VW-Lkw-Chef Renschler: "Wir brauchen keine Notverkäufe!"

Nutzfahrzeug-Vorstand dementiert Verkaufsgerüchte und will Kooperation zwischen den Tochtermarken MAN, Scania und VW Nutzfahrzeuge vorantreiben.

Gemeinsam unter einem Dach: Andreas Renschler, Vorstand der neuen VW-Nutzfahrzeugholding, soll die Zusammenarbeit vor allem von MAN und Scania vorantreiben. / Foto: Volkswagen
Gemeinsam unter einem Dach: Andreas Renschler, Vorstand der neuen VW-Nutzfahrzeugholding, soll die Zusammenarbeit vor allem von MAN und Scania vorantreiben. / Foto: Volkswagen
Johannes Reichel

VW-Nutzfahrzeugholding-Vorstand Andreas Renschler hat sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung klar zur weiteren Zusammenführung des Nutzfahrzeuggeschäfts im VW-Konzern bekannt. Etwaigen Gerüchten über einen Verkauf bei den Lkw-Marken MAN und Scania, der in Anbetracht des VW-Abgasskandals ins Spiel gebracht wurde, erteilte er eine Absage. "Wir brauchen keine Notverkäufe", erklärte der von Daimler zu VW gewechselte Nutzfahrzeugvorstand, der als Chef der neugebildeten Nutzfahrzeugholding mit Sitz in Braunschweig neben MAN und Scania auch für VW Nutzfahrzeuge zuständig ist. Man müsse zwar grundsätzlich immer alle Optionen offen halten, aber "das ist für uns normales Business", ergänzte der Manager. Ein Verkauf sei im Moment überhaupt kein Thema.

 

Zudem bekannte sich der Lkw-Spartenchef bei VW zu den Restrukturierungsmaßnahmen bei MAN. Der Abbau von 1800 Arbeitsplätzen, 1400 davon in der Verwaltung, sei notwendig. Es sei jahrelang Personal aufgebaut worden, ohne zu prüfen, ob das überhaupt sinnvoll sei, erläuterte Renschler der SZ. Es gehe darum, "MAN wieder fit zu machen". Die Schwestermarke Scania habe diese Restrukturierung schon viel früher durchgemacht und stehe daher im Moment besser da. Hinter MAN lägen dagegen schwere Jahre. In drei Jahren seien elf Vorstände ausgewechselt worden, so bekomme man keine Stabilität in ein Unternehmen. Auch die Struktur als Mischkonzern und die juristischen Probleme seien nicht dienlich gewesen.

 

Er sei überzeugt, auch zwei kulturell unterschiedliche Unternehmen wie MAN und Scania zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit bringen zu können. Das sei notwendig, wenn man an die Spitze der Branche kommen wolle. Es brauche dafür keine identischen Lkw, aber gemeinsame Komponenten-Plattformen, sprich Achsen, Getriebe und Motor. Zudem sehe er beim Thema Digitalisierung großes gemeinschaftliches Potenzial, auch mit den anderen Marken des Konzerns, schilderte Renschler. Hier seien bereits 160.000 Scania-Lkw vernetzt, Daten zu Verbrauch, Strecke und Zustand des Lkw würden erfasst. Daraus wolle man Geschäftsmodelle entwickeln, mit denen der Kunde Geld verdienen könne.

 

Beim direkten Kontakt mit dem Kunden dagegen müsse jede Marke für sich arbeiten. Renschler sprach sich klar gegen gemeinsamen Verkauf oder Service der beiden Lkw-Marken aus. MAN habe seine Wurzeln in Trucks für Baustellen und Spezialanwendungen, Scania sei auf der Fernstrecke stark.

 

Mit allgemeinem Bezug auf die Transportbranche sagte Renschler, es gebe zu wenig Respekt vor Lkw-Fahrern. Man rege sich als Autofahrer oft auf, erwarte aber dennoch, dass am nächsten Morgen die Waren im Regal stehen.

 

Dass die Marken Scania und MAN weiter auch eigene Akzente setzen, zeigte die Einführung eines neuen ZF-Getriebes für die Topversion des MAN TGX mit MAN-eigenem D38-Motor (15,2 Liter Hubraum) sowie die Entscheidung von MAN, den nächsten VW Crafter als MAN TGE auch über das MAN-Vertriebsnetz zu vermarkten. Scania hat dagegen vor kurzem einen mittelschwerenHybrid-Lkw(18-26 Tonnen) vorgestellt, ein Thema, das man bei MAN schon vor einiger Zeit in Form des TGL Hybrid sondiert, aber als finanziell nicht tragfähig wieder verworfen hatte.

 

 

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