VW investiert in Elektrifizierung - E-SUV werden in Hannover gebaut

Der Eigenanteil bei der Software soll von zehn auf 60 Prozent steigen. Zudem werden die Elektrifizierungspläne forciert, 19 Millionen Einheiten auf MEB-Plattform, sieben Millionen auf der PPE bis 2030. VW Nutzfahrzeuge soll neben dem Multivan und ID.Buzz drei E-SUV bauen.

Auf dem Weg zum Mehrmarken-Werk: In Hannover soll künftig nicht nur der ID.Buzz sowie der Multivan, sondern auch elektrische Premium-SUV gefertigt werden. | Foto: VWN
Auf dem Weg zum Mehrmarken-Werk: In Hannover soll künftig nicht nur der ID.Buzz sowie der Multivan, sondern auch elektrische Premium-SUV gefertigt werden. | Foto: VWN
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Der Volkswagen Konzern hat eine weiter Aufstockung respektive Verschiebung der Investitionen zugunsten von Digitalisierung und Elektrifzierung angekündigt. Um die "Transformation zum digitalen Mobilitätskonzern" weiter voranzutreib beschloss der Konzern in seiner jüngsten Planungsrunde, in den nächsten fünf Jahren rund 73 Milliarden Euro in E-Mobilität, Hybridisierung und Digitalisierung zu investieren, eine Erhöhung auf von 40 auf 50 Prozent der Gesamtsumme von 150 Milliarden Euro, die für Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung in Zukunftstechnologien zur Verfügung stehen sollen. Stärker fokussiert wird das Schlüsselthema Digitalisierung, in das bis Mitte des Jahrzehnts rund 27 Milliarden Euro und damit etwa doppelt so viel wie noch im vorherigen Planungszeitraum fließen sollen. In die E-Mobilität werden rund 35 Milliarden Euro investiert. Für die Hybridisierung des Modellportfolios sind weitere rund 11 Milliarden Euro eingeplant.

„Wir haben bereits frühzeitig die Weichen für eine batterie-elektrische Zukunft im Volkswagen Konzern gestellt und sind heute mit unseren E-Antriebsplattformen und unseren E-Modellen weltweit führend,“ so der Vorstandsvorsitzende Herbert Diess.

In den nächsten Jahren werde es darauf ankommen, auch bei der Software im Fahrzeug eine Spitzenposition einzunehmen, glaubt Diess. Nach seinem Dafürhalten könne man nur als "digitaler Mobilitätskonzern" den Bedürfnissen der Menschen nach "individueller, nachhaltiger und vollvernetzter Mobilität" gerecht werden, so Diess weiter.

„Die Investitionen zeigen eindrucksvoll, dass unser Konzern liefert und es wirklich ernst meint mit Transformation, E-Mobilität und Digitalisierung. Wir spielen die nächsten Jahre voll auf Angriff", gab sich für Konzernbetriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh offensiv.

E-Mobilität und Hybridisierung weiter forciert 

Volkswagen habe sich als erster Automobilkonzern dem Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet und will bis 2050 klimaneutral sein. Die Langfristplanung bis 2030 sieht rund 70 reine E-Modelle vor, etwa 20 davon seien bereits angelaufen. Zudem will man Ende des Jahrzehnts insgesamt rund 60 Hybridfahrzeuge gebracht haben, von denen etwas mehr als die Hälfte bereits produziert wird.

Die Zahl der bis 2030 projektierten reinen Elektrofahrzeuge bei rund 26 Millionen Einheiten. Rund 19 Millionen Fahrzeuge davon basieren auf dem Modularen E-Antriebsbaukasten (MEB), ein Großteil der weiteren sieben Millionen Fahrzeuge auf der High-Performance-Plattform PPE. Bei den Hybridfahrzeugen rechnen die Wolfsburger im selben Zeitraum mit rund sieben Millionen Einheiten.

Eigenanteil bei Software soll von 10 auf 60 Prozent steigen

IN den rund 27 Milliarden Euro für die Digitalisierung enthalten sind Ausgaben für die in diesem Jahr dem Vernehmen nach erfolgreich gestartete Car.Software-Organisation. Diese soll unter anderem ein standardisiertes Betriebssystem für die Fahrzeuge der Konzernmarken entwickeln. Zuerst ist dessen Einsatz im Audi-Projekt Artemis in 2024 geplant. Der Eigenanteil bei der Software soll generell von 10 auf 60 Prozent steigen. Darüber hinaus fließe im Bereich Digitalisierung ein großer Teil der Mittel in die "erfolgskritischen" Themen Künstliche Intelligenz, Autonomes Fahren sowie die Digitalisierung wesentlicher Unternehmensprozesse, wie es weiter heißt.

Standort-Fragen: Batteriezellen in Salzgitter, Elektro-SUV in Hannover

Am Standort Salzgitter investiert der Konzern rund eine Milliarde Euro in die strategisch bedeutende Batterietechnologie. Gemeinsam mit dem schwedischen Joint-Venture Partner Northvolt entsteht dort eine Zellfertigung, die ab 2024 starten und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland erhöhen wird. Der Standort Wolfsburg wird ein zusätzliches Modell erhalten: Ein weiterer SUV für den europäischen Markt soll dort ab 2024 vom Band laufen. Volkswagen Nutzfahrzeuge soll am Standort Hannover künftig neben dem vollelektrischen ID. BUZZ und den hochwertigeren Modellen der T-Reihe wie auch des nächsten Multivan vor allem auch drei vollelektrische D-SUV-Modelle für andere Konzernmarken bauen. Der Standort wird damit zum Mehrmarkenwerk.

„Diese D-SUVs sind echte Leuchtturmprojekte: Premium, vollelektrisch und hoch automatisiert. Die heutige Entscheidung des Aufsichtsrats von Volkswagen ist damit ein wichtiger Meilenstein für unseren Hochtechnologiestandort und ein großer Vertrauensbeweis in die Leistung unserer Mannschaft", kommentierte Carsten Intra, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen Nutzfahrzeuge.

Für die künftige Fertigung dieser Fahrzeuge baut VWN in Hannover eine neue Produktionslinie auf. Der Standort beschleunige damit seine Transformation hin zur Elektromobilität, bekräftigt der Hersteller. Bereits im Jahr 2022 rollt der vollelektrische ID. BUZZ in Hannover vom Band. Im Werk Emden wurde darüber hinaus jetzt das zweite E-Modell für den Standort festgelegt. Neben dem ID.4 soll dort ab 2023 nun auch der viertürige vollelektrische Volkswagen Aero vom Band laufen. Zeitgleich werde der derzeit in Emden gefertigte Passat ab 2023 im slowakischen Bratislava produziert, - zusammen mit der Škoda-Superb-Familie.

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