Zenjob-Statistik: Lager- und Kurierjobs schwer gefragt

Boom in der Lieferlogistik, Flaute in der Gastro: Lagerarbeiter, Kurier sind neben Impfhelfern aktuell die beliebtesten Nebenjobs, mit ordentlicher Bezahlung. Vor allem Liefer-Start-ups brauchen Personal.

Lagermitarbeiter und Kuriere sind die gefragtesten Nebenjobs - durch die Pandemie und den Lieferboom verschob sich das Pendel weiter, weg von der Gastronomie. | Foto: Hermes
Lagermitarbeiter und Kuriere sind die gefragtesten Nebenjobs - durch die Pandemie und den Lieferboom verschob sich das Pendel weiter, weg von der Gastronomie. | Foto: Hermes
Johannes Reichel

Der Personalservicedienstleister Zenjob hat den Wandel der Arbeitswelt und speziell die Auswirkungen auf Nebenjobs in den letzten zwei Jahren untersucht und jetzt in seinem Jobspiegel mit Zahlen untermauert. Der Trend gehe klar zu möglichst flexiblen Arbeitsmodellen, die Arbeitswelt sei in einem grundlegenden Wandel begriffen, konstatieren die Jobexperten. Dafür hat das Unternehmen über 450.000 Schichten im vergangenen Jahr ausgewertet. Auffällig war dabei, dass in der Coronakrise die Nachfrage für Jobs als Lagerhelfer konstant blieb und damit weiterhin die Liste der am häufigsten getätigten Nebenjobs anführt. So arbeiteten im letzten Jahr 42 Prozent der Nebenjobbenden im Lager oder als Kommissionierer, dicht gefolgt von Einsätzen als Fahrer mit 33 Prozent.

Planungsunsicherheit im Gastro-Sektor

Besonders beliebt seien auch die vergleichsweise neuen Aufgabenbereiche für Studierende und Nebenjobbende, die sich im Bereich der Impfhilfe ergaben: 22 Prozent der bei Zenjob vermittelnden Studierenden arbeiteten als Impfhelfer vor Ort und für die Hotlines. An Beliebtheit eingebüßt haben hingegen Nebenjobs in der Gastronomie und an der Kasse: War Letzterer 2020 mit 26 Prozent noch der beliebteste Nebenjob, sank er 2021 auf gerade einmal zehn Prozent. Jobs als Kellner*innen verloren nicht zuletzt durch die Pandemie und die damit verbundene Planungsunsicherheit an Attraktivität, was sich auch nach der Rückkehr der Gastronomie nicht signifikant änderte – viele Studierende blieben in der Gesundheitsbranche oder im Liefersektor.

Rückkehr nach der Pandemie prognostiziert

Während vor der Pandemie noch etwa 33 Prozent der Studierenden in der Gastronomie und Hotellerie gearbeitet haben, waren es 2020 nur noch etwa acht Prozent und auch mit der Rückkehr der Branche nach den Lockdowns stieg der Anteil nicht wieder. Auch bei den Jobs an der Kasse ist der Anteil im Vergleich zu den letzten beiden Jahren um etwa 10 Prozent gesunken. Zenjob geht jedoch davon aus, dass nach der Pandemie die Branchen Gastronomie, Hotellerie sowie auch Event und Entertainment wieder eine Zunahme an Nebenjobbenden verzeichnen werden.

Start-up-Faktor: Große Bewegung in Richtung Liefersektor

Durch die Pandemie gab es in den diversen Branchen viel Bewegung. Beispielsweise wechselten 24 Prozent derjenigen, die 2020 noch gekellnert haben, in den Liefersektor und 23 Prozent wurden Kommissionierer*innen. 40 Prozent der Studierenden und Nebenjobbenden, die zuvor gerne auf Messen gearbeitet haben, gingen einer Beschäftigung in Impfzentren nach. Und während der größte Zuwachs an Jobs zu Beginn der Pandemie noch im Supermarkt an der Kasse zu verzeichnen gewesen sei, betraf das 2021 neben den neu entstandenen Impfzentren den Liefersektor, in dem viele neue Start-Ups schnell und effizient flexibles Personal benötigten, konstatieren die Jobspezialisten.

Impfhelfer und Bürokräfte: Spitzenverdiener - Kuriere auf Platz 3

Impfhelfer-Jobs zählen aktuell nicht nur zu den beliebtesten, sondern auch zu den bestbezahlten: Mit durchschnittlich 14,70 Euro pro Stunde stehen sie an der Spitze – und haben im Vergleich zu 2020 noch einmal satte 16 Prozent mit dem Gehalt zugelegt. Gleich danach folgen Bürojobs mit im Schnitt 13,28 Euro Stundenlohn. An dritter Stelle stehen Kuriere, die mit durchschnittlich 13,20 Euro pro Stunde entlohnt werden Durch den Mangel an Kellner*innen kommen Jobs in der Gastronomie zum Zeitpunkt der Auswertung (30.12.21) schon an vierter Stelle mit 12,90 Euro Stundenlohn. Als Impfhelfer*innen müssen Studierende und Nebenjobbende im Schnitt also nur 30,6 Stunden im Monat arbeiten, um auf 450 Euro zu kommen, bilanzieren die Analysten. Im Büro führen im Schnitt 33,9 Stunden Arbeit zu diesem Verdienst.

Lagerhelfer müssen länger ackern

Ein großer Unterschied zu Kassierer*innen, Lagerhelfer*innen und Warenverräumer*innen: Diese müssen 37,5 Stunden - im Vergleich zu Impfhelfer*innen also fast einen kompletten Tag mehr - ackern, um auf dasselbe Gehalt zu kommen. Wer schnell Geld verdienen wolle, sei dagegen mit kleineren Städten besser beraten. So liege der Stundenlohn in Aschaffenburg, Potsdam, Wiesbaden, Halle, Erfurt und Bochum im Schnitt 24 Cent pro Stunde höher als in größeren Städten wie Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Köln. Bei Hostess/Promoter-Jobs und Kellner*innenjobs werden in kleineren Städten sogar knapp 65 Cent pro Stunde mehr bezahlt. Spitzenreiter bei der Auswertung der Gehälter in 36 deutschen Städten sind Nürnberg, Potsdam und Aschaffenburg. Hier können Nebenjobbende pro Stunde durchschnittliche 13 Euro abkassieren. Generell sind die Stundenlöhne im Süden Deutschlands höher als im Norden.

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