VW/Ford: Ausstieg bei Argo AI - Umstieg bei autonomen Vans

Die Partner beenden das 2019 in Kooperation begonnene Projekt zum autonomen Fahren. Dadurch müsste der US-Softwarespezialist den Betrieb einstellen. VW will mit einem anderen Partner seine Moia-Shuttles bis 2025 weiterentwickeln. Ford legt Level 4 auf Eis und peilt Level 3 an.

Lasst alle Hoffnung fahren: Abrupt zieht der neue VW-Chef Blume offenbar die Reißleine beim Argo AI-Projekt, das sich im Münchner Straßenbild immer weiter konkretisierte. Ford steigt komplett aus und schreibt die Verluste ab. | Foto: J. Reichel
Lasst alle Hoffnung fahren: Abrupt zieht der neue VW-Chef Blume offenbar die Reißleine beim Argo AI-Projekt, das sich im Münchner Straßenbild immer weiter konkretisierte. Ford steigt komplett aus und schreibt die Verluste ab. | Foto: J. Reichel
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Das im Jahr 2019 mit großen Ambitionen begonnene Gemeinschaftsunternehmen von Volkswagen und Ford und dem US-Softwarespezialisten Argo AI zum autonomen Fahren steht vor dem Aus. Wie zuerst das Manger Magazin berichtete, wollen sich die Autohersteller mit ihren je 40-prozentigen Anteilen aus dem milliardenschweren Projekt zurückziehen, Ford sogar mit sofortiger Wirkung. Dafür schreibt der US-Autohersteller 2,7 Milliarden Euro ab. Er will zunächst auch gar nicht weiter in das vollautonome Fahren Level 4 investieren, sondern sich auf die teilautomatischen Level 2+ und 3 konzentrieren. Die Dinge hätten sich anders entwickelt, hieß es laut Medien vom US-Hersteller, der sogar schon 2017 bei Argo AI eingestiegen war und bis 2021 marktreif hätte sein wollen.

VW hatte einst 2,6 Milliarden Euro in das Projekt investiert und will nun nicht weiter investieren. In Kooperation sollten sogenannte Robo-Taxis entwickelt werden, die in Deutschland auch bereits im Straßenbetrieb erprobt werden. Die Firma mit ihren 2.000 Mitarbeitern würde damit vor der Auflösung stehen und könnte den Geschäftsbetrieb nicht fortsetzen, wie das Management den Mitarbeitern offenbar am Mittwoch mitteilte. Eigentlich sollte das Unternehmen zu den führenden Playern zur Entwicklung des autonomen Fahrens wie Tesla, General Motors Cruise und Google Waymo aufschließen. Erst Ende September hatte Argo AI angekündigt, seine Technik beim Fahrdienstleister Lyft in Austin/Texas einzusetzen. Auch in der bayerischen Landeshauptsstadt München sah man häufiger Prototypen auf Basis des VW ID. Buzz im Straßenbild.

Der neue Konzernchef zieht die Reißleine

Offensichtlich hat der neuen VW-Konzernchef Oliver Blume die unter seinem Vorgänger Herbert Diess beschlossenen Pläne mit Argo AI nun kassiert. Jetzt soll mit einem "starken Partner" eine hauseigene Entwicklung bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover, wo auch das gemeinsame Unternehmen angesiedelt war, vorangetrieben werden, wie es laut Manager Magazin aus dem Konzern hieß. Dennoch sollen die Pläne mit ab 2025 autonom fahrenden Shuttles der VW-Tochter Moia weiterverfolgt werden. Jüngst hatte VW eine Kooperation mit dem chinesischen Spezialisten Horizon Robotics bekanntgegeben, mit dessen Hilfe man offenbar auch die Probleme der Software-Tochter Cariad in den Griff bekommen will. 

 

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