ob sie auch "aktiv", ist noch völlig unklar. | Foto: VW Nutzfahrzeuge
Auch im VW Caddy Euro 5 mit 1,6-Liter-TDI-Motor könnte die manipulierte Software eingebaut sein. Ob sie auch "aktiv", ist noch völlig unklar. | Foto: VW Nutzfahrzeuge
Johannes Reichel

Im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen sind neben den Marken VW, Audi, Seat und Skoda auch 1,8 Millionen Modelle der Marke VW Nutzfahrzeuge betroffen und mit der Software zur Manipulation des Stickoxidausstoßes ausgerüstet. Die Diesel-Motorenbaureihe EA189 war in Versionen von 1,6 und 2,0 Liter Hubraum und in der Abgasnorm Euro 5 in den Nutzfahrzeugen der Marke verbaut. Damit sind neben dem Bestseller VW Transporter T5 auch der Caddy betroffen, möglicherweise auch der VW Crafter, bei dem der 2,0-Liter-TDI seit 2011 zum Einsatz kommt. Seit 2014 gab es den Crafter als erstes VW Nutzfahrzeug auch in Euro-6-Einstufung mit SCR-Katalysator.

Laut neuem VW-Vorstand Matthias Müller sei die Manipulationssoftware aber nur in einem Teil der Fahrzeuge aktiviert gewesen, man rechne also mit einer geringeren Zahl tatsächlich betroffener Fahrzeuge. Gemäß ihrem "Aktionsplan zur Nachbesserung des Abgasverhaltens von Dieselfahrzeugen" will die Volkswagen AG die betroffenen Kunden in einem ersten Schritt informieren, "dass das Abgasverhalten ihres Fahrzeugs in Kürze nachgebessert werden kann", so eine Pressemitteilung des Konzerns. Alle Fahrzeuge seien technisch sicher und fahrbereit, heißt es. Der Aktionsplan sehe vor, dass Volkswagen und die weiteren betroffenen Marken des Konzerns im Oktober den zuständigen Behörden die technischen Lösungen und Maßnahmen vorstellen. Die Kunden dieser Fahrzeuge würden in den nächsten Wochen und Monaten darüber informiert.

Wie diese Lösung technisch aussehen könnte und ob sie andere technische Merkmale der Fahrzeuge wie Verbrauch oder Leistung beeinflusst, teilte der Hersteller noch nicht mit. Um die Abgasnorm Euro 5 im Hinblick auf Stickoxide zu erfüllen, dürfen Fahrzeuge bis zu 180 Milligramm NOx pro Kilometer ausstoßen, in den USA lag der Grenzwert mit 31 Milligramm pro Kilometer schon zu einem frühen Zeitpunkt deutlich niedriger. In Europa nutzten zur Erfüllung der Euro-5-Norm alle Nutzfahrzeughersteller eine Kombination aus Abgasrückführung und Rußpartikelfilter, aber noch keinen SCR-Kat. Mit Euro 6 sinkt dieser Wert auf 80 Milligramm pro Kilometer, was ohne Einsatz eines SCR-Kats oder NOx-Speicherkats zu vertretbaren Verbräuchen und Leistungsmerkmalen als nicht erreichbar gilt. VW setzt in den neuesten Modellen von Caddy und Transporter ausschließlich auf SCR-Systeme, gekoppelt an einen Adblue-Tank mit Reduktionsmittel Harnstoff. Die vor kurzem eingeführten Modelle mit neuentwickeltem 2,0-Liter-TDI-Motor EA 288 seien demnach von der Manipulation nicht betroffen, teilte der Hersteller mit.

Ob generell die Fahrzeuge der Euro-6-Norm die Abgaswerte nicht nur im Labor, sondern auch im Realbetrieb erfüllen, daran regt sich in letzter Zeit starker Zweifel. Während die Abweichung beim Verbrauch, also den CO2-Werten schon lange bekannt ist und von Hersteller zu Hersteller allenfalls in der Höhe - im Mittel bis zu 25 Prozent - variiert, zeigten jüngste Tests des "International Council on Clean Transportation“ (ICCT), die den Stein ins Rollen brachte, jetzt für Stickoxide ein noch schlechteres Bild. Gemeinsam mit dem ADAC Technik Zentrum testete das Institut 32 Pkw-Fahrzeugtypen aus Europa: Die große Mehrheit der gemessenen Fahrzeuge emittierte danach mehr Stickoxid aus als erlaubt. Ein Opel überschritt den Grenzwert um das mehr als Dreifache, ein Audi um das Fünffache und ein Volvo gar um das 14-fache. "Sobald wir die offiziellen Prüfverfahren verlassen, steigen plötzlich die Stickoxidemissionen, im ungünstigsten Fall sogar um den Faktor acht bis 20 an“, stellte Reinhard Kolke, Leiter des ADAC Technik Zentrums, gegenüber dem ZDF-Politmagazin Frontal21 fest.

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