ZF und Wolfspeed errichten Megafabrik für SiC-Halbleiter im Saarland

Für effizientere E-Autos: Halbleiterspezialist und der Autozulieferer etablieren F&E-Entwicklungszentrum in Deutschland und sehen sich als Innovationsführer bei Siliziumkarbid-Systemen. Beteiligung an Wolfspeed für Bau der weltweit modernsten und größten Siliziumkarbid-Fertigung.

Raus aus der Kohle, rein in die Elektrifizierung: Von der geplanten Halbleiter-Fabrik in Ensdorf geht ein symbolisches Signal für die Transformation aus. | Foto: ZF
Raus aus der Kohle, rein in die Elektrifizierung: Von der geplanten Halbleiter-Fabrik in Ensdorf geht ein symbolisches Signal für die Transformation aus. | Foto: ZF
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Der nach eigenen Angaben weltweit führende Anbieter von Siliziumkarbid-Technologie Wolfspeed und der Friedrichshafener Autozulieferer und Technologiekonzern ZF haben eine strategische Partnerschaft geschlossen, um in einem gemeinsamen Innovationslabor Fortschritte bei Siliziumkarbid-Systemen und -Bauteilen für Mobilitäts-, Industrie- und Energieanwendungen voranzutreiben. Die Partnerschaft umfasse auch eine bedeutende Investition von ZF, um den geplanten Bau der weltweit modernsten und größten 200-mm-Fabrik für Siliziumkarbid-Bauteile in Ensdorf, Deutschland, zu unterstützen, heißt es weiter. Sowohl das gemeinsame Innovationslabor als auch die Wolfspeed-Fertigung sind als Teil des IPCEI-Rahmens (Important Project of Common European Interest) für Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien geplant und müssen von der Europäischen Kommission als staatliche Beihilfe genehmigt werden.

„Die deutsch-amerikanische Unternehmenskooperation für hochmoderne Chips ‚made in Saarland‘ ist ein klares Bekenntnis für den Standort Deutschland, für Europa und ein großer Erfolg für das Saarland. Es ist ein Signal für den Aufbau einer grünen Wirtschaft und belegt unsere Innovationskraft und Wettbewersbfähigkeit. Das Investitionsvorhaben ist eines der größten in der Geschichte des Saarlands und schafft neue Arbeitsplätze in der Region. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung und die Produktion von modernen Chips haben aber Strahlkraft weit über das Saarland hinaus. Und auch für den Klimaschutz ist die Ansiedlung sehr wichtig. Wir brauchen hochmoderne Chips und innvoative Leistungselektronik für die Nutzung erneuerbarer Energien oder für die E-Mobilität", erklärte Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne).

In wenigen Jahren sollen am Standort des ehemaligen Kohlekraftwerks in Ensdorf hochmoderne Siliziumkarbid-Chips produziert werden, die besonders in der Automobilbranche sowie in der Energiegewinnung und -versorgung benötigt werden, heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium weiter (BMWI). An der Veranstaltung auf dem Gelände der zukünftigen Fertigungsanlage haben sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschafts- und -klimaschutzminister Robert Habeck gemeinsam mit der Ministerpräsidentin des Saarlandes Anke Rehlinger (SPD) und dem saarländischen Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) davon überzeugt, wie die Transformation der Industrie in den nächsten Jahren gelingen kann.

"Diese Initiativen sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem erfolgreichen industriellen Wandel. Sie stärken die europäische Versorgungssicherheit und unterstützen gleichzeitig den europäischen Green Deal und die strategischen Ziele für die digitale Dekade in Europa", erklärt Holger Klein, Vorstandsvorsitzender von ZF.

Forschung und Produktion an einem Standort

Die strategische Partnerschaft umfasst eine gemeinsame Forschungseinrichtung in Deutschland, die sich auf reale Herausforderungen in den Bereichen Elektromobilität und erneuerbare Energien konzentrieren wird. Ziel der Zusammenarbeit ist es, "bahnbrechende Innovationen" für Siliziumkarbid-Systeme, -Produkte und -Anwendungen zu entwickeln, die die gesamte Wertschöpfungskette vom Chip bis zu kompletten Systemen abdecken. Weitere Kooperationspartner seien eingeladen, sich am Innovationsprozess zu beteiligen, um ein umfassendes europäisches Siliziumkarbid-Innovationsnetzwerk aufzubauen. Das F&E-Zentrum werde sich auf Innovationen für Siliziumkarbid-Systeme und -Bauteile konzentrieren, die den spezifischen Anforderungen in allen Mobilitätssegmenten, einschließlich Verbraucher-, Nutz-, Landwirtschafts- und Industriefahrzeugen, sowie in den Märkten für Industrie und erneuerbare Energien entsprechen. Die Zusammenarbeit werde Verbesserungen wie einen höheren Wirkungsgrad, eine größere Leistungsdichte und höhere Leistungen für Elektrifizierungslösungen vorantreiben, ist man sich sicher.

Wirkungsgrad und Leistungsdichte sollen steigen

Wie bereits angekündigt, planen die Amerikaner den Bau einer vollautomatischen, hochmodernen 200-mm-Waferfabrik im Saarland, Deutschland. ZF beabsichtigt, diesen Neubau durch eine "beträchtliche Finanzinvestition" in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages im Tausch gegen Wolfspeed-Stammaktien zu unterstützen. Als Teil dieser Investition wird ZF eine Minderheitsbeteiligung an der Produktionsstätte halten. Wolfspeed behält alle Kontrollrechte über den Betrieb und das Management des neuen Werks, heißt es weiter. Die Unternehmen hatten bereits eine strategische Partnerschaft für 2019 angekündigt, um branchenführende, hocheffiziente elektrische Antriebsstränge mit einem Siliziumkarbid-Inverter zu entwickeln.

"Mit ZF haben wir einen starken Partner an unserer Seite, der branchenführende Erfahrung in der Skalierung von Komponenten für die Elektromobilität mitbringt und die Fähigkeit besitzt, Innovationen bei Siliziumkarbid-Systemen und Leistungsbauelementen zu beschleunigen. Ich bin zuversichtlich, dass diese Partnerschaft die Siliziumkarbid-Halbleitertechnologie auf eine neue Ebene der globalen Wirkung heben und die Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit und Effizienz in einer Vielzahl von Branchen unterstützen wird", erklärte Gregg Lowe, Präsident und CEO von Wolfspeed.

Man vereine zusammen mit Wolfspeed Fachwissen in der Leistungselektronik und in Systemen mit einem Anwendungs-Know-how, ergänzt Stephan von Schuckmann, Mitglied der ZF-Geschäftsführung. Die US-Amerikaner brächten mehr als 35 Jahre Erfahrung in der Siliziumkarbid-Technologie ein, ZF sein Verständnis für die Gesamtsysteme in allen Bereichen, von Pkw und Nutzfahrzeugen bis hin zu Baumaschinen, Windkraft und industriellen Anwendungen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Fabrik und F&E-Zentrum soll es ermöglichen, bahnbrechende Innovationen jenseits des Stands der Technik zum Nutzen unserer Kunden zu entwickeln, hofft Schuckmann.

"Gerade im Saarland, das maßgeblich von Industrie und Automobilsektor geprägt ist, bedeutet diese Ansiedlung einen wichtigen technologischen Sprung hin zu Elektromobilität und grüner Energiewirtschaft. Das Projekt mit Leuchtturmcharakter zeigt, wie Transformation gelingen kann: Es werden nicht nur bis zu 1.000 nachhaltige Arbeitsplätze entstehen, sondern eine komplett neue Branche Mikroelektronik im Land aufgebaut. Das wird Folgeeffekte haben, wie sie bisher nie da gewesen sind“, ergänzte Wirtschaftsminister Barke.