Zoll & Export: Online-Handel treibt IT-Nachfrage

Drei sich überlagernde Faktoren bringen E-Commerce-Unternehmen derzeit dazu, vermehrt in die digitalisierte Zollabwicklung zu investieren.

Frachtverladung am Flughafen Leipzig/Halle. | Bild: Flughafen Leipzig/Halle GmbH, Kathrin Falke
Frachtverladung am Flughafen Leipzig/Halle. | Bild: Flughafen Leipzig/Halle GmbH, Kathrin Falke
Tobias Schweikl

Der anhaltende Boom im E-Commerce steigere auch die Nachfrage nach automatisierten Zolllösungen. Das meldet der Hamburger Softwaredienstleister Dakosy. Entscheidende Knotenpunkte seien demnach die Flughäfen Leipzig/Halle und Köln/Bonn. In Frankfurt hingegen gäbe es in Folge des Brexits ein Interesse an digitalisierter Zollabwicklung im Bereich Landverkehre.

„Es gibt aktuell verschiedene Auslöser, weshalb sich E-Commerce-Unternehmen mit uns in Verbindung setzen, um die Prozesse bei der Einfuhr zu automatisieren. Dies sind der Brexit, die anhaltende Corona-Pandemie und die Abschaffung der Umsatzsteuerbefreiung beim EU-Import von Kleinstsendungen zum 1. Juli 2021“, so Dakosy-Vorstand Dieter Spark.

Luftfracht

An den Flughäfen Leipzig/Halle und Köln/Bonn mache sich diese Entwicklung demnach besonders bemerkbar. An den beiden internationalen E-Commerce-Hubs in Deutschland löst Dakosy mit ihren Softwareanwendungen nach eigener Aussage inzwischen jährlich Millionen Zollprozesse automatisiert aus. Im ersten Quartal 2021 habe man ein Projekt für die SW Zoll-Beratung als eigenständiges Unternehmen von DB Schenker erfolgreich umgesetzt. Ein neuer Auftrag eines großen E-Commerce-Händlers im Zuge des Brexits hätte zu einer erheblichen Mengensteigerung bei SW-Zoll geführt.

„Das Importaufkommen von zusätzlich täglich 15.000 Sendungen aus England am Flughafen Köln/Bonn wäre mit den gut 100 Mitarbeitern auf dem herkömmlichen Weg nicht darstellbar gewesen“, fasst SW-Zoll-Geschäftsführer Martin Makowski die Ausgangssituation zusammen.

Der Ablauf sei nun nahezu komplett automatisiert. Zu den automatisierten Prozessen gehören nun die vorzeitige Einzelzollanmeldung, die ICS-Anmeldung, die summarische Eingangsanmeldung und die Importverzollung.

„Wir extrahieren für SW Zoll seit Anfang Januar im Echtbetrieb mit unserer Software ZODIAK GE alle zollrelevanten Informationen aus den vorhandenen Logistikdatensätzen und lösen so die anstehenden Zollprozesse aus“, erklärt Lutz Hagen, Berater für Zollangelegenheiten bei Dakosy.

Dieses Projekt steht für Spark exemplarisch für den Trend, die zum E-Commerce gehörenden Zollprozesse zu digitalisieren. Allein aufgrund des Volumens gibt es keine Alternative zur Automatisierung. So habe ein Frachtflugzeug im Durchschnitt etwa 20.000 Sendungen an Bord, die möglichst nahtlos von der Maschine in die Auslieferung gehen sollen.

„Qualität und Schnelligkeit der Zollprozesse entscheiden mit darüber, ob Lieferzeiten eingehalten werden“, zeigt Sparks Erfahrung aus zahlreichen Gesprächen mit den an der Transportkette Beteiligten.

Landverkehr

Einen weiteren Bedarf für Zolllösungen im Online-Handel spüre Dakosy im Lkw-Landverkehr aus Großbritannien. Nach dem Brexit seien automatisierte Prozesse für eine schnelle Abwicklung gefragt. Bei der Auswahl der Software sollten Transport- und Logistikunternehmen darauf achten, wie ihre Datenstruktur und -qualität sowie das Sendungsaufkommen beschaffen sind, rät Spark.

So eigne sich eine SaaS-Anwendung (Software-as-a-Service) mit elektronischer Schnittstelle für große Volumen mit gleichbleibend konstanten Datensätzen, die aus hausinternen Systemen wie SAP direkt übernommen werden. Wer hingegen mit Excel- oder CSV-Dateien arbeitet, eine häufig wechselnde Daten- oder Kundenstruktur hat, braucht neben der Standardisierung auch Flexibilität bei der Erstellung der Zolldokumente.

„Für diesen Bedarf haben wir jüngst mit Drag & Map Customs ein webbasiertes, plattformunabhängiges Konvertierungstool entwickelt“, berichtet Spark.

Das Tool sei sofort ohne Programmier- oder umfangreichen Schulungsaufwand einsetzbar. Im Zusammenspiel mit der Zollsoftware „ZODIAK GE“ könnten schnell Produktivitätssteigerungen von 20 bis 25 Prozent erreicht werden, verspricht der Anbieter. Eine weitere etablierte Konvertierungs-Lösung ist die Box-Schnittstelle, bei der Daten direkt aus dem Vorsystem über die BOX (Business Objects Exchange) in ZODIAK GE fließen.

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